Erfinden, musizieren, reisen, malen, fischen, fliegen, kochen, sammeln – viele Fachleute aus der Carrosserie-, Lackier- und Automobilbranche haben die tollsten Hobbies. Wir haben einiges über diese Personen und ihre Steckenpferde erfahren. Wer welchem Freizeitvergnügen frönt, lesen Sie in der Serie «Hobbies und Leidenschaften der Carrossiers», die wir in loser Folge «abdrucken».
Heute: Rico Gruber (57), Eishockeyspieler, Inhaber Gruber Thusis AG, Thusis (GR)
Von Heinz Schneider (Text)
Bei Rico Gruber gewinnt der Tatendrang selbst am Montagmorgen die Oberhand. Während andere noch den ersten Kaffee suchen, hat er längst die Werkstatttür hinter sich geschlossen, die Hebebühne ist besetzt, und irgendwo im Hintergrund zischt schon der erste Lacknebel durch die Luft. In Thusis weiss man: Wo es klopft, glänzt und scheppert, ist meist die Gruber Thusis AG am Werk – acht Leute, und mittendrin der Chef, der lieber selbst anpackt als lange zu reden. Und natürlich seine Frau Kim, die das Backoffice in Schuss hält – und die Buchhaltung mit jener Präzision führt, die einem Lackfinish alle Ehre machen würde.
«Ob Büla, Roscht oder Kratz, bim Gruber bisch am richtiga Platz» – der Slogan hat in der Region Kultstatus. Und er trifft den Kern. Bei Gruber wird nicht geflickt, hier wird wiederhergestellt. Schadenmanagement, Glasreparatur, Teil- und Komplettlackierungen – wer einmal dort war, weiss: Das ist Handwerk mit Herz, nicht bloss ein Job mit Farbe oder Russ unter den Fingernägeln. Oder anders formuliert: Seit er den Betrieb 1994 vom Vater übernommen und ihn sechs Jahre später erweitert hat, ist er zum Fels in der regionalen Carrosserie-Landschaft geworden. Einer, der anpackt.
Dabei wollte Rico Gruber eigentlich nie Bürogeneral werden. Der gelernte Carrosseriespengler steht am liebsten selber in der Werkstatt. «Ich nehme mir jeden Tag vor, mitanzupacken – aber das klappt nicht immer», sagt er mit einem Grinsen.
Auch im Privatleben ist Betrieb: Vier Kinder, zwischen 13 und 26 Jahre alt, sorgen für Stimmung. Der 15-Jährige hat schon den Hockeystock und den väterlichen Schraubenschlüssel im Blick – Talent und Willen inklusive. «Vielleicht tritt er mal in meine Fussstapfen», sagt Rico, und er klingt weder sentimental noch protzig. Eher wie ein Mann, der weiss, dass Leidenschaft nicht vererbt, sondern vorgelebt wird.
Diese Leidenschaft überträgt sich ebenfalls auf sein Hobby. «Ich war nie gut, aber immer mit dabei», sagt Gruber. Das heisst: Seit 45 Jahren spielt er beim EHC Sils, früher 3. und 4. Liga, heute bei den Veteranen. Linker Verteidiger, und meist im eigenen Drittel anzutreffen. «Er zählt zu den zuverlässigsten Verteidigern, die je in Sils gespielt haben», sagen die alten Hasen. Einer ist sich gar sicher: «Rico hat die Strafbank öfters gesehen als den gegnerischen Torraum.» Gruber lacht darüber – und man spürt, dass er ein bisschen stolz darauf ist.
20 Spiele pro Saison stehen jeweils auf dem Plan, dazu ein mehrtägiges Trainingslager zusammen mit der ersten Mannschaft. Da geht es auch schon mal nach Deutschland oder nach Polen – eine Mischung aus Kondition büffeln, Bier, Schweiss, Freundschaft und taktischer Weiterbildung. Auf dem Eis ist Gruber keiner, der lange fackelt. Wenn er antritt, dann mit der gleichen Konsequenz, mit der er Carrosserien wieder in Form bringt: sauber, direkt, kompromisslos.
Sein grösster Kampf fand jedoch neben der Bande statt. 19 Jahre lang setzte sich der 57-Jährige für eine Kunsteisbahn in Sils ein. Bislang gabs nur Natureis – romantisch, aber unzuverlässig. «Ich wollte, dass die Jungen anständige Bedingungen fürs Hockey und Schlittschuhlaufen haben. Damit sie auch mal das verdammte Handy weglegen», sagt er. Also packte er mit an. Nicht nur mit Worten, sondern mit Arbeitsstunden – und einem grosszügigen Batzen aus der eigenen Tasche.
Jetzt steht sie da, die neue Kunsteisbahn. Glatt, glänzend, bereit für die Zukunft. Und Gruber? Der steht am Rand, schaut den Jungen beim Spielen zu. «Es hat sich gelohnt», sagt er. Und man glaubt es ihm aufs Wort. Denn Rico Gruber macht keine halben Sachen. Nicht bei Autos. Nicht im Leben. Und schon gar nicht beim Eishockey.
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