Wer in der Oldtimerszene vom Erhalt alter Technik spricht, meint oft Chrom, Patina und schöne Geschichten. Die «Interessengemeinschaft Fahrzeugrestauratoren Schweiz» (IgFS) meint etwas Nüchterneres – und gerade deshalb etwas Entscheidendes: Wissen, das nicht mit der letzten Meistergeneration aus der Werkstatt rollt. Seit 2011 engagiert sie sich für die Sicherung dieses Know-hows und für die Nachwuchsförderung, also für jene zentrale Arbeit, ohne die bald selbst das schönste Vorkriegs-Fahrzeug nur noch ein museales Stehzeug wäre.

Ein Markstein wurde 2015 gesetzt, mit dem berufsbegleitenden, eidgenössisch anerkannten Lehrgang für Fahrzeugtechnik. Es war der Beweis, dass man die Restaurierung historischer Fahrzeuge nicht länger bloss als Liebhaberei und Erfahrungsschatz aus zweiter Hand versteht, sondern als ernsthafte Disziplin mit Zukunft.

Nun hat die 15. Mitgliederversammlung kürzlich in Aarberg (BE) auch personell ein neues Kapitel aufgeschlagen. Patrice Walter, bisher Vizepräsident und seit 2022 im Vorstand für die Deutschschweiz zuständig, wurde zum neuen Präsidenten gewählt. Sein Vorgänger Christian Ackermann überreichte ihm symbolisch die «IgFS-Motorsteuerung» – ein hübsches Bild für einen Verband, der sich seit Jahren darum kümmert, dass das kulturelle Blech nicht nur glänzt, sondern auch fachgerecht erhalten bleibt. Walter ist Gründer der «Walter Historische Sportwagen AG» in Bachenbülach (ZH), hat sein Unternehmen im vergangenen Jahr an einen Nachfolger übergeben und arbeitet weiterhin im Betrieb mit. Man darf das als gutes Zeichen lesen: Hier übernimmt keiner, der Oldtimer nur aus dem Sitzungszimmer kennt.

Ackermann wiederum, Gründungsmitglied und seit Anbeginn prägende Figur des Trägervereins, zieht sich nicht einfach ins Depot zurück. Er bleibt Präsident des Lenkungsausschusses und sichert damit die Verbindung zur IgFS auch künftig. Das wirkt vernünftig. Gerade in einer Szene, in der Erfahrung nicht selten durch nichts zu ersetzen ist – ausser vielleicht durch noch mehr Erfahrung.

Bemerkenswert ist auch der Blick in die Westschweiz. Für die Romandie, die sich derzeit im Aufbau befindet, hat sich ein eigener Vorstand formiert: mit Renato Pacifico aus Genf, Corinne de Pasquale aus Bassins, Michel Tinguely aus Farvagny sowie Samantha Loup aus Le Brassus und Kywyo Colarusso aus Genf. Dass dort bereits im November 2025 der zweite Restauratoren-Lehrgang mit neun Teilnehmenden gestartet wurde, zeigt: Das Thema zieht.

Das passt zur nächsten Etappe. Im Zuge der Berufsrevision wird die Ausbildung ab Ende 2026 neu zwei Fachrichtungen anbieten. Vor allem die starke Nachfrage in der jüngeren Oldtimertechnik soll so aufgefangen werden, wie Vorstandsmitglied Beat Schmid, zuständig für die Berufsbildung, erklärte. Darin spiegelt sich eine Entwicklung, die viele Werkstätten längst kennen: Die Szene wird breiter, die Autos werden vielfältiger. Mit 104 Mitgliedern (78 Fachbetriebe) arbeitet die IgFS an einer neuralgischen Stelle – dort, wo Tradition, Ausbildung und Handwerk zusammenkommen.