Heute: Harder Lackierungen GmbH, Eglisau (ZH)

Es kann durchaus vorkommen, dass eine Firmengeschichte nicht mit einem Businessplan beginnt, sondern mit einer Scheune, einem Stall und einer Idee, die mehr Bodenhaftung hat als mancher Hochglanzprospekt. In Eglisau baute Carrosserielackierer Hugo Harder 1972 aus den damaligen landwirtschaftlichen Gebäuden eine Werkstatt. Kein mondäner Neubau, kein Showroom mit Ledersofa und Kaffeemaschine, sondern ein ehrlicher Arbeitsplatz für ein ehrliches Handwerk.

Im Mai 1973 folgte die Gründung von «Harder Autolackierungen». Im ehemaligen Unterstand für Landmaschinen wurde die Spritzkabine «Lüem» eingerichtet. Dort, wo früher Traktoren und Geräte untergebracht waren, bekamen nun Kotflügel, Türen, Motorhauben und Stossfänger ihren neuen Auftritt. Der Wechsel zur Lackierkabine war konsequent – einer von jener Sorte, auf der Betriebe wachsen: mit Mut, Arbeit und einer Portion Unerschrockenheit. Ab 1978 war auch Hugos Ehefrau Eleonore Teil des Familienbetriebs. Sie kümmerte sich um die Administration – also um jenen Bereich, der im Alltag darüber entscheidet, ob ein Betrieb rund läuft oder nur so tut.

1987 war der alte Schopf Geschichte. An seiner Stelle entstand ein Neubau mit rund 300 Quadratmetern Fläche, aufgeteilt in zwei Geschäftsräumlichkeiten. Dazu kam eine neue, moderne Spritzkabine. Der Betrieb wuchs, die Technik wurde professioneller. Geblieben ist der Kern des Handwerks: der genaue Blick, die ruhige Hand und das Wissen, dass guter Lackaufbau nicht mit Hektik harmoniert. Wer beim Lackieren hudelt, bekommt die Quittung bekanntlich nicht per Post, sondern direkt im Licht.

2007 trat mit Lackierer Alex Harder die nächste Generation in den Betrieb ein. Zuvor hatte der heute 47-Jährige Berufserfahrung gesammelt und Auslandaufenthalte absolviert. Das erweitert den Horizont. 2010, nach der Berufsprüfung, stieg er in die Geschäftsleitung ein. Vier Jahre später übergab der Firmengründer das Unternehmen an seinen Sohn. In beratender Funktion und als Ferienaushilfe ist er mit dem Betrieb verbunden. So ganz lässt einen das Lebenswerk eben nicht los.

Mit der Übernahme hiess der Betrieb neu «Harder Lackierungen GmbH». An Hugos Seite stehen Ehefrau Caroline in der Administration und Francesco Franze, gelernter Autolackierer mit Fachausweis. Das Firmencredo bringt die Ausrichtung auf den Punkt: «Bei uns ist Ihr Auto, Ihr Boot oder Ihr Motorrad in besten Händen.» Gleichzeitig nimmt die Restaurierung von Oldtimern einen besonderen Platz ein.

Seit Kurzem ist die «Harder GmbH» Mitglied von «Certified First Switzerland», kurz CFS. Die Idee dazu kam von Sandro Hasenfratz, Technischer Berater bei Belfa und den Lesern von carwing aus der Serie «Carrossiers und ihre Hobbys» bestens bekannt. Hasenfratz ist nicht nur in der Lackwelt unterwegs, sondern auch ein Multitalent mit Aktivitäten wie Fussball, Klavierspielen und Snooker. Einer also, der mit Fuss, Finger und Queue gleichermassen umgehen kann – und nebenbei ein gutes Gespür für Betriebe hat, die in ein professionelles Netzwerk passen.

Für Alex Harder war beim Entscheid, bei «CFS» mitzumachen, nicht einfach ein zusätzliches Logo ausschlaggebend. Es ging um Haltung, Struktur und Vertrauen. «Die Art, wie das Netzwerk geführt wird, sagt mir sehr zu», sinniert er. In einer Zeit, in der Netzwerke manchmal schneller versprochen als gelebt werden, zählt am Ende, ob die Zusammenarbeit im Alltag tatsächlich Nutzen bringt. Für Harder scheint genau das der Punkt zu sein: nicht nur dazugehören, sondern sich sinnvoll einbringen und profitieren.

Wichtig ist ihm, dass sein Team durch die Mitgliedschaft einen noch besseren Zugang zu Aus- und Weiterbildungen erhält. Im Vordergrund stehen vor allem Kurse für die Werkstattmitarbeiter. Das ist nachvollziehbar, denn die Branche verändert sich rasant. Neue Materialien, neue Lacktechnologien, veränderte Reparaturprozesse, steigende Anforderungen von Versicherungen und Kunden – Stillstand ist in diesem Gewerbe ungefähr so empfehlenswert wie Staub in der Spritzkabine. Zudem erhofft er sich den einen oder anderen Zusatzauftrag. Schliesslich weiss man in Eglisau am besten: Gute Arbeit entsteht selten durch laute Versprechen. Sie entsteht durch Können, Ausdauer und den Anspruch, am Schluss eine Oberfläche abzuliefern, in der sich nicht nur das Auto spiegelt, sondern auch die Haltung dahinter.

Die «PPG Switzerland GmbH» (Konzerntochter von PPG) und die Belfa AG (Importeurin von PPG) arbeiten daran, das Netzwerk «Certified First Switzerland» in der Schweiz zu etablieren. Wir stellen die Betriebe, die sich zum Mitmachen bei «CFS» entschlossen haben, in loser Folge vor.