Heute: MP-Carrosserie, Wolfwil (SO)
Wolfwil liegt im Kanton Solothurn, im Bezirk Gäu, direkt an der Aare zwischen Solothurn und Olten. Rund 2500 Menschen leben hier – überschaubar genug, dass man sich kennt, aber offensichtlich gross genug für bemerkenswerte Geschichten. Die weithin sichtbarste davon erzählt die Pfarr- und Wallfahrtskirche Mariä Himmelfahrt, die seit dem 16. Jahrhundert belegt ist. In ihrem Innern befindet sich ein gotisches Marien-Gnadenbild, das sogar aus dem frühen 15. Jahrhundert stammen soll.
Auch an prominenten Söhnen fehlt es Wolfwil nicht. 1848 kam hier Richard Kissling zur Welt, jener Bildhauer, dessen Werke später an den prominentesten Plätzen der Schweiz stehen sollten. Er schuf unter anderem das Telldenkmal in Altdorf sowie die Denkmäler für Alfred Escher in Zürich, Vadian in St. Gallen und Benedikt Fontana in Chur. Seit 1991 erinnert vor dem Haus seines Grossvaters in Wolfwil ein Gedenkstein an den Künstler.
Doch Wolfwil kann nicht nur Vergangenheit. Im Dorf gibt es auch einen jungen, leistungsfähigen Carrosserie- und Lackierbetrieb, dessen Geschichte gerade erst richtig begonnen hat: die MP-Carrosserie. Das Motto lautet «Zwei Geschäftsinhaber, eine Leidenschaft» – und derzeit darf man das durchaus wörtlich nehmen. Noch ist das Unternehmen ein klassischer Zweimannbetrieb. Wenn es nach den beiden Gründern geht, soll das allerdings nicht ewig so bleiben.
«Wir legen viel Wert auf den beruflichen Nachwuchs. Deshalb möchten wir einen Lernenden bei uns haben, sobald im Betrieb alles wie geplant läuft», sagt Dominic Müller. Er ist einer der beiden Eigentümer und führt die Spenglerei. Erfahrung bringt er reichlich mit: Seit zwanzig Jahren ist er in der Carrosserieleitung und im Kundendienst tätig. Dazu kommen viele Spezialkurse, auch im Bereich Hochvolttechnik, und ein Maschinenbaustudium. Mit anderen Worten: Wenn es technisch wird, dürfte ihm so schnell niemand ein X für ein U vormachen – oder einen Kotflügel für einen Schweller.
Sein Geschäftspartner Carmine Petretta leitet die Lackiererei. Auch er bringt jahrzehntelange Berufserfahrung mit. Sie hat ihm jenes geschulte Auge fürs Detail beschert, das in einer Lackierkabine bekanntlich mindestens so wichtig ist wie eine ruhige Hand. Petrettas Anspruch ist entsprechend klar: Jedes Fahrzeug soll seine Abteilung mit einem makellosen Finish verlassen.
Das Dienstleistungsangebot deckt praktisch das gesamte Spektrum rund um Carrosserie und Lack ab. Dazu gehören die Abwicklung eines Schadenfalls ebenso wie Oldtimerrestaurationen, Fahrzeugumbauten und Sonderlackierungen. Das Unternehmen will damit nicht nur klassische Reparaturarbeiten erledigen, sondern auch dort zur Adresse werden, wo Erfahrung, Präzision und individuelle Lösungen gefragt sind.
Seit Kurzem gehört die MP-Carrosserie zudem zum Netzwerk von «Certified First Switzerland», kurz CFS. Für Müller und Petretta war dabei entscheidend, Teil einer Organisation zu werden, die ihnen neue Kontakte und zusätzliche Sichtbarkeit ermöglicht. Denn ein guter Betrieb allein genügt heute nicht mehr zwangsläufig. Man muss auch gefunden werden – digital, in Branchenverzeichnissen und innerhalb funktionierender Netzwerke.
Für die beiden Unternehmer bietet CFS deshalb die Chance, neue Kunden zu gewinnen, gelistet und präsent zu sein und sich kontinuierlich neu zu vernetzen. Gleichzeitig geht es ihnen um fachlichen Austausch. «Zudem sind wir sehr interessiert daran, neue Produkte und auch Kompetenzen voranzutreiben», sagt Dominic Müller.
Entsprechend wichtig ist für ihn das Weiterbildungsangebot innerhalb des Netzwerks. Der Schwerpunkt soll zunächst dort liegen, wo bei einem Carrosserie- und Lackierbetrieb naturgemäss das Herz schlägt: in der Werkstatt. Doch Müller schaut bewusst über Werkbank und Lackierkabine hinaus. «Fokussieren werden wir uns sicherlich auf Weiterbildungen im Bereich der Werkstatt. Aber auch in den Bereichen Betriebsführung, Buchhaltung und Kalkulation wollen wir noch besser werden», sagt er. Schliesslich besteht ein moderner Betrieb nicht nur aus handwerklicher Qualität. Die Zahlen sollten am Monatsende ebenfalls möglichst ohne Beule dastehen.
Und was erwarten die beiden Unternehmer von ihrer CFS-Mitgliedschaft? Carmine Petretta formuliert es angenehm unaufgeregt: «Prinzipiell ist die beste Haltung, nichts zu erwarten. Aber wir hoffen schon, mit der Mitgliedschaft einen guten Entscheid getroffen und für die Betriebsentwicklung einen weiteren wichtigen Schritt in die richtige Richtung getan zu haben.»
Nur passiv auf Impulse aus dem Netzwerk warten wollen die beiden allerdings nicht. Nach Möglichkeit werden sie sich aktiv in Diskussionen einbringen. Die nächste Gelegenheit dazu bietet sich bereits am 30. Oktober. Dann findet im Hotel der «Auto Welt von Rotz» in Bronschofen das jährliche CFS-Mitgliedertreffen statt.
An Gesprächsstoff dürfte es kaum mangeln. Ein mögliches Thema ist die Schadensteuerung – und dazu hat Dominic Müller eine klare Haltung. «Die Idee dazu ist im Prinzip eine gute, doch meiner Meinung nach wird nicht zugunsten der besten Werkstätten entschieden, sondern danach, welcher Name eine Firma trägt», sagt er.
Müller ist überzeugt, dass der ursprüngliche Gedanke zunehmend in den Hintergrund geraten ist: In Netzwerken sollten jene Partner berücksichtigt werden, die gute und zuverlässige Arbeit zu einem fairen Preis leisten. Genau dieses Prinzip sieht er inzwischen zu wenig berücksichtigt. «Dieses Ziel wurde verfehlt, und man belohnt vorwiegend die Grossbetriebe», sagt Müller.
Damit dürfte in Bronschofen zumindest eines garantiert sein: Die beiden neuen CFS-Mitglieder aus Wolfwil werden nicht nur zum Händeschütteln anreisen. Sie bringen Erfahrung, klare Vorstellungen und offensichtlich auch die Bereitschaft mit, unbequeme Branchenthemen anzusprechen. Für ein Netzwerk ist das vermutlich keine schlechte Voraussetzung. Denn Vernetzung lebt nicht allein davon, Visitenkarten auszutauschen. Manchmal muss man auch diskutieren, wo der Lack Risse bekommt.
Die «PPG Switzerland GmbH» (Konzerntochter von PPG) und die Belfa AG (Importeurin von PPG) arbeiten daran, das Netzwerk «Certified First Switzerland» in der Schweiz zu etablieren. Wir stellen die Betriebe, die sich zum Mitmachen bei «CFS» entschlossen haben, in loser Folge vor.