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    Serie: Hobbies und Leidenschaften der Carrossiers

Erfinden, musizieren, reisen, malen, fischen, fliegen, kochen, sammeln – viele Fachleute aus der Carrosserie-, Lackier- und Automobilbranche haben die tollsten Hobbies. Wir haben einiges über diese Personen und ihre Steckenpferde erfahren. Wer welchem Freizeitvergnügen frönt, lesen Sie in der Serie «Hobbies und Leidenschaften der Carrossiers», die wir in loser Folge «abdrucken».

Heute: David Bühlmann (33), Bergsteiger, Berufsbildner, ük-Leiter «Carrosserie Suisse Academy» (BE)

Von Heinz Schneider (Text)

David Bühlmann hat Hände, die viel gesehen haben: Lacknebel, Lehrlingsfragen, die eine oder andere verirrte Polierspur – und Felskanten, die man besser respektiert als unterschätzt. Wer ihm in der «Carrosserie Suisse Academy» in Bern begegnet, erlebt ihn als ruhigen Berufsbildner, als üK-Leiter mit pädagogischem Fingerspitzengefühl, der jungen Fachleuten zeigt, wie man Oberflächen zum Glänzen bringt und Fehler elegant rausmassiert. Doch ist Feierabend, widmet er sich einem Hobby, das ungefähr so wenig mit «Lack nebelfrei» zu tun hat wie ein Carrossier mit Flipflops: Bergsteigen und Klettern. Und zwar nicht die peinliche «Selfiemachen-am-Wanderweg»-Variante.

Eigentlich begann alles recht harmlos. «In jungen Jahren bin ich einfach gern gewandert», erzählt Bühlmann. Doch irgendwann hat es ihn «gluschtet», wie er sagt, mehr zu tun als bloss Schritt um Schritt nach vorne zu setzen. Er wollte Höhe spüren, Fels unter den Fingern, Ausgesetztheit. Also wechselte er vom Wandern zur Königsdisziplin – Bergsteigen, Klettern, und inzwischen auch zu den Skitouren. Letzteres meist eintägig, bevorzugt im Diemtigtal, wo Schwingerkönig Wenger Kilian zuhause ist. Dort findet Bühlmann das, was in einer Branche voller Perfektionsdruck rar sein kann: Freiraum. Ein Tal, in dem die Zeit langsam geht und die Gedanken weit werden.

Wer aber meint, Bergsteigen sei eine Art romantischer Spaziergang über Schneefelder, dem hilft ein Blick in Bühlmanns Rucksackinventar: Rund zehn Kilo. «Nur das Nötigste», wie er lächelnd betont. Seil, Karabiner, Eispickel, Steigeisen, Gurt – und fürs Klettern ein Arsenal an Sicherungsgeräten, das an eine alpine Version einer Werkzeugkiste erinnert. Und dazu Kleidung, die fast absurd teuer ist, dafür aber leicht, winterfest, regenfest und wärmespendend – selbst im Hochsommer, wenn auf einem Viertausender die Nullgradgrenze zuverlässiger anzutreffen ist als der Handyempfang.

Seine Hochtouren führen ihn oft ins Berner Oberland oder ins Wallis. Klassikergebiet für alles, was steil, hoch und respektheischend ist. Gestartet wird meistens am Samstag «in aller Herrgottsfrühe», wie er sagt. Zurück ist man am Sonntagabend – müde, aber glücklich. Ohnedies ist man im Bergsport selten allein unterwegs. «Wer das tut, lebt sehr gefährlich», betont er. Tatsächlich gab es in jüngster Vergangenheit sehr viele Bergtote. Ein Thema, das ihn ernst werden lässt. «Einige der Opfer waren zu wenig gut ausgebildet. Wer das Bergsteigen seriös betreibt und fit ist, hat schon sehr viel für seine Sicherheit getan.» Fragwürdig findet er auch die mediale Heldenverehrung, wenn jemand die Nordwand in drei Stunden hochrennt. «Das sind Bergsportprofis, die das können. Selbst ein geübter Kletterer braucht dafür zwei Tage.» Die Botschaft dahinter: Bescheidenheit rettet Leben.

Bühlmann hat seine bergsteigerische Weiterbildung unter anderem auf der Glecksteinhütte über Grindelwald absolviert – 2317 Meter über Meer, rau, schön und lehrreich. Eine Ausbildungswoche dort hat sein Know-how massiv erweitert. «So viel, dass man auch mal einen weniger erfahrenen Begleiter mitnehmen kann», sagt er. Er liebt diese Hüttenwelt, ihr Eigenleben zwischen Zmorge und Znacht, die zufälligen Begegnungen, die Gespräche mit Menschen, die dasselbe suchen wie er: Abgeschiedenheit, Konzentration, dieses unbeschreibliche Gefühl, wenn um vier Uhr morgens die Stirnlampe angeht und die Sonne kurze Zeit später über die Gipfel steigt. Für Bühlmann ist das der Moment, in dem die Welt kurz stehen bleibt.

Aber so leichtfüssig die Erzählungen klingen: Für ihn ist Bergsteigen kein «bisschen nebenbei». «Halbe Sachen gibt es nicht im Klettersport», sagt er entschieden. Wer hoch hinaus will, muss bereit sein, Entbehrungen mitzubringen – und sie mit Freude zu tragen.

Und weil ein Bergsteiger ohne Ziel etwa so sinnlos wäre wie ein Lackierer ohne Pistole, hat Bühlmann bereits den nächsten Traum im Blick. 2026 soll der Eiger fallen. Nicht über die Nordwand – das überlässt er den Profis. Aber über die normale Route. Drei Tage, die man nicht einfach abhakt, sondern die man erlebt, Schicht für Schicht, wie einen besonders gelungenen Lackaufbau: geduldig, präzise, mit einem guten Gefühl fürs Wesentliche.

So steht er da, zwischen Werkstatt und Gipfelglück, zwischen Berufsbildung und Bergwelt. Ein Mann, der jungen Talenten zeigt, wie man sauber arbeitet – und sich selbst zeigt, wie gut es tut, manchmal an seinen eigenen Grenzen weiterzuschleifen.

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