Von Heinz Schneider (Text und Fotos)
Wer beim Namen Mitsubishi Grandis noch einen geräumigen Van vor Augen hat, sollte sich besser hinsetzen. Wobei: Das kann man im neuen Grandis ausgesprochen bequem. Denn aus dem einstigen Familienvan ist ein SUV geworden – und unter dessen Blech steckt mehr Frankreich, als drei Diamanten auf dem Kühler vermuten lassen.
«Schuld» daran ist die Zusammenarbeit von Mitsubishi mit Renault, denn der Grandis ist technisch mit dem smarten Symbioz verwandt. Er steht auf derselben CMF-B-Plattform, läuft wie sein französischer Bruder im spanischen Valladolid vom Band und übernimmt sowohl dessen Antriebstechnik als auch weite Teile der Innenraumarchitektur.
Badge Engineering also? Ja, aber durchaus im positiven Sinn. Denn Mitsubishi hat sich die Mühe gemacht, dem Grandis ein eigenes «Ich» zu geben. Front und Heck wurden angepasst, die Markenidentität entsprechend herausgearbeitet. Innen ist die familiäre Verwandtschaft schneller zu erkennen: Wer schon einmal in einem aktuellen Renault sass, wird sich sofort heimisch fühlen.
Das ist kein Nachteil. Denn das Raumkonzept gehört zu den Stärken des Grandis. Besonders praktisch ist die um 16 Zentimeter verschiebbare Rückbank. Mit einem Handgriff lässt sich entscheiden, wer heute bevorzugt behandelt wird: die Passagiere im Fond oder das Gepäck. Bank nach hinten – mehr Beinfreiheit. Bank nach vorne – mehr Kofferraum. Eine simple Lösung, die im Alltag mehr bringt als mancher digitale Firlefanz.
Unser Testwagen tritt in der höchsten Ausstattungsstufe «Instyle» an und kostet 42 000 Franken. Verpackt ist sehr Vieles: Premium-Soundsystem, Lenkradheizung sowie Aussenspiegel, Fensterheber, Heckklappe und Fahrersitz mit elektrischer Betätigung – alles da. Sogar das Glasdach «Elektrochrom» ist dabei. Dahinter steckt eine angenehme Technik: Die Licht- und Sonnendurchlässigkeit lässt sich verändern, ohne mit einem Rollo hantieren zu müssen. Und sollte trotz all der Elektronik irgendwann etwas seinen Dienst quittieren, beruhigt Mitsubishi mit einer Werksgarantie von acht Jahren.
Weniger erfreulich ist hingegen, was sich nicht bestellen lässt: Allradtechnik. Das ist wohl der grösste Schönheitsfehler der französisch-japanischen Liaison. Weil die technische Basis vom Renault Symbioz stammt, gibt es den Grandis ausschliesslich mit Frontantrieb. Das wird Mitsubishi die eine oder andere Stimme kosten.
Die Motoren stammen aus dem Renault-Baukasten: Ein Mildhybrid (1,3 Liter) und der von uns gefahrene Vollhybrid (1,8 Liter) mit 158 PS Systemleistung. Er kombiniert einen Vierzylinderbenziner (1,8 Liter, 109 PS) mit zwei E-Motoren, die 49 beziehungsweise 20 PS leisten. Dazu kommen ein Multimode-Getriebe und eine kleine Batterie (1,4 kWh).
Die klingt auf dem Papier ungefähr so beeindruckend wie ein Taschenlampen-Akku neben einem Kraftwerk, erfüllt ihren Zweck aber durchaus. Der Grandis kann bei niedrigem Tempo und beim Anfahren kurze Strecken rein elektrisch zurücklegen. Dauerhaftes elektrisches Fahren ist nicht. Vielmehr soll der elektrische Teil dort unterstützen, wo Verbrenner durstig sind – und den Gesamtverbrauch drücken.
Das funktioniert erstaunlich gut. Mitsubishi nennt einen WLTP-Durchschnitt von 4,4 Liter – und diesen Wert haben wir im Unterland tatsächlich erreicht. Chapeau, denn Prospektverbräuche und automobile Realität pflegen bekanntlich nicht immer dieselbe Adresse zu haben. Im Oberland stieg der Verbrauch erwartungsgemäss an. Berge sind eben schlechte Buchhalter: Was bergab rekuperiert wird, muss zuvor erst einmal hinaufgeschleppt werden.
Im Fahrbetrieb arbeiten Benziner, E-Motoren und Multimode-Getriebe (6 Gänge) unauffällig zusammen. Der Grandis setzt sich häufig elektrisch in Bewegung, die Übergänge zwischen den Betriebsarten erfolgen geschmeidig und weitgehend ruckfrei. Auch die Gangwechsel gehen normalerweise sanft vonstatten. Erst wenn man dem Grandis die Sporen gibt, meldet sich der Benziner deutlicher zu Wort. Das ist nicht dramatisch, erinnert aber daran, dass 158 PS aus einem Vollhybrid noch keinen verkappten Lancer Evolution machen. Der Grandis möchte reisen, nicht randalieren.
Digital zeigt sich der Grandis auf der Höhe der Zeit. Zentral sitzt ein 10,4 Zoll grosser Infotainment-Bildschirm. Smartphones lassen sich drahtlos einbinden. Dank integrierter Google-Dienste können Navigation, Musik und verschiedene Funktionen per Sprache gesteuert werden. Ein «Hey Google» genügt, um eine Route aufzurufen oder Einstellungen zu verändern. Ob man während einer Autofahrt tatsächlich Gespräche mit seinem Armaturenbrett führen möchte, bleibt Geschmackssache. Praktisch ist es allemal.
Fazit: Die Kooperation ermöglicht Mitsubishi, in einem wichtigen europäischen Segment erneut ein modernes, sparsames und gut ausgestattetes Modell anzubieten. Beim Namen muss man sich umgewöhnen: Früher war der Grandis ein Van, heute ein SUV. Und wo einst unverkennbar Mitsubishi drinsteckte, spricht die Technik nun mit französischem Akzent. Aber man sollte es wie beim Essen halten: Entscheidend ist weniger, aus welcher Küche das Rezept stammt, sondern ob es am Ende schmeckt. Beim neuen Grandis tut es das – auch wenn Allradantrieb dem Menü durchaus gutgetan hätte.
| Mitsubishi Grandis 1.8L MPI HEV Instyle | |
| Preis ab | 41 898 Fr. |
| Benziner / Hubraum | R4 / 16V / 1789 cm³ |
| Leistung | 109 PS / 149 Nm |
| Hybridtechnik | E-Motor, 15-kW-Generator |
| Systemleistung | 158 PS / 270 Nm |
| Akku: Spannung / Kapazität | 230 V / 1,4 kWh brutto |
| Antrieb | Front, Automat, 6 Gänge |
| 0–100 km/h / Spitze | 9,1 Sek. / 180 km/h |
| Verbrauch (WLTP) | 4,4 l / 100 km |
| Energieklasse / CO₂ | C / 102 g/km |
| Länge / Breite / Höhe | 4,41 / 1,80 / 1,57 m |
| Leergewicht (mit Fahrer) | ca. 1500 kg |
| Kofferraum | 492 bis 1582 Liter |
| Anhängelast | 1000 kg |