Von Dennis Schneider
Manchmal ist eine gute Reparatur vor allem daran zu erkennen, dass sie nicht auffällt. Keine neue Lackschicht, kein Spachtel, kein sichtbarer Eingriff – nur ein Blech, das wieder so aussieht, wie es aussehen soll. Genau darum ging es beim Tageskurs «Dellendrücken leicht gemacht» von CertifiedFirst Switzerland, der in den Räumlichkeiten der STFW in Winterthur stattfand: um das präzise Ausformen kleiner und mittlerer Schäden, wie sie nach Hagel, Parkremplern oder Türschlägen im Carrosserie-Alltag beinahe täglich vorkommen.
Der Kurs stand unter der Leitung von Bernd Schmid von Refreshcar. Mit dabei war Moussa Diallo, ein ausgewiesener Praktiker im Dellendrücken, der sein Können direkt am Fahrzeug zeigte. Damit war der Tag bewusst handfest angelegt. Keine Theorie für die Schublade, kein Vortrag mit Werkstattgeruch aus der Spraydose. Es ging um echte Schäden, echte Werkzeuge und um die Frage, wann eine Delle ohne Lackieren sauber instandgesetzt werden kann.
Am Morgen stand die klassische Drücktechnik im Zentrum. Dabei wird die Delle von der Rückseite des Blechs mit Spezialwerkzeugen zurückgeformt. Was einfach klingt, verlangt in der Praxis viel Gefühl. Entscheidend ist zuerst nicht der Druck, sondern der Blick. Wo liegt der tiefste Punkt der Delle? Wie verläuft die Spannung im Blech? Ist die Stelle erreichbar? Und wie reagiert das Material, wenn man es Stück für Stück zurückführt?
Besonders wichtig war die richtige Beleuchtung. Erst unter dem Linienlicht zeigt sich, was das Auge sonst gerne übersieht: kleine Verwerfungen, Höhen, Tiefen, feine Spannungen im Lackbild. Wer hier ungeduldig arbeitet, sieht vielleicht eine Delle verschwinden – und schafft gleich daneben die nächste Unruhe. Genau deshalb wurde immer wieder betont: Nicht Kraft entscheidet, sondern Kontrolle. Der richtige Hebel, der passende Druckpunkt, die ruhige Hand. Dellendrücken ist kein Kampf gegen das Blech, sondern eher ein geduldiges Überreden.
Dabei zeigte sich auch, wo die Grenzen der Methode liegen. Nicht jede Delle eignet sich für eine lackschadenfreie Reparatur. Kanten, schlecht zugängliche Stellen, stark gedehnte Bleche oder vorgeschädigter Lack verlangen eine saubere Einschätzung. Der Kurs vermittelte deshalb nicht nur Handgriffe, sondern vor allem Urteilskraft. Wann lohnt sich die Drücktechnik? Wann wird sie riskant? Und wann ist der klassische Reparaturweg schlicht die bessere Lösung?
Nach dem Mittagessen wechselte der Fokus auf die Klebe- beziehungsweise Zugtechnik. Sie kommt vor allem dort zum Einsatz, wo die Rückseite des Blechs nicht oder nur schwer erreichbar ist. Statt von innen zu drücken, wird von aussen gearbeitet. Dazu werden spezielle Klebeadapter auf die gereinigte Oberfläche gesetzt und die Delle anschliessend kontrolliert herausgezogen.
Auch hier zeigte sich schnell: Ziehen heisst nicht einfach ziehen. Zuerst muss die Oberfläche sauber vorbereitet werden. Dann braucht es den passenden Adapter, die richtige Menge Kleber, die korrekte Position und das nötige Gefühl für den Zug. Wird zu stark oder zu hastig gearbeitet, kann sich das Blech überziehen. Dann ist die Delle zwar nicht mehr dort, wo sie war – dafür steht plötzlich eine kleine Erhebung im Blech. Ein Fortschritt? Nur auf dem Papier.
Darum wurde am Nachmittag besonders auf das schrittweise Arbeiten geachtet. Ziehen, kontrollieren, nacharbeiten. Hohe Stellen vorsichtig zurücksetzen, die Fläche erneut lesen, den nächsten Zug planen. Gerade bei der Klebetechnik ist das Zusammenspiel von Zugkraft und Feinkorrektur entscheidend. Es geht nicht darum, eine Delle in einem heroischen Ruck zu beseitigen. Es geht darum, die Form kontrolliert zurückzubringen, ohne Lack und Oberfläche unnötig zu belasten.
Der Tageskurs zeigte damit sehr anschaulich, weshalb Dellendrücken längst mehr ist als eine Zusatzfertigkeit für Spezialisten. Für Carrosserie- und Werkstattbetriebe kann die lackschadenfreie Reparatur ein wirtschaftlich interessanter Bereich sein. Sie spart Arbeitsschritte, erhält den Originallack und reduziert den Materialeinsatz. Vor allem aber erweitert sie das Angebot dort, wo Kunden eine schnelle und saubere Lösung erwarten.
CertifiedFirst Switzerland setzt mit solchen Schulungen genau bei dieser Praxis an. Das Netzwerk will seine Betriebe nicht nur zertifizieren, sondern weiterbringen – technisch, organisatorisch und im Markt. Der Kurs «Dellendrücken leicht gemacht» passte dazu bestens: kompakt, direkt, nützlich. Ein Tag, an dem nicht über Effizienz gesprochen wurde, sondern an dem man sie sehen konnte. Oder eben gerade nicht mehr sehen konnte, weil die Delle am Ende verschwunden war.