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    Die automobile Vergangenheit braucht eine Werkstatt

Carwing-Redaktion (Text)

Ein amerikanischer Name, ein Schweizer Geburtsort: In Schinznach-Bad gehörte das lange zum automobilen Alltag. Heute verbindet ein ausgebauter Klassikerbetrieb die Werkstatt mit Sammlung und Archiv. Dahinter steckt eine Frage, die jede Restaurierung begleitet: Wie viel Geschichte bleibt erhalten, wenn ein altes Auto wieder frisch dasteht?

Zwischen 1949 und 1972 montierte die Automontage Schinznach AG insgesamt 29’227 Fahrzeuge. Plymouth, Chrysler und Dodge gehörten ebenso dazu wie Modelle von Standard und Studebaker sowie der VW Karmann-Ghia. Wer heute einen solchen Klassiker betrachtet, blickt deshalb auch auf ein Stück Schweizer Industriegeschichte.

Am Anfang stand eine nüchterne Rechnung. Für eingeführte Fahrzeugteile galten günstigere Zölle als für komplette Autos. Die Montage im eigenen Land lohnte sich. Schinznach-Bad entwickelte sich zu einem wichtigen Standort des Autogeschäfts; von 1947 bis 2019 sass hier auch die Importorganisation der AMAG. Der Ort war über Jahrzehnte eine Schnittstelle zwischen ausländischen Herstellern und Schweizer Strassen.

An diese Vergangenheit knüpft der heutige Betrieb an. Seit Anfang Juli 2026 arbeitet die 2021 gegründete AMAG Classic in einem historischen Garagengebäude als eigenständige Werkstatt. Die Neuorganisation verbindet die Betreuung von Kundenfahrzeugen mit der historischen Sammlung, dem Archiv und dem Schaulager. Letzteres bleibt ein eigener Besuchsort in Schinznach-Bad.

Im Werkstattalltag geht es um die handfesten Fragen des Erhalts: Motoren und Getriebe revidieren, Carrosserien instand stellen, Lackierungen aufbauen und passende Ersatzteile beschaffen. Carrosserie- und Lackierarbeiten werden nach Angaben des Unternehmens im eigenen Betrieb ausgeführt. Auch Steuergeräte lassen sich dort reparieren. Mit den Youngtimern ist schliesslich längst eine Fahrzeuggeneration in der Klassikerszene angekommen, deren Technik sich nicht allein mit mechanischem Wissen beherrschen lässt.

Dabei verlangt eine Restaurierung Entscheidungen, die über das Reparieren hinausgehen. Was bleibt erhalten, was wird ersetzt, welche früheren Veränderungen gehören zur Geschichte des Autos? Eine nachvollziehbare Dokumentation hilft, solche Eingriffe später einzuordnen. Der Betrieb nennt sie zusammen mit der Kostenplanung als Bestandteil seiner Restaurierungsprojekte. Für Besitzer ist das wesentlich: Eine glänzende Oberfläche erzählt wenig darüber, wie sie zustande gekommen ist.

Die Sammlung umfasst nach Unternehmensangaben mehr als hundert Old- und Youngtimer. Eine wechselnde Auswahl lässt sich bei angemeldeten Führungen im Schaulager besichtigen. Das Archiv könnte darüber hinaus helfen, die Herkunft einzelner Fahrzeuge und ihre Schweizer Vergangenheit genauer zu erschliessen. Welche Unterlagen für externe Recherchen verfügbar sind, geht aus den veröffentlichten Besuchsinformationen allerdings nicht hervor.

Zum Konzept gehören auch Fahrzeughandel, Einlagerung und Vermietung. Ein gesichertes Autohotel bietet Platz für Kundenfahrzeuge, während ausgewählte Klassiker für Ausfahrten gemietet werden können. Darunter ist ein 1969 in Schinznach montierter Dodge Dart. Bei ihm wird die örtliche Montagegeschichte buchstäblich erfahrbar.

Der Reiz dieses Standorts liegt in der Verbindung von Fahrzeugen, Herkunft und Handwerk. Lack lässt sich erneuern. Verlorenes Wissen lässt sich schwerer nachbestellen.

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