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    Grand California 600: Mit dem Wohnzimmer in den Schwarzwald

Dennis Schneider (Text)

Zwei Tage unterwegs, eine Nacht am Titisee und jede Menge Lust auf mehr: Der VW Grand California 600 macht aus einem Ausflug in den Schwarzwald eine kleine Reise mit eigenem Zuhause. Dazu gibt es schöne Kurven, eindrucksvolle Geschichte und eine Campingnachbarschaft, die sich als ausgesprochen fachkundig erweist.

Der Schwarzwald beginnt für mich diesmal am Steuer eines ziemlich grossen Reisepartners. In Buch, oberhalb von Albbruck und unweit der Schweizer Grenze, übernehme ich einen VW Grand California 600. Vor uns liegen zwei Tage zwischen Wald, Wasser und kurvigen Strassen. Die Unterkunft fährt gleich mit. Schon dieser Gedanke hat etwas ausgesprochen Verlockendes.

Von der Gegend am Hochrhein geht es hinauf in den Hochschwarzwald. Zwischen bewaldeten Hängen öffnen sich immer wieder Ausblicke auf Wiesen und kleine Ortschaften. Bei diesem herrlichen Wetter möchte man ständig irgendwo anhalten. Andererseits macht auch das Weiterfahren Freude. Eine gute Ausgangslage für einen Roadtrip.

Denn der Grand California lässt sich überraschend angenehm bewegen. Trotz seiner stattlichen Erscheinung komme ich auf den schmalen Strassen schnell mit ihm zurecht. Auch durch enge Kurven fährt er sich ruhig und gut kontrollierbar. Die Abmessungen verlangen selbstverständlich Aufmerksamkeit, doch am Steuer entsteht rasch Vertrauen. Ich kann die Fahrt geniessen, statt mich nach jeder Biegung über die nächste zu sorgen.

Mein Testwagen ist der 600er mit dem kürzeren Radstand. Die Schweizer Preise für den Grand California 600 beginnen bei 83 390 Franken inklusive Mehrwertsteuer. Gerade auf diesen Strassen gefällt mir diese Variante ausgesprochen gut. Man sitzt hoch, hat einen guten Überblick und entdeckt unterwegs immer wieder einen Grund, die Reise etwas auszudehnen. Der Schwarzwald liefert solche Gründe reichlich.

Ein besonders eindrucksvoller ist der Dom von St. Blasien. Seine mächtige Kuppel wirkt zwischen den bewaldeten Höhen beinahe überraschend. Das ist ein Bauwerk, dem man ruhig etwas Zeit widmen darf. Im Innern sorgen der helle Rundraum und die hohen Säulen für einen Raumeindruck, den man bei einer blossen Vorbeifahrt kaum erahnen würde.

Die Kirche gehörte zur Benediktinerabtei St. Blasien. Nach einem verheerenden Brand im Jahr 1768 liess Fürstabt Martin Gerbert sie neu errichten. Der heutige Bau entstand in den 1770er-Jahren und wurde 1783 geweiht. Der französische Architekt Pierre Michel d’Ixnard prägte den frühklassizistischen Entwurf. Auch die Umsetzung verdient Respekt: Baumaterial wurde damals mit Pferde- und Ochsengespannen herangeschafft. Wer heute bequem durch diese Landschaft reist, bekommt damit eine kleine Vorstellung davon, welchen Aufwand ein solcher Bau einst bedeutete.

Am Titisee wartet schliesslich unser Platz für die Nacht. Der Naturcamping Weiherhof liegt direkt am See; zwischen Bäumen und Grün findet der Grand California sein vorübergehendes Zuhause. Nach den Kurven kommt das Ankommen. Das schöne Wetter, das Wasser vor der Tür und die Umgebung machen es einem hier ausgesprochen leicht, vom Fahrmodus in den Ferienmodus zu wechseln.

Jetzt zählt, was der Camper hinter dem Fahrerhaus zu bieten hat. Und das ist erfreulich viel. Die drehbaren Vordersitze bilden zusammen mit Sitzbank und Tisch eine gemütliche Runde. Küche und Bad liegen in der Mitte, das feste Doppelbett im Heck. Mein umfangreich ausgestatteter Testwagen hat das optionale zusätzliche Hochbett für Kinder nicht an Bord. Für diesen Kurztrip bleibt dennoch ein sehr angenehmes Gefühl von Platz.

Die Küche bringt Gaskocher, Spüle und einen Kühlschrank mit Gefrierfach mit. Arbeitsflächen, Schubladen und Ablagen helfen, mit dem verfügbaren Raum umzugehen. Besonders praktisch: Bei geöffneter Schiebetür lässt sich der Kühlschrankauszug auch von draussen erreichen. Die Nasszelle vereint Dusche, Toilette und ein klappbares Waschbecken. Ein eigenes Bad dabei zu haben, gehört für mich zu den überzeugenden Seiten dieses Wohnkonzepts.

Heizung, Warmwasser, Verdunkelungen, Moskitonetze und die elektrische Trittstufe ergänzen die Ausstattung. Die zentralen Campingfunktionen lassen sich über eine Bedieneinheit steuern. Zum Zubehörangebot gehören unter anderem Markise, Campingmöbel, Veloträger und eine Solaranlage. Für die Reiseplanung und Fragen zum Fahrzeug gibt es ausserdem die California App. So steckt in diesem Camper ziemlich viel Alltagstauglichkeit für Tage, an denen man dem Alltag gerade entkommen möchte.

Wer noch mehr Raum sucht, kann zum Grand California 680 greifen. Die Schweizer Preise starten hier bei 86 490 Franken inklusive Mehrwertsteuer. Die längere Variante bietet ein längs angeordnetes Heckbett, mehr Stauraum und eine grössere Küchenzeile. Im 600er liegt das Bett quer. Beide Modelle gibt es mit Frontantrieb oder als 4Motion. Für diese Reise gefällt mir der kürzere Camper sehr gut: Er verbindet ein grosszügiges Wohngefühl mit einem angenehm unkomplizierten Fahrerlebnis.

Auch abseits des Seeufers lohnt sich das Umschauen. Löffingen etwa ist ein schönes Ziel für einen Ausflug vom Titisee. Das im 13. Jahrhundert gegründete Marktstädtchen besitzt eine Altstadt, deren annähernd ovaler Grundriss noch heute erkennbar ist. Eine frühere Fernhandelsstrasse zieht sich durch den historischen Kern und öffnet sich zum Marktplatz mit dem Rathaus. Die eng gereihten Häuser geben dem Zentrum einen Charakter, den man am besten bei einem Spaziergang auf sich wirken lässt.

Besonders markant ist das Maienländer Tor. Ursprünglich wurde es 1580 gebaut; nach dem grossen Stadtbrand von 1921 entstand es neu. Hinter dem vertrauten Altstadtbild steckt also auch die Geschichte eines Wiederaufbaus. Löffingen zeigt, wie eng Handel, städtischer Alltag und die Bewahrung des eigenen Ortsbilds miteinander verbunden sein können. Für eine Pause vom Lenkrad gibt es schlechtere Gründe als ein paar alte Gassen mit einer solchen Vergangenheit.

Zurück zur Gegenwart, genauer: zum Morgen nach unserer Nacht am Titisee. Nach dem Frühstück fragt mich eine Frau, ob sie sich den Grand California von innen ansehen dürfe. Natürlich darf sie. Es bleibt allerdings nicht bei dieser einen Besucherin. Nach und nach kommen weitere Interessierte dazu, bis rund zehn eingefleischte Campingfreunde um das Fahrzeug versammelt sind.

Von da an hat die Schiebetür Publikumsverkehr. Es wird geschaut, gefragt und gefachsimpelt. Was ist gut gelöst? Wo liesse sich etwas verbessern? Was passt zu den eigenen Reisegewohnheiten? Jeder bringt Erfahrung mit, und jeder entdeckt andere Details. Aus der kurzen Besichtigung wird eine muntere Gesprächsrunde, bei der Zustimmung und Verbesserungsvorschläge ganz selbstverständlich nebeneinander Platz haben.

Ich stehe mittendrin und habe meinen Spass. Eben noch Testfahrer, jetzt Gastgeber einer kleinen Camperbesichtigung. Der Grand California hat offenbar eine weitere Funktion, die man in keiner Ausstattungsliste findet: Er bringt Menschen miteinander ins Gespräch. Für fachkundige Nachbarn braucht es auf diesem Campingplatz jedenfalls kein separates Zubehörpaket.

Eine andere Art von Wohnkultur prägt die Gegend um Todtmoos. Die traditionellen Schwarzwaldhäuser mit ihren mächtigen, weit heruntergezogenen Dächern gehören zu den besonders schönen Motiven der Region. Ihre Form erklärt sich aus dem Leben in einer Landschaft, die wettertechnisch auch andere Seiten kennt als den Sonnenschein unseres Ausflugs. Die grossen Dächer boten Schutz vor Wind und Wetter; darunter fanden Wohnräume, Stall und Vorräte Platz.

Diese Häuser erzählen damit viel über den früheren Alltag. Wohnen und Arbeiten lagen eng beieinander, der verfügbare Raum musste gleich mehrere Aufgaben erfüllen. Wer sich dafür interessiert, findet im Todtmooser Heimatmuseum «Heimethus» einen passenden Anlaufpunkt. In einem historischen Schwarzwaldhaus zeigen alte Werkzeuge, Handwerk und ein Webstuhl, wie die Menschen hier lebten und arbeiteten. Das gibt den schönen Fassaden und Dachlandschaften eine zusätzliche Bedeutung.

Als es wieder Richtung Hochrhein geht, ist aus dem kurzen Fahrzeugtest längst ein kleiner Urlaub geworden. Der Schwarzwald hat sich bei wunderbarem Wetter gezeigt, der Titisee einen schönen Platz für die Nacht geliefert, und der Grand California 600 hat sowohl unterwegs als auch im Stand überzeugt. Vor allem bleibt das angenehme Gefühl, mit dem eigenen kleinen Zuhause erstaunlich entspannt durch diese Region reisen zu können.

Zwei Tage sind schnell vorbei. Die Lust auf eine längere Tour bleibt. Beim nächsten Mal würde ich gern mehr Zeit mitnehmen – für den See, die Orte und die vielen guten Gründe, unterwegs anzuhalten. Und vielleicht ein bisschen zusätzliche Zeit für Camperbesichtigungen. Interessierte Nachbarn finden sich offenbar ganz von selbst.

 

VW Grand California 600 / 680
Preis 600 ab Front: 83 390 Fr.; 4Motion: 88 400 Fr.
Preis 680 ab Front: 86 490 Fr.; 4Motion: 91 500 Fr.
Motor 2.0 BI-TDI, R4, 1968 ccm
Leistung / Drehmoment 163 PS (120 kW) / 410 Nm
Antrieb / Getriebe Front oder 4Motion, 8-Gang-Automatik
Länge / Breite / Höhe 600 5,986 / 2,040 / 2,971–3,094 m
Länge / Breite / Höhe 680 6,836 / 2,040 / 2,839–2,967 m
Radstand 600 / 680 3,640 / 4,490 m
Zulässiges Gesamtgewicht 3500 kg (Front); 3880 kg (4Motion)
Heckbett 600 / 680 Quer / längs zur Fahrtrichtung
Frischwasser / Abwasser 110 / 90 Liter
Schweizer Listenpreise inkl. MwSt., gemäss Preisliste vom 20. Juli 2026. Breite ohne Aussenspiegel; Höhe je nach Ausführung und Ausstattung.

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