Dennis Schneider (Text)
Eine missglückte Systemumstellung belastet den Teilekonzern LKQ schwer. In Deutschland wichen Kunden des zu LKQ gehörenden Autoteilehändlers Stahlgruber wegen Lieferproblemen auf Konkurrenten aus. Nun zieht der Konzern personelle Konsequenzen. Auch Schweizer Garagen sind mit dem deutschen Liefernetz verbunden.
LKQ führt seine bisher getrennten Warenwirtschaftssysteme auf einer gemeinsamen Plattform zusammen. Diese ERP-Software verbindet Bestellungen, Lagerbestände und Logistik. Bei der deutschen Einführung kam es jedoch zu Systemabstürzen, fehlerhaften Daten und Problemen in den Abläufen. Kunden hätten deshalb andere Lieferanten suchen müssen, räumte der damalige Konzernchef Justin Jude bereits im Juli ein. Für das zweite Quartal schätzte LKQ den dadurch entgangenen Umsatz auf rund 140 Millionen US-Dollar.
Nach vorläufigen Zahlen erwartet LKQ im europäischen Teile- und Servicegeschäft für das dritte Quartal einen organischen Umsatzrückgang von 9,8 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Die bereinigte Ertragsmarge vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen soll nur noch 4,1 bis 5,1 Prozent erreichen, nach 10,0 Prozent im Vorjahresquartal. Zusätzlich belasten geringere Absatzmengen in Grossbritannien und den Benelux-Ländern Belgien, Niederlande und Luxemburg das Geschäft.
Am 23. Oktober verliessen Konzernchef Justin Jude und Europachef Andy Hamilton ihre Posten. LKQ zog die Jahresprognose zurück. Die Beratungsfirma Alvarez & Marsal soll nun die europäischen Abläufe stabilisieren, den Kundenservice verbessern und die Kostendisziplin stärken.
Der Schweizer Bezug ist konkret: LKQ Europe sitzt in Zug, und LKQ Rhiag Schweiz beliefert nach eigenen Angaben rund 2000 Garagenkunden. Laut AGVS bezieht die Schweizer Gesellschaft auch Teile aus dem deutschen Logistikzentrum Sulzbach-Rosenberg. Zum Sortiment gehören Carrosserieteile und Frontscheiben.
Die vollständigen Quartalszahlen folgen am 29. Oktober.