Carwing-Redaktion (Text)
Mit der «Sportwagenschmiede ’35» will Porsche wieder deutlich profitabler werden. Der Hersteller setzt auf exklusivere Modelle, einen breiteren Antriebsmix und eine schlankere Organisation. Dahinter steht die Korrektur eines teuer gewordenen Wachstumskurses.
Bei Porsche soll der Luxus künftig vor allem eines: sich rechnen. Die am 7. Oktober in Weissach vorgestellte Strategie von Vorstandschef Michael Leiters folgt einer einfachen Formel: mehr Ertrag je Fahrzeug, weniger Kosten im Unternehmen. Die Sportwagenmarke will ihre Begehrlichkeit stärker zu Geld machen.
Der Hintergrund ist bekannt: Die Nachfrage nach teuren Elektromodellen entwickelte sich langsamer als erwartet, das China-Geschäft brach ein und die Korrektur der Modellplanung kostete Milliarden. Jetzt richtet Porsche sein Geschäft so aus, dass es auch mit geringeren Stückzahlen solide Gewinne erwirtschaften kann.
Den grössten Hebel sucht Leiters am oberen Ende des Angebots. Bei den Spitzenmodellen strebt Porsche einen um rund 20 Prozent höheren durchschnittlichen Verkaufspreis an – durch höherwertige Produkte und zusätzliche Individualisierung. Das Sonderwunsch-Programm soll deutlich wachsen. Massgeschneiderte Fahrzeuge und exklusive Ausstattungen sollen mehr zum Ergebnis beitragen.
Dazu passen weitere besondere 911-Versionen und eine angekündigte Mittelmotor-Supersportwagenplattform, die eine Baureihe oberhalb des Elfers ermöglichen soll. Ein SUV oberhalb des Cayenne wird ebenfalls geprüft. Einen verbindlichen Einführungstermin nennt Porsche dafür noch nicht.
Bei den Antrieben bleibt es beim Nebeneinander von Verbrennern, Plug-in-Hybriden und Elektroautos. Für 2028 kündigt Porsche ein neues SUV mit Verbrennungs- und Plug-in-Hybridantrieb an, das parallel zum elektrischen Macan angeboten werden soll. An den elektrischen Nachfolgern von 718 Boxster und Cayman hält der Hersteller fest und investiert weiter in Batterietechnologie.
Die neue Exklusivität bekommt zugleich einen strengeren Kostenrahmen. Weniger Modellvarianten, kürzere Entwicklungszeiten und eine engere Zusammenarbeit mit Audi sollen den Aufwand senken. Technik und Beschaffung werden stärker geteilt, während Gestaltung, Fahrverhalten und Individualisierung den Porsche-Aufpreis rechtfertigen müssen.
Auch die Organisation wird kleiner. Porsche nennt einen sozialverträglichen Abbau von rund 9 000 Stellen und will die Führungsstruktur deutlich verschlanken. Gleichzeitig zieht sich das Unternehmen aus Beteiligungen und Nebengeschäften zurück, um Kapital und Aufmerksamkeit auf das Kerngeschäft zu konzentrieren.
Das entscheidende Ziel dahinter: Porsche will künftig bereits bei weniger als 200 000 Fahrzeugen die Kosten decken können. Eine niedrigere Gewinnschwelle soll den Hersteller gegen weitere Nachfragerückgänge absichern. Der Erfolg soll stärker davon abhängen, was an einem Auto verdient wird.
Die Strategie passt damit zu einem Markt, der weniger verlässlich wächst als früher. Ob die Rechnung aufgeht, müssen die neuen Modelle und ihre Käufer zeigen. Leiters muss günstiger entwickeln und produzieren lassen, während die Kunden für mehr Exklusivität tiefer in die Tasche greifen sollen. Eine Sonderfarbe lässt sich bestellen. Eine Gewinnmarge nicht.