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    Akzo Nobel auf Sardinien: Ein Jubiläum mit Blick auf die Weltspitze

Von Heinz Schneider (Text) und Irene Schneider (Fotos)

Akzo Nobel Coatings AG feiert das 50-jährige Bestehen des Netzwerks «Acoat Selected» auf Sardinien. Die «Strategic Conference» verbindet persönliche Begegnungen mit grossen Zukunftsfragen: Wie verändert die geplante Fusion mit Axalta die Lackbranche? Und wie viel Lackierarbeit übernimmt künftig ein Roboter?

Ein halbes Jahrhundert Netzwerkgeschichte feiert sich schlecht zwischen zwei Werkstattterminen. Akzo Nobel Coatings AG hat deshalb vom 17. bis 19. Oktober 2026 nach Sardinien eingeladen. Zur «Strategic Conference», wie das Jubiläumstreffen offiziell heisst, kommen Netzwerk-Mitglieder, Betriebsinhaber und Führungskräfte aus der Schweizer Carrosserie- und Lackierbranche zusammen – ebenso ihre Lebenspartnerinnen und Lebenspartner. Denn zu einer langjährigen Partnerschaft gehören auch jene, die den unternehmerischen Alltag im Hintergrund mittragen.

Und wenn Akzo Nobel Schweiz ruft, bleiben offenbar nur wenige Plätze frei. Businessdirektor Amedeo Bonorva und sein Team hatten entsprechend alle Hände voll zu tun – buchstäblich: Bis am Samstag gegen Mittag sämtliche Gäste zum «Welcome Lunch» eingetroffen waren, hatten die Gastgeber zur Begrüssung rund 110 Hände geschüttelt. Ein Netzwerk lebt schliesslich von Verbindungen. An diesem Wochenende beginnen sie mit einem Händedruck.

Dass die Einladung auf Sardinien führt, dürfte die Zusage zusätzlich erleichtert haben. Die Insel gehört zu Italien, besitzt als autonome Region aber eine ausgeprägte eigene Identität. Und sie bietet weit mehr als türkisblaues Meer und Strände fürs Ferienprospekt: Schroffe Gebirgszüge, knorrige Olivenbäume, kurvenreiche Strassen und stille Bergdörfer prägen die zweitgrösste Mittelmeerinsel nach Sizilien. Entlang der Strassen breitet sich die mediterrane Macchia aus. Wilde Sträucher, Rosmarin, Myrte und Thymian geben der Landschaft ihren würzigen Duft. Sardinien spricht die Sinne an, lange bevor das erste Referat beginnt.

Untergebracht sind Gäste und Gastgeber im «Marina Beach Resort», ein Viersternehotel rund 300 Meter vom etwa sieben Kilometer langen Sandstrand der Marina di Orosei entfernt. Das nahe gelegene Orosei liefert dazu den passenden Kontrast zum durchgetakteten Berufsleben: verwinkelte Gassen, honigfarbene Natursteinhäuser und kleine Piazze, auf denen der Alltag seinen eigenen Rhythmus behalten hat. Ein guter Ort also, um Abstand zu gewinnen – und mit etwas Abstand genauer auf die eigene Branche zu schauen.

Den Blick aufs grosse Ganze richtete am Samstagnachmittag Sander Knip, der die Märkte Deutschland, Österreich, Schweiz und Grossbritannien verantwortet. Sein Thema: die geplante Fusion von Akzo Nobel und Axalta. Unter dem neuen Namen «Axanzo» soll ein globaler Lackkonzern entstehen, der nach Angaben der Konzernleitung einen Umsatz von rund 25 Milliarden erreichen soll. Eine Grössenordnung, mit der das neue Unternehmen den bisherigen Branchenführer Sherwin-Williams überholen will.

Die im Vortrag genannten Vergleichszahlen zeigen den Anspruch: Axalta kommt bislang auf 5,3 Milliarden Umsatz, Akzo Nobel auf 11,6 und Sherwin-Williams auf 23,1 Milliarden. Mit dem Zusammenschluss zielen die beiden Fusionspartner damit auf die Weltspitze. Die Botschaft auf Sardinien ist deutlich: Hier sollen die Kräfte für einen neuen Marktführer gebündelt werden.

Klappt der Zusammenschluss wie vorgesehen, soll «Axanzo» nach den vorgestellten Angaben über 91 Forschungs- und 173 Produktionsstandorte verfügen. Hinter solchen Zahlen steckt mehr als die Aussicht auf einen grösseren Konzernnamen. Für die Betriebe wird entscheidend sein, was davon im Alltag ankommt: bei Produkten, technischer Unterstützung, Lieferfähigkeit und Service. Weltweite Grösse beeindruckt auf der Leinwand. Bewähren muss sie sich in der Lackierkabine.

Wie konkret sich dieser Alltag verändern könnte, zeigte anschliessend David Rau von «SATA Automation». Er ist an der Entwicklung des automatischen Lackierroboters «jetstream» beteiligt – einer Technologie, die eine vertraute Diskussion neu entfacht: Welche Arbeiten braucht es künftig noch von Hand, und welche kann eine Maschine übernehmen?

Nach den vorgestellten Praxistests und Untersuchungen in einem Carrosseriebetrieb übernimmt der Roboter derzeit rund 35 Prozent der Lackieraufgaben. Als Entwicklungsziel nannte Rau einen Anteil von dereinst 80 Prozent am Lackierprozess. Zwischen diesen beiden Zahlen liegt allerdings noch ein beträchtliches Stück Entwicklungsarbeit. Für die Betriebe lohnt es sich deshalb, genau hinzuschauen: Welche Aufgaben beherrscht das System heute, welche künftig – und welche passen zum eigenen Auftragsmix?

Auch das Preisschild verlangt einen nüchternen Blick. Rund 270 000 Euro kostet laut Rau das gesamte Paket. In etwa drei Jahren soll sich die Investition amortisieren. Eine interessante Rechnung, deren Ergebnis im einzelnen Betrieb vor allem von Auslastung, Einsatzmöglichkeiten und Abläufen abhängen dürfte. Ein Roboter allein macht noch keinen wirtschaftlicheren Betrieb. Er braucht Arbeit – und einen Platz im Prozess, an dem er tatsächlich Zeit und Kosten spart.

Gerade darin liegt der Reiz der Entwicklung. Während die Maschine geeignete Lackieraufgaben erledigt, können sich Fachkräfte anderen produktiven Arbeiten widmen. Das handwerkliche Können verliert dadurch nicht seinen Wert. Farbtonfindung, Vorbereitung, Beurteilung und Qualitätskontrolle bleiben anspruchsvoll. Die Lackierpistole bekommt einen automatisierten Kollegen. Die Verantwortung bleibt menschlich.

Damit war nach den ersten Referaten bereits klar: Dieses Jubiläum beschäftigt sich keineswegs nur mit den vergangenen 50 Jahren. Auf Konzernebene werden neue Strukturen vorbereitet, in den Werkstätten neue Verfahren erprobt. Für die Netzwerk-Mitglieder stellt sich in beiden Fällen dieselbe Frage: Was bringt meinen Betrieb weiter?

Zum Abschluss des Samstagnachmittags bot der Besuch der Aussteller Gelegenheit, diese Frage im direkten Gespräch zu vertiefen. Von der Automobil Revue, Carbesa und Catalfer über EBP und IR-Technology bis zur Südo Jasa AG stellten sich die Unternehmen vor, zeigten ihre Neuheiten und standen für den persönlichen Austausch bereit.

Wie sich der Sonntag gestaltet und welche Stimmung der Galaabend mit Livemusik auf die Insel bringt, lesen Sie hier in Kürze.