An der 69. GV in Lugano zog die Sektion Tessin von Carrosserie Suisse kürzlich Bilanz – und zwar nicht mit Tessiner Grandezza, sondern mit Zahlen, Fakten und einem klaren Blick auf die Lage der Branche. Die Mitglieder bestätigten den bisherigen Vorstand für eine weitere Amtsdauer von drei Jahren, und Damiano Crivelli wurde erneut zum Präsidenten gewählt.

Im Zentrum stand einmal mehr ein Kernanliegen des Verbandes: die fachlichen Kompetenzen der Mitglieder weiter zu stärken. Erreicht werden soll dies über gezielte, praxisnahe Dienstleistungen, welche die Betriebe bei den laufenden Veränderungen in der Branche begleiten – und ihnen helfen, Qualität, Professionalität und Anpassungsfähigkeit an neue Marktanforderungen hochzuhalten.

Aufmerksam verfolgt wurde die Analyse zur Entwicklung der Reparaturkosten. Die präsentierten Daten widersprechen einer verbreiteten Annahme: Die durchschnittlichen Reparaturkosten steigen nicht, sondern zeigen seit Jahren einen rückläufigen Trend. Gleichzeitig nehmen auch der Arbeitsaufwand in den Betrieben und die Arbeitsstunden pro Schadenfall ab. Das deutet auf effizientere Reparaturprozesse hin – also auf Werkstätten, die nicht einfach schneller schrauben, richten und lackieren, sondern ihre Abläufe zunehmend besser im Griff haben.

Ganz ohne Druck bleibt die Kostenstruktur dennoch nicht. Steigende Ersatzteilpreise und höhere durchschnittliche Stundensätze für Carrosseriearbeiten wirken weiterhin auf die Werkstätten ein. Entscheidend sei deshalb, «die Daten ganzheitlich zu betrachten, anstatt einzelne Kennzahlen isoliert zu beurteilen», betonte Damiano Crivelli. Die statistische Basis ist solide: Die Analyse stützt sich auf anonymisierte Audatex-Daten von 42 Tessiner Betrieben, was rund 75 Prozent der Audatex-Nutzer in der Region entspricht. Mit etwa 11 500 Schadenfällen pro Jahr deckt die Stichprobe rund 37,5 Prozent aller von diesen Betrieben erstellten Kostenvoranschläge ab.

Ein weiterer Schwerpunkt lag auf der Ausbildung. Die «Academy Carrosserie Suisse», die ihre Programme im Berufsbildungszentrum in Giubiasco durchführt, stösst bei jungen Frauen und Männern in der Grundbildung weiterhin auf Interesse. Gemeinsam mit dem Kanton helfen Initiativen wie «Mille Strade» dabei, die Carrosserieberufe direkt in den Oberstufenschulen sichtbarer zu machen – dort also, wo Berufsentscheidungen oft noch zwischen Bauchgefühl, Elternrat und «Tik Tok»-Algorithmus pendeln.

Auch das Weiterbildungsangebot der Tessiner Academy wird laufend ausgebaut. Geplant sind ganzjährig angebotene Kurse zu Hochvolttechnik, Ausbeultechniken und Kunststoffreparatur, die auch Nichtmitgliedern offenstehen. Ergänzend hat der Sektionsvorstand die Junior Academy lanciert, die mit gezielten Workshops speziell Lernende anspricht. Weiter etabliert hat sich zudem der «Job Service» als Plattform innerhalb des Verbandes: Über dieses Instrument konnten bislang mehr als 60 Berufsprofile erfolgreich zwischen Mitgliedsbetrieben vermittelt werden.