Carwing-Redaktion (Text)
Für die Mobilität der Zukunft fällt mancherorts zuerst der Wald. Eine neue Recherche zu Nickelminen in Indonesien zeigt eine Seite der Elektromobilität, die zum pauschalen Etikett der sauberen Technik wenig passt.
Der «Guardian» veröffentlichte am 16. Oktober 2026 eine Untersuchung über Verbindungen zwischen Nickelminen auf Sulawesi und den Lieferketten grosser Autohersteller. Im Mittelpunkt stehen die Minen Cahaya und Hengjaya. Die gemeinsam mit Voxeurop durchgeführte Recherche zeichnet Geschäftsbeziehungen und Materialströme über den Rohstoffkonzern Huayou zu Batterieherstellern wie CATL und LG und weiter zu Fahrzeugwerken nach.
Allein im Gebiet der Cahaya-Konzession wurden nach einer Auswertung der indonesischen Organisation Auriga im Jahr 2024 zusätzliche 330 Hektaren Wald gerodet. Das entspricht ungefähr 460 Fussballfeldern. Betroffen ist auch der Lebensraum der indigenen Tolaki, deren Lebensgrundlage eng mit dem Wald verbunden ist.
Wo Wald verschwindet, gehen Lebensräume verloren. Für die Menschen vor Ort verändert sich ihre unmittelbare Umgebung, während der gewonnene Rohstoff über mehrere Verarbeitungsschritte in die internationale Industrie gelangt. Die Entfernung zwischen Mine und fertigem Auto macht diese Folgen für Käufer kaum sichtbar.
Die Politik hat den Wechsel zum Elektroantrieb mit strengeren CO₂-Vorgaben gezielt vorangetrieben. Die EU wollte damit ausdrücklich die Umstellung der Industrie beschleunigen. Die Rodungen zeigen jedoch, dass eine andere Antriebstechnik auch andere Umweltbelastungen mit sich bringt. Diese fallen vielfach weit entfernt von den Ländern an, in denen die Fahrzeuge später unterwegs sind.
Der Waldverlust ergänzt weitere Probleme der Batterieproduktion. Für die argentinische Lithiumanlage Olaroz errechneten Forscher rund 46 700 Liter Süsswasser und zusätzlich 537’400 Liter lithiumhaltige Salzlauge je Tonne Lithiumcarbonat. In Fénix lag der errechnete Süsswasserverbrauch bei rund 135 500 Litern je Tonne. Beide Anlagen liegen im trockenen argentinischen Hochland. Beim Kobaltabbau in der Demokratischen Republik Kongo dokumentiert das US-Arbeitsministerium zudem gefährliche Kinderarbeit.
Elektroautos bieten Vorteile im Fahrbetrieb und können gegenüber vergleichbaren Benzinern die Klimabilanz verbessern. Das pauschale grüne Etikett erzählt ihre Geschichte trotzdem nur unvollständig. Waldrodungen, Wasserverbrauch und problematische Arbeitsbedingungen gehören ebenfalls dazu.
Wer die Antriebswende politisch als Fortschritt bewirbt, sollte diese Folgen ebenso deutlich benennen wie ihre Vorteile. Die Mobilität wird durch einen anderen Motor verändert. Rundum sauber wird sie dadurch noch nicht.