Dennis Schneider (Text)

Auch der US-Fahrzeugbranche fehlen Tausende Fachkräfte. Nun investiert das Arbeitsministerium 25 Millionen Dollar in neue Ausbildungsplätze. Geld gibt es allerdings nicht nur fürs Einstellen, sondern fürs Durchhalten.

Ein Arbeitsvertrag ist schnell unterschrieben. Spannend wird es drei Monate später, wenn aus anfänglicher Begeisterung Werkstattalltag geworden ist. Genau dort setzen die USA nun an: Wer angehende Fachkräfte nicht nur einstellt, sondern im Ausbildungsprogramm hält, erhält Geld.

Das US-Arbeitsministerium stellt der ASE Education Foundation während vier Jahren 25 Millionen Dollar zur Verfügung. Damit sollen 6000 zusätzliche Fachkräfte für Fahrzeugservice, Nutzfahrzeuge und Unfallreparatur gewonnen werden. Mindestens 21 Millionen Dollar sollen direkt in erfolgsabhängige Zahlungen fliessen.

Die ASE Education Foundation ist eine gemeinnützige Organisation und gehört zu den wichtigsten Instanzen der amerikanischen Fahrzeugausbildung. Sie prüft und akkreditiert Ausbildungsprogramme nach Standards der Branche, verbindet Schulen mit Werkstätten und begleitet Jugendliche beim Einstieg ins Berufsleben. Nach eigenen Angaben erreicht sie mit mehr als 1800 anerkannten Programmen jährlich über 100 000 Lernende.

Das neue Fördermodell ist einfach aufgebaut: Für eine zusätzliche angehende Fachkraft erhält der registrierte Programmsponsor nach 90 Tagen 2500 Dollar. Bleibt die Person während neun Monaten angestellt und im Ausbildungsprogramm, folgen weitere 1000 Dollar.

Das Geld landet allerdings nicht automatisch bei jeder einzelnen Werkstatt. Anspruchsberechtigt sind registrierte Programmsponsoren. Das können Betriebe sein, aber auch Verbände, Händlergruppen, Franchiseorganisationen oder Zusammenschlüsse mehrerer Arbeitgeber. Sie organisieren die praktische Ausbildung, bestimmen Mentoren und stellen den theoretischen Unterricht sowie eine geregelte Lohnentwicklung sicher.

Auch nicht jede gewöhnliche Neuanstellung löst eine Zahlung aus. Das Programm soll zusätzliche Ausbildungsplätze schaffen und nicht einfach den bisherigen Nachwuchs mit Bundesgeld überziehen. Bestehende Organisationen müssen ihre Ausbildungsleistung deshalb ausbauen.

Hinter der Offensive steckt ein bekanntes Problem. Laut ASE benötigt die amerikanische Fahrzeugbranche jährlich rund 128 000 neue Fachkräfte, während die Ausbildungsstätten lediglich etwa 37 000 Absolventinnen und Absolventen hervorbringen. Besonders angespannt ist die Lage in Werkstätten, Nutzfahrzeugbetrieben und der Unfallreparatur.

Ob die Millionenoffensive wirkt, weiss allerdings noch niemand. Das Programm startete erst im Juli 2026, die erste Auszahlung kann frühestens Ende September erfolgen. Auch wie viele der 6000 Stellen tatsächlich auf Carrosserie- und Lackierbetriebe entfallen, ist noch offen.

Trotzdem ist der Ansatz bemerkenswert. Die Amerikaner zählen nicht nur neu geschaffene Ausbildungsplätze. Sie knüpfen das Geld daran, ob die angehenden Fachkräfte nach den ersten Monaten noch da sind. Denn genau in dieser Phase entscheidet sich häufig, ob aus einem hoffnungsvollen Einstieg tatsächlich eine berufliche Laufbahn wird.

Die Amerikaner kaufen sich damit keine Fachkräfte. Sie bezahlen aber für etwas, das in der Diskussion gerne kostenlos vorausgesetzt wird: dass sich jemand kümmert, wenn der Werkstattalltag beginnt.