Carwing-Redaktion (Text)

Am Mittwoch feiert Volkswagen in Zwickau eine neue Demontagelinie. Am Donnerstag meldet der Konzern 5,82 Milliarden Euro Quartalsverlust. Autos auseinanderbauen als Aufbruchssignal: Die Pointe hat diesmal die Unternehmenskommunikation selbst geliefert.

Die am 29. Oktober veröffentlichten Zahlen betreffen das dritte Quartal 2026. Von Juli bis September fiel der Konzernverlust nach Steuern mehr als fünfmal so hoch aus wie ein Jahr zuvor, als bereits 1,07 Milliarden Euro fehlten. Der Umsatz sank um 6,3 Prozent auf 75,28 Milliarden Euro. Die Auslieferungen gingen um 14,3 Prozent auf 1,89 Millionen Fahrzeuge zurück.

Den grössten Schlag verursachte eine Abschreibung auf den Firmenwert von Porsche über 6,4 Milliarden Euro. Insgesamt belasteten Sondereffekte das operative Quartalsergebnis mit 7,8 Milliarden Euro. Die Porsche-Abschreibung löst keinen entsprechenden Geldabfluss aus. Sie bedeutet aber, dass VW den bilanzierten Firmenwert angesichts gesunkener Erwartungen korrigieren muss. Die frühere Bewertung hält den neuen Gewinnerwartungen nicht mehr stand.

Auch das laufende Geschäft steht unter Druck: VW nennt das schwache Marktumfeld in China, den verschärften Preiswettbewerb und US-Zölle. Hinzu kommt ein höherer Anteil von Elektroautos, mit denen der Konzern derzeit weniger verdient als mit Verbrennern. Selbst vor Sondereffekten blieb nach neun Monaten nur eine operative Rendite von 3,8 Prozent. Finanzchef Arno Antlitz hält das für zu wenig, um ausreichend in die Zukunft zu investieren.

Einen Tag vor dieser Bilanz wurde in Zwickau die erste industrielle Demontagelinie des Konzerns eröffnet. Acht Arbeitsstationen dienen zunächst dem Zerlegen von Vorserienfahrzeugen, später sollen auch Altfahrzeuge folgen. Für 2027 sind 4100 Fahrzeuge im Zweischichtbetrieb vorgesehen; 100 Mitarbeiter wurden bereits umgeschult. Bis 2030 soll die jährliche Kapazität auf bis zu 15 000 Fahrzeuge steigen.

VW-Markenchef Thomas Schäfer formulierte es so: «Ab heute bauen wir in Zwickau Autos nicht nur zusammen, sondern auch wieder auseinander, mit derselben industriellen Präzision.» Selten hat ein Vorstand die Lage seines Unternehmens so anschaulich beschrieben, ohne sie beschreiben zu wollen.

Dahinter steckt ein nachvollziehbares Geschäft: Wiederverwendbare Originalteile sollen über Händler, Servicepartner und unabhängige Betriebe in den Reparaturmarkt gelangen. VW nennt besonders Türen, Stossfänger sowie Motoren- und Getriebebauteile. Gebrauchtteile können Reparaturen dem Fahrzeugwert besser anpassen und laut Konzern wirtschaftliche Totalschäden vermeiden helfen.

Nach Angaben des sächsischen Wirtschaftsministeriums kostete der Umbau acht Millionen Euro. Für das gesamte Kreislaufwirtschaftsprojekt plant Volkswagen über die nächsten Jahre Investitionen von bis zu 90 Millionen Euro; Sachsen fördert es mit bis zu 10,7 Millionen. Eine Rentabilitätsrechnung enthält die Eröffnungsmitteilung nicht. Die Wirtschaftlichkeit des neuen Geschäfts muss sich im Betrieb erweisen.

Die Grössenordnung bleibt vorerst überschaubar. Langfristig soll der gesamte neue Geschäftsbereich bis zu 1000 Menschen beschäftigen. Gleichzeitig zählt Zwickau neben Emden, Hannover und Neckarsulm zu den Werken, für die VW nach dem Auslaufen der heutigen Modelle keine wettbewerbsfähige Folgebelegung gewährleisten kann. Der Zukunftsplan sieht zudem weltweit rund 50 000 weitere Stellenstreichungen über bestehende Programme hinaus vor. Eine endgültige Schliessung dieser vier Werke ist damit nicht beschlossen.

Die Wiederverwendung von Bauteilen kann Ressourcen sparen und Reparaturen bezahlbarer machen. Der Festakt beseitigt jedoch die Unsicherheit über die künftige Fahrzeugproduktion nicht. Für die gebrauchten Türen gibt es bereits einen Vertriebsweg. Für die nächsten Autos aus Zwickau fehlt noch die Zusage.

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