Von Dennis Schneider (Text)
Ein Auto kann im Scheinwerferlicht einer statischen Premiere vieles versprechen. Platz. Komfort. Reichweite. Am Ende entscheidet aber die Strasse. Den neuen Peaq hatten wir bereits ausführlich vorgestellt. Nun durften wir ihn erstmals fahren.
Der Rahmen passte. Am Vortag waren wir mit dem kleinen Epiq von München ins Tirol gereist. Am nächsten Morgen stand vor dem Interalpen-Hotel Tyrol in Telfs-Buchen das andere Ende der neuen Elektro-Palette bereit. Gross statt kompakt. Sieben Sitze statt Stadtformat. Und als Ziel wieder der Flughafen München.
Unser Testwagen war ein Peaq 90x Selection mit dem Ausstattungspaket PMA4. Allradantrieb, 220 kW oder 299 PS und eine 91-kWh-Batterie. Lackiert war er in Olibo Grün Metallic Spezial. Ein satter, eleganter Ton, der dem fast 4,90 Meter langen SUV gut steht. Unauffällig ist anders. Aufdringlich aber auch.
Der Peaq ist das neue elektrische Flaggschiff der Marke. Das merkt man schon nach den ersten Metern. Nicht, weil er ein Feuerwerk abbrennt. Sondern weil er alles mit bemerkenswerter Ruhe erledigt. Der Antrieb schiebt kräftig und ohne Hektik an. Tempo 100 ist nach 6,7 Sekunden erreicht. Wichtiger ist jedoch, wie mühelos die Leistung jederzeit bereitsteht. Beim Einfädeln. Beim Überholen. Auf der Autobahn.
Der 90x kombiniert einen Permanentmagnet-Synchronmotor an der Hinterachse mit einer Asynchronmaschine vorne. Der zweite Motor bringt zusätzliche Traktion, wenn sie gebraucht wird. Die knapp 2,5 Tonnen verschwinden dadurch nicht. Man spürt, dass hier viel Auto bewegt wird. Doch der Peaq trägt sein Gewicht mit Anstand.
Auf den breiten Strassen Richtung München liegt er satt und ruhig. Auf kurvigeren Abschnitten bleibt er berechenbar. Die Lenkung arbeitet leicht, aber nicht beliebig. Ein Sportwagen will dieser grosse Stromer nicht sein. Das ist gut so. Seine Stärke ist die Gelassenheit. Er fährt einwandfrei, komfortabel und ohne unnötiges Theater. Nicht spektakulär. Aber sehr überzeugend.
Besonders in Erinnerung bleiben die Sitze. Sie sind aussergewöhnlich bequem. Nicht nur beim ersten Hineinsetzen, sondern auch nach längerer Fahrt. Man steigt entspannt aus. Das klingt unspektakulär. Ist bei einem Reisewagen aber vielleicht das grösste Kompliment.
Platz gibt es reichlich. Der Radstand misst fast drei Meter. In Reihe zwei sitzen Erwachsene sehr gut. Erstaunlicher ist die dritte Reihe. Selbst Menschen mit 1,80 oder 1,90 Metern Körpergrösse stossen nicht gleich mit dem Kopf ans Dach. Die Kopffreiheit ist für diese Fahrzeugklasse wirklich ordentlich.
Bei den Beinen endet das kleine Raumwunder. Ganz hinten sitzt man näher an den eigenen Knien, als man es auf einer langen Reise möchte. Für kurze Strecken, den Nachwuchs oder den spontanen Transport von sieben Personen taugt die dritte Reihe dennoch erstaunlich gut. Sie ist mehr als eine reine Notlösung. Ein vollwertiger Langstreckenplatz für grosse Erwachsene ist sie nicht.
Auch beim Gepäck bleibt der Peaq praktisch. Als Fünfsitzer schluckt der Kofferraum bis zu 935 Liter. Beim Siebensitzer bleiben hinter der aufgestellten dritten Reihe noch 299 Liter. Werden die hinteren Sitze versenkt, sind es 890 Liter, maximal passen 2075 Liter hinein. Vorne kommt ein 37-Liter-Frunk dazu. Dort lassen sich Ladekabel verstauen, ohne dass man dafür den halben Kofferraum ausräumen muss. So simpel kann eine gute Idee sein.
Die eigentliche Show findet über den Köpfen statt. Das elektrochrome Panoramaglasdach ist mit mehr als 2,1 Quadratmetern das grösste, das Skoda je verbaut hat. Es lässt sich elektrisch abdunkeln und ist in neun einzeln steuerbare Segmente unterteilt. Bedient wird es über das zentrale Display oder ein Touchfeld am Dachhimmel.
Natürlich ist das ein schöner Vorführeffekt. Doch bei Sonne wird daraus rasch eine sinnvolle Funktion. Der Innenraum bleibt hell und luftig, ohne dass die Passagiere permanent geblendet werden. Unser Selection-Testwagen hatte das Dach bereits an Bord; für reguläre Selection-Modelle soll es in der Schweiz ab dem ersten Quartal 2027 verfügbar werden.
Neu ist auch das senkrecht stehende 13,6-Zoll-Display. Noch nie war ein Zentraldisplay in einem Skoda vertikal angeordnet. Die wichtigsten Klimafunktionen verschwinden erfreulicherweise nicht vollständig darin. Unterhalb des Bildschirms sitzen echte Schalter und Drehregler. Das erspart während der Fahrt unnötige Fingerübungen.
Auf Wunsch kommt ein gemeinsam mit Sonos entwickeltes Audiosystem hinzu. 16 Lautsprecher und 755 Watt sollen aus dem grossen Innenraum einen Konzertsaal machen. Ob es dafür wirklich 16 Lautsprecher braucht, darf jeder selbst entscheiden. Platz dafür ist jedenfalls vorhanden.
Die Batterie besitzt 91 kWh brutto und 86 kWh netto. Beim heckgetriebenen Peaq 90 sind über 640 Kilometer Reichweite möglich. Der gefahrene 90x kommt wegen Allradantrieb und Mehrgewicht auf rund 610 Kilometer. Wie immer hängt der Praxiswert stark von Tempo, Wetter, Topografie und Ausstattung ab. Unsere Etappe vom Tirol nach München war eine erste Ausfahrt, kein normierter Verbrauchstest.
Geladen wird Gleichstrom mit bis zu 199 kW. Von 10 auf 80 Prozent soll es unter idealen Bedingungen 28 Minuten dauern. Wechselstrom nimmt der Peaq mit 11 kW auf. Bidirektionales Laden ist ebenfalls vorgesehen: Über V2L kann das Auto externe Geräte mit Strom versorgen, über V2H grundsätzlich auch ein entsprechend ausgerüstetes Gebäude.
Im B-Modus bietet der Peaq echtes One-Pedal-Driving. Aktiviert wird es beim Selection über den Fahrstufenschalter. Nimmt man den Fuss vom Fahrpedal, verzögert der Wagen stark und kann allein durch Rekuperation bis zum Stillstand kommen. Lenkradwippen zur Aktivierung des Modus gibt es beim Selection nicht; sie sind vorerst dem Sportline vorbehalten. Auf längeren Gefällstrecken funktioniert der B-Modus angenehm und nachvollziehbar.
Preislich startet der Peaq 90 Selection in der Schweiz bei 60 350 Franken. Der von uns gefahrene Peaq 90x Selection kostet ab 62 850 Franken. Für 2500 Franken Aufpreis gibt es Allradantrieb, 10 kW Mehrleistung und bis zu 2000 Kilogramm gebremste Anhängelast. Der 90x Sportline beginnt bei 67 850 Franken.
Der Peaq erfindet das grosse Elektro-SUV nicht neu. Er macht aber sehr vieles richtig. Er ist leise, geräumig, komfortabel und angenehm unaufgeregt. Seine dritte Sitzreihe ist brauchbarer als erwartet. Seine Sitze sind hervorragend. Und sein abdunkelbares Glasdach ist mehr als ein netter Partytrick.
Der Name verspricht den Gipfel. Der Peaq erreicht ihn nicht mit lautem Getöse. Er fährt einfach hin. Mit viel Platz, viel Ruhe und bis zu sieben Personen an Bord.
| Modell | Skoda Peaq 90x Selection |
| Testwagenausstattung | Selection, Paket PMA4, 7 Sitze |
| Lackierung | Olibo Grün Metallic Spezial |
| Antrieb | 2 Elektromotoren, Allradantrieb |
| Motoren | PSM hinten, ASM vorne |
| Leistung | 220 kW / 299 PS |
| Batterie | 91 kWh brutto / 86 kWh netto, NMC |
| Reichweite WLTP | rund 610 km, je nach Ausstattung |
| Verbrauch WLTP | 15,9–18,5 kWh/100 km, je nach Ausstattung |
| 0–100 km/h | 6,7 s (Siebensitzer: 6,8 s) |
| Höchstgeschwindigkeit | 180 km/h |
| DC-Laden | bis 199 kW; 10–80 % in 28 min |
| AC-Laden | 11 kW |
| Länge / Breite / Höhe | 4874 / 1867 / 1664 mm |
| Radstand | 2965 mm |
| Kofferraum, 7 Sitze | 299–2075 l |
| Frunk | 37 l |
| Leergewicht, 7 Sitze | 2407–2529 kg |
| Anhängelast gebremst | bis 2000 kg |
| Preis | ab 62 850 Fr. |