Carwing-Redaktion (Text)
Bei der italienischen Staatspolizei bekommt der Begriff «Dienstwagen» gelegentlich eine etwas andere Bedeutung. Jüngstes Beispiel: Ein Lamborghini Temerario wird künftig Teil der Flotte sein. Mit 907 PS und rund 343 km/h Spitze bringt er alles mit, was man gemeinhin mit einem Supersportwagen verbindet. Nur eines soll er gerade nicht tun: Temposünder auf der Autostrada jagen.
Sein Einsatzgebiet ist deutlich ernster. Der Temerario ist für dringende Organtransporte und medizinische Lieferungen vorgesehen – Aufgaben also, bei denen jede Minute zählt und der Nutzen hoher Geschwindigkeit plötzlich weniger nach Show und mehr nach Werkzeug aussieht.
Vorgestellt wurde der Wagen standesgemäss am Lamborghini-Hauptsitz in Sant’Agata Bolognese. Mit dabei waren Vertreter des Unternehmens sowie ranghohe Gäste aus Regierung und Polizei. Ein Lamborghini in Uniform sorgt schliesslich selbst in Italien noch für Aufmerksamkeit.
Ganz neu ist die Verbindung zwischen der Marke aus Sant’Agata und der Polizei allerdings nicht. Seit 2004 haben mehrere Lamborghini den Weg in den Staatsdienst gefunden. Den Anfang machte ein Gallardo, später folgten ein Gallardo LP 560-4, ein Huracán und 2023 ein Urus Performante. Der Temerario setzt diese Reihe nun fort.
Dabei sind die Sportler mehr als rollende PR-Abteilungen mit Blaulicht. Die bisherigen Polizei-Lamborghini wurden nach Angaben der Beteiligten bereits bei mehr als 200 Organtransporten eingesetzt. Hinzu kommen über 1500 Auftritte bei Veranstaltungen zur Verkehrssicherheit. Das hat durchaus einen gewissen Charme: Ausgerechnet ein Supersportwagen mit reichlich Leistung predigt dort Zurückhaltung am Gasfuss.
Natürlich liesse sich ein medizinischer Transport auch mit einem deutlich günstigeren Fahrzeug erledigen. Aber wenn ein Spenderorgan möglichst schnell quer durchs Land in ein Spital gebracht werden muss, verschiebt sich die Perspektive. Dann wird aus automobilischem Überfluss plötzlich ein sehr konkreter Zeitvorteil.
Der Temerario gehört damit wohl zu den wenigen Lamborghini, bei denen eine sehr schnelle Fahrt nicht automatisch nach Übermut aussieht. Im Gegenteil: Wenn am Ende ein Menschenleben davon profitiert, bekommt selbst ein 900-PS-Dienstwagen eine erstaunlich vernünftige Seite.