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    Champions unter sich: GV mit Blick Richtung World Skills

Eine Generalversammlung ist in der Regel kein Ort, an dem der Puls steigt. Budget, Statistiken, Traktanden, ein paar Wortmeldungen, ein Apéro in Sichtweite – der bewährte helvetische Dreiklang der Vereinsdemokratie. Beim Champions-Club kam diesmal allerdings eine Prise Weltmeisterschaftsluft dazu.

Eingebettet war der Anlass in das Umfeld der «World Skills 2026» vom 22. bis 27. September in Shanghai. Ein nicht ganz alltäglicher Rahmen also. Der Champions-Club nutzte die Gelegenheit, um seinen Mitgliedern beim Meet & Greet einen Blick über die Schultern der beiden aktuellen WM-Teilnehmer zu ermöglichen: Spengler Gilles Glauser und Lackierer Davide Manieri. Zwei junge Berufsleute, die sich anschicken, die Schweizer Farben auf internationaler Bühne zu vertreten – dort, wo Millimeter, Ruhepuls und Nervenstärke über Medaillen oder Mittelfeld entscheiden.

Der Austausch stand im Zentrum. Nicht als steife Fragerunde mit Mineralwasser und Namensschildchen, sondern als Gespräch unter Menschen, die wissen, was es heisst, wenn aus einem Beruf plötzlich eine Bühne wird. Die Mitglieder des Champions-Clubs kennen dieses Gefühl. Sie alle haben selbst Meisterschaften bestritten, haben trainiert, gezweifelt, gefeilt, geschwitzt und irgendwann vor einer Aufgabe gestanden, bei der es keine Ausrede mehr gibt. Nur Werkzeug, Zeitdruck und Können.

«Das Treffen mit den WM-Kandidaten Gilles und Davide war wertvoll. So können unsere Mitglieder hinter die Kulissen blicken und den Apparat der World Skills besser verstehen», sagte Klubpräsident Pascal Lehmann. Er weiss, wovon er spricht. Lehmann ist nicht nur Präsident, sondern auch Chefexperte von Davide Manieri – und als Weltmeister (Leipzig 2013) einer, der die Mechanik dieses Wettbewerbs aus dem Effeff kennt. Wenn einer erklären kann, wie sich Hochleistung im Lackieranzug anfühlt, dann er.

Der Champions-Club ist in dieser Hinsicht eine Art gut sortierter Werkzeugwagen der Erfahrung. Darin liegt nicht einfach Vereinsromantik, sondern echtes Know-how. Zwar haben nicht alle Mitglieder eine WM bestritten, doch einige Namen neben Lehmann tragen Gewicht: Die Spengler Dominik Bartlome (Silber 2022), Sandro Sägesser (Bronze 2019) und André Schmid (Bronze 2013) oder die Lackiererinnen Lara Kaufmann (Silber 2024) und Aurélie Fawer (Rang 6, 2019). Das sind keine Pokalgeschichten für die Vitrine, sondern Erfahrungswerte aus der Werkstatt des internationalen Wettbewerbs.

Entsprechend wertvoll war der Dialog mit Glauser und Manieri. Denn eine Berufs-WM beginnt nicht erst beim ersten Arbeitsschritt im Wettkampf. Sie beginnt viel früher – mit Trainingsplänen, Materialkenntnis, mentaler Vorbereitung, Expertengesprächen, Teamarbeit, Korrekturen, Rückschlägen und diesem eigenartigen Zustand zwischen Vorfreude und Lampenfieber. Wer je vor Publikum gearbeitet hat, weiss: Ein Blech richtet sich nicht besser, nur weil jemand zuschaut. Und eine Lackierung wird nicht glatter, weil die Uhr tickt.

Ganz ohne formellen Teil kam aber auch diese GV nicht aus. Der Champions-Club blieb seinem Vereinsauftrag treu und widmete sich den üblichen, aber wichtigen Grundlagen: Club-Statistiken, Budget, Organisation. Die Zügel halten hier Flavio Nevoso und André Schmid in der Hand. Es sind jene Arbeiten, die selten Applaus bekommen, aber dafür sorgen, dass der Laden läuft. Auch das gehört zum Handwerk: sauber planen, sauber rechnen, sauber abschliessen.

Der Vorstand blickte zudem auf die jüngsten Meisterschaften und die Unterstützung durch den Champions-Club zurück. Bereits im Vorfeld der Regionalmeisterschaften hatte der Klub die Teilnehmenden während eines ganzen Tages auf ihr Abenteuer eingestimmt. An den «Swiss Skills» im September 2025 wiederum wurde das Handwerk am «Family Day» Hunderten von Besuchern direkt auf dem Platz nähergebracht. Wer dort sah, wie Blech geformt, Oberflächen vorbereitet oder Lack aufgebaut wird, merkte schnell: Diese Berufe bestehen nicht aus Zauberei. Aber manchmal sieht es verdächtig danach aus.

Auch der Blick nach vorne fehlte nicht. Petra Grieder, Vorsteherin Kommunikation und Bindeglied zu «Carrosserie Suisse», lenkte die Scheinwerfer auf mögliche kommende Projekte. «Themen wie allfällige Euro Skills, Meisterschaften im jüngsten Beruf Carrosseriereparateur/-in EFZ oder die Teilnahme an den World Skills im Beruf Fahrzeugschlosser/-in EFZ sind aktuell im Gespräch», sagte sie. Das klingt nüchtern, ist aber brisant. Denn dahinter steht die Frage, wie breit und sichtbar die Branche ihren Nachwuchs künftig auf Meisterschaftsniveau fördern will. Und ob weitere Berufsbilder den Schritt auf die grosse Wettbewerbsbühne machen.

Zum Schluss wurde es symbolisch – und gerade deshalb schön. Der Champions-Club überreichte Gilles Glauser und Davide Manieri eine Schweizer Fahne für ihren Weg nach China. Zuvor durften die Mitglieder ihre Glückwünsche darauf verewigen. Eine Fahne also, beschrieben mit Unterstützung, Erfahrung und wohl auch ein paar stillen Botschaften zwischen den Zeilen: Bleib ruhig. Glaub an dein Können. Und wenn es eng wird, denk daran, dass daheim eine ganze Branche mitfiebert.

So wurde aus einer Generalversammlung mehr als ein Pflichttermin. Es war ein Abend zwischen Rückblick und Aufbruch, zwischen Vereinsarbeit und Weltmeisterschaftstraum. Ein Treffen von ehemaligen und künftigen Champions, von Routiniers und Hoffnungsträgern. Und vielleicht genau deshalb ein starkes Bild für eine Branche, die ihr Können nicht nur bewahren, sondern weitergeben will – von Hand zu Hand, von Generation zu Generation, von der Werkstatt bis nach China.