Carrosserie- und Fahrzeugbau

Versammlung der Delegierten: Einigkeit, und etwas Politik

 

Von Heinz Schneider (Text) und Dennis Mario Schneider (Fotos)

Wer Felix Wyss kennt, weiss, dass er schon vor Jahren als Präsident der Sektion Aargau seine Versammlungen mit einem Zitat eröffnet hat. Dies tat er nun auch in der Funktion des Zentralpräsidenten anlässlich der Delegiertenversammlung 2024 im «Novotel» in Bussigny (VD), wo sich kürzlich rund 150 Gäste eingefunden haben – unter ihnen 65 Delegierte (von 79) und 56 Verbandsmitglieder.

 

«Es ist der Fluch der Zeit, dass Tolle Blinde führen» – mit diesem Satz von William Shakespeare (1564 bis 1616) eröffnete Wyss die Versammlung. Und sprach damit die Tatsache an, dass «die Politiker den Draht zum Volk komplett verloren haben und sich statt um die Menschen im Land mehrheitlich um neue Gesetze und Verbote kümmern, welche die Freiheiten jedes Einzelnen massiv einschränken würden», sagte er.

 

Danach folgten einige Grussbotschaften. Zum Beispiel die von Hélène Bra, Präsidentin der Gastgeber-Sektion Waadt. Und ebenfalls von Susana Camarda, Leiterin des Amtes für Berufs- und Weiterbildung Waadt. Sie schilderte einige der Ziele, welche ihr Kanton im Bereich der Berufsbildung verfolgt – unter anderem eine enge Zusammenarbeit mit Firmen, Verbänden und Berufsschulen, damit junge Menschen gleich nach der Schulzeit auf direktem Weg eine Ausbildung beginnen können.

 

Nationalrat Heinz Theiler, Carrossier und Mitglied der Sektion Zentralschweiz, wandte sich per Video an die Anwesenden. Er lobte die Praxis der dualen Schweizer Berufslehren, die jährlich 170 000 Jugendlichen eine Grundbildung ermöglicht. Und er lud die anwesenden Carrossiers dazu ein, sich zu melden, sollten sie einen Kontakt oder direkten Draht in die Bundeshausverwaltung benötigen. Doch er beklagte auch die aktuelle wirtschaftliche Situation – und erwähnte die Millionenboni an die Manager, den massiven Ausbau an Entwicklungs- und Sozialkosten sowie die wachsenden Ansprüche der Gewerkschaften mit zum Beispiel weniger Arbeitszeit bei höherer Entlöhnung. «Wir sind diesbezüglich noch nicht ganz so weit wie Deutschland und Österreich, aber auf direkten Weg dorthin», sagte der 53-Jährige.

 

Bleiben wir noch kurz bei einem politischen Thema. Olivier Fantino, Geschäftsführer von «strasseschweiz», brachte als Gastredner das Referendum gegen den Ausbau unserer Nationalstrassen aufs Tapet, welches die Allianz «Stopp Autobahn-Bauwahn» unter VCS-Führung sowie die Umweltorganisation «Umverkehr» ergriffen haben. «Seit 2005 hat die Bevölkerung um 16 Prozent zugenommen, die Zahl der Staustunden ist um 263 Prozent gestiegen. Wir brauchen deshalb die Erhöhung der Kapazitäten auf unseren Autobahnen dringendst, anderenfalls verlagert sich der Verkehr aufs sekundäre Strassennetz und in die bewohnten Gebiete, was mehr Lärm und Unfälle nach sich zieht», sagte Fantino. Das letzte Wort dazu hat die Bevölkerung im November 2024.

 

Natürlich hatten die Delegierten – nachdem sie den verstorbenen Mitgliedern Peter Glaus-Göldlin (AG), Patrice Puchegger (GR), Adolf Leu (BL) und Gino Livio Bappi-Monn (BL) mit einer Schweigeminute gedacht hatten – auch einige Traktanden zu besprechen und darüber abzustimmen. Um es kurz zu machen: Sämtliche Geschäfte wurden einstimmig verabschiedet, darunter das Budget 2024 (plus 46 637 Franken) oder die Jahresrechnung 2023: Sie zeigt einen Gewinn von 65 000 Franken (statt 26 000 Franken Verlust), was unter anderem durch Einsparungen bei den Personalkosten und dem verordneten Ausgabenstopp möglich wurde.

 

Keine Überraschungen brachte das Traktandum «Wahlen» hervor: Neben Zentralpräsident Felix Wyss verbleiben die Vizepräsidenten Marco Flückiger und Armin Haymoz weitere vier Jahre im Amt. Der dritte Vizepräsident Andi Stalder tritt zurück – ein Entscheid, den einige seiner beruflichen Weggefährten und seine Ehefrau mit eingespielten Videogrüssen kommentierten. Als Dank für sein langjähriges Schaffen ernannten die Delegierten ihn zum Ehrenmitglied.

 

Zum Schluss informierte Daniel Röschli über ein Thema, welches die Berufsbildung betrifft. Will heissen: Im kommenden Oktober startet eine interne Umfrage hinsichtlich der Carrosserieberufe. Dabei handelt es sich um eine Art Überprüfung, anhand der die Betriebe die Qualität und künftigen Erfordernisse der Berufe einordnen können. Gleichzeitig erwähnte der Verbandsdirektor die «AVE», welche die Finanzierung der Berufsbildung sichert – 2025 jedoch mit einer neuen Lösung an den Start gehen könnte. Aktuell ist von einem Bildungsfond die Rede.

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