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    Papamobile: Sonderwünsche von höchster Stelle

Carwing-Redaktion (Text)

Ein Thron aus Brokat, automatisch ausfahrende Trittstufen und eine transparente Kuppel: Papstwagen folgen einem eigenen Lastenheft. Eine neue Ausstellung in den Vatikanischen Museen zeigt anhand von acht historischen Mercedes-Benz, wie aus der repräsentativen Limousine ein Fahrzeug für öffentliche Begegnungen wurde.

Der wichtigste Passagier soll gut geschützt sein. Gleichzeitig sollen ihn möglichst alle sehen können. Viel widersprüchlicher kann ein Auftrag an einen Fahrzeugbauer kaum ausfallen. Wie sich diese Anforderungen über Jahrzehnte verändert haben, erzählt die Ausstellung «A Century of the Popemobile», die seit dem 29. Oktober 2026 in den Vatikanischen Museen öffentlich zugänglich ist. Zu sehen ist sie bis zum 31. Januar 2027 in einem Glaspavillon im Giardino Quadrato nahe der Pinakothek.

Die Geschichte der Zusammenarbeit mit Mercedes beginnt 1930. Pius XI. erhält einen Nürburg 460, dessen Fond eher an einen kleinen Audienzsaal erinnert. Ein einzelner, mit Brokat bezogener Sessel reserviert dem Papst den zentralen Platz. Das Zeremoniell der Kutsche fährt nun im Automobil weiter.

Dreissig Jahre später wird die Carrosserie beweglicher. Das Mercedes-Benz 300 d Landaulet für Johannes XXIII. erhält einen verlängerten Radstand und herausnehmbare hintere Seitenscheiben. Das Verdeck über dem Fond lässt sich öffnen; beim Öffnen der hinteren Türen fahren automatisch Trittstufen aus. Der mittig angeordnete Papstsitz ist elektrisch verstellbar. Der Wagen soll seinem Passagier das Einsteigen erleichtern und ihm einen sichtbaren Auftritt ermöglichen.

Beim 600 Pullman-Landaulet von 1965 nimmt der Sonderwagenbau nochmals Mass. Für Paul VI. entstehen gegenüber der Serie um 256 Millimeter verlängerte Fondtüren und ein ebener Boden im hinteren Abteil. Der Einzelsitz lässt sich in mehreren Richtungen verschieben. Kühlanlage und Gegensprecheinrichtung gehören ebenfalls dazu. Verwirklicht wird die Sonderanfertigung gemeinsam von Versuchsabteilung und Produktion im Mercedes-Werk Sindelfingen.

Den entscheidenden Wandel im Erscheinungsbild bringt 1980 der Mercedes-Benz 230 G für den Deutschlandbesuch von Johannes Paul II. Der perlmuttfarbene Geländewagen trägt einen hohen transparenten Aufbau. Die erhöhte Position im Fond macht den Papst für die Menschen entlang der Strecke besser sichtbar. Klimatisierung und Beleuchtung werden auf diesen besonderen Arbeitsplatz abgestimmt. Damit erhält das Papamobil jene unverwechselbare Silhouette, die bis heute mit öffentlichen Auftritten des Papstes verbunden ist.

Die Kuppel dient zunächst dem Schutz vor Wind und Wetter. Nach dem Attentat auf Johannes Paul II. im Mai 1981 erhält der Aufbau eine beschusssichere Verglasung. Aus dem Wetterschutz wird damit auch eine Sicherheitskonstruktion. Sichtbarkeit und Schutz müssen sich fortan dieselbe Carrosserie teilen.

Die Ausstellung zeigt auch, wie unterschiedlich diese Aufgabe weiterentwickelt wird. Zum Aufgebot gehören ein S 500 lang Landaulet von 1997 sowie die Papamobile ML 430 von 2002 und ML 500 von 2012. Beim jüngeren ML wächst die transparente Fondkonstruktion: Mehr Platz erleichtert den Einstieg, grössere Glasflächen verbessern die Sicht auf den Papst.

Einen Ausblick über die acht historischen Exponate hinaus liefert das Ende 2024 an Franziskus übergebene Papamobil auf Basis des elektrischen G 580. Spezialisten aus Graz, Sindelfingen und Rom arbeiten rund ein Jahr daran. Der Antrieb wird für langsame Fahrten bei öffentlichen Auftritten angepasst. Im Fond sitzt der Papst auf einem höhenverstellbaren Drehsitz. Für den Umbau wird das Dach ab der B-Säule entfernt, die linke hintere Türöffnung mit einem neu angefertigten Carrosserieteil verschlossen und die rechte Fondtür auf gegenläufigen Anschlag umgebaut.

Vom Brokatsessel bis zur umgebauten Elektro-G-Klasse zieht sich dieselbe Aufgabe durch die Jahrzehnte: Ein einzelner Passagier bestimmt das ganze Fahrzeug. Seine Reichweite wird dabei vor allem in Blickkontakten gemessen.

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