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    Von UV-Lack bis Robotik: Die Trends der Automechanika 2026

Von Jürgen Klasing (Text und Fotos)

Frankfurt war wieder laut, gross und ziemlich international. Vom 8. bis 12. September wurde die Automechanika einmal mehr zum globalen Treffpunkt der Automobilwirtschaft. Rund 4400 Aussteller aus 80 Ländern bespielten ein Messegelände von rund 300 000 Quadratmetern oder 42 Fussballplätzen – genug Fläche also, um sich zwischen Lack, Robotik, Software und Zukunftsversprechen gehörig die Beine zu vertreten.

Die grossen Themen lagen schnell auf der Hand: Innovationen für den Automotive Aftermarket, künstliche Intelligenz, Elektromobilität, Digitalisierung und autonomes Fahren. Vieles davon klingt inzwischen vertraut. In Frankfurt zeigte sich aber deutlich, wie konkret diese Entwicklungen inzwischen in Werkstatt, Handel und Reparaturbetrieb angekommen sind.

Die führenden Player aus Industrie, Werkstatt und Handel präsentierten dazu neue Lösungen und Geschäftsmodelle. Ergänzt wurde das Ganze durch ein umfangreiches Rahmenprogramm mit mehr als 500 Veranstaltungen. Mit dem «Future Mobility Park», der ersten Automechanika «Pit Lane» und dem «Experience Park» ging es dabei nicht nur ums Anschauen. Live-Action, Motorensound, Challenges und exklusive Einblicke sorgten dafür, dass die Messe zwischendurch auch tatsächlich nach Automobil roch und klang. Mit den Entwicklungen rund um autonomes Fahren und digitale Services beschäftigte sich zudem das neue Forum «High Tech 4 Mobility» in der Festhalle.

Schweizer Aussteller waren hingegen eher dünn gesät. Einer davon war Roger Blum mit seinem Team von «Blutech AG», das den Lackierroboter «Paint Go» demonstrierte – carwing hat darüber bereits berichtet. Ebenfalls auf unserer Route lag die «Axalta Coating Systems GmbH» in Halle 11.1.

Dort stellte Geschäftsführer Sebastian Wyder verschiedene neue Produkte vor, die im November 2026 auf den Markt kommen sollen. Dazu gehört das Synergy UV-A-System, eine Premiumlösung für kleinere kosmetische Eingriffe und Kleinschadenreparaturen. Die Idee dahinter ist ebenso simpel wie praxisnah: Kleine Schäden sollen in einem eigenen Schnelldurchlauf abgewickelt werden, statt wertvolle Kapazitäten in der Spritzkabine zu blockieren oder grössere Reparaturprozesse auszubremsen.

Das System basiert auf zwei 1K-Produkten. Der AXS504 UV-A Grundierfüller ist für Spot-Reparaturen ausgelegt und härtet innerhalb von nur einer Minute aus. Lange Trocknungs- und Aushärtungszeiten entfallen, gleichzeitig verspricht Axalta gute Haftung und verbesserte Korrosionsbeständigkeit.

Dazu kommt der AXS700 UV-A Klarlack. Er ist für eine schnelle Verarbeitung in 1,5 Spritzgängen ausgelegt und soll hohen Glanz, saubere Beilackierung und gute Polierbarkeit bieten. Nach drei Minuten Abdunstzeit lässt er sich mit einer UV-A-Handlampe innerhalb einer Minute vollständig aushärten. Die Farbe des Basislacks beeinflusst diesen Prozess nicht. Damit entfallen jene unterschiedlichen Erwärmungseffekte, die bei herkömmlichen Infrarot-Verfahren auftreten können. AXS700 lässt sich sowohl mit der Spritzpistole als auch aus der Sprühdose verarbeiten.

Aus Schindellegi (SZ) angereist war die «Betag Innovation AG». Das Unternehmen ist auf Beulentechnik spezialisiert und bietet Trainingskurse für Instandsetzungsprofis, unter anderem für Fahrzeuge von BMW, Ford und Toyota. Dazu kommen eigene Reparaturwerkzeuge.

Geschäftsführer Ralph Meichtry hätte in Frankfurt eigentlich gerne auch das neue mobile «Damage Assessing System» gezeigt. Doch die Entwicklung steckt noch im patentrechtlichen Zertifizierungsverfahren. Der handgeführte Carrosseriescanner auf Rollen positioniert sich zwischen Portalscanner und Tablet. Zwei Digitalkameras und Reflektoren sind auf einem Gestell montiert, das um das Fahrzeug geführt wird. Schäden und Hageldellen werden erkannt, automatisch dokumentiert und von der Software direkt in eine Reparaturkalkulation übernommen. Die Markteinführung ist für das Frühjahr 2027 vorgesehen.

Auch bei Surventis war Bewegung drin. Die Lackmarken Glasurit und R-M waren in den Hallen 11.0 und 11.1 vertreten. Die Umwandlung ist vollzogen: Aus BASF wurde die «Surventis Services AG», Glasurit und R-M bleiben als Marken bestehen. Alexander Bru, Regional Manager DACH, sprach von einem wichtigen Schritt, weil die Lackmarken nun in einer eigenen Gesellschaft angesiedelt sind und nicht mehr direkt im BASF-Unternehmen.

In der Schweiz läuft die Umfirmierung auf Hochtouren. Bis Ende September soll alles auf «Surventis Services AG» umgestellt sein. Neben Glasurit und R-M spielt auch die Plattform «Refinity» eine zentrale Rolle. Sie soll Lösungen für Mix & Scan, Mischformeln und Trainingstermine bereitstellen. Surventis Schweiz will dabei vor allem mit direktem Kundenkontakt, schnellem Service und effizienter Abwicklung punkten.

Ein Besuch bei «Sata» gehört an der Automechanika fast schon zum Pflichtprogramm. In diesem Jahr lohnte er sich gleich doppelt, denn an zwei Ständen wurden Neuheiten gezeigt. Im Bereich Premium-Lackiertechnologie standen die Sondereditionen «Jet X Clearcoat» und «Basecoat» sowie eine weitere «Jet X»-Edition im Mittelpunkt, die vom Künstler Alex Bloch gestaltet wurde.

Noch mehr Publikum zog die «Sata Automation» mit der «Jetstream» in Aktion an. In einer Lackierkabine zeigte die Robotik-Lösung ganz konkret, wie sich der Output im Lackierbetrieb erhöhen lässt. Die Anlage ist nachrüstbar und in verschiedenen Ausbaustufen erhältlich.

Auf vier oder sechs Stützsäulen und Trägerschienen wird ein Sechsachs-Roboter für die automatische Lackapplikation montiert. Eine zusätzliche Achse sitzt an der Lackierpistole, dazu kommen zwei Verfahrachsen für die Bewegung des Roboters. Damit lässt sich praktisch jede Stelle eines Fahrzeugs in optimaler Position ansteuern. Möglich sind Spot-Lackierungen und Teilbereiche ebenso wie komplette Seiten- oder Ganzlackierungen bei Fahrzeugen bis 2,2 Meter Höhe. Verarbeitet wird dabei genau jenes Lackmaterial, das auch ein Lackierfachmann einsetzen würde.

Die «Jetstream»-Anlage kann zudem Lackierpistolen und Farbbecher mit dem angemischten Lackmaterial innerhalb der Kabine vollautomatisch wechseln. Damit ist auch eine komplette Lackierung ohne manuellen Werkzeugwechsel möglich.

Am Ende blieb von der Automechanika 2026 vor allem ein Eindruck hängen: Vieles, was vor wenigen Jahren noch nach Zukunftsmusik klang, steht inzwischen in der Halle, bewegt Roboterarme, scannt Carrosserieschäden oder verkürzt Reparaturzeiten. Frankfurt zeigte damit weniger ferne Visionen als vielmehr, wie schnell sich das Handwerk gerade verändert. 

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