Von Dennis Schneider (Text)

Es beginnt wie eine Szene aus einem Actionfilm, endet aber mit Stille – genauer gesagt mit einem ganzen Quartier im Dunkeln. In den frühen Morgenstunden eines Dienstags verliert ein gestohlener Ferrari Purosangue in Miamis Stadtteil Brickell die Kontrolle, kracht in einen Strommast und legt mit einem Schlag die Beleuchtung umliegender Gebäude lahm. Ein spektakulärer Abgang, der mehr Drama erzeugt als jede Hochglanzpremiere.

Der Vorfall spielte sich kurz nach Sonnenaufgang ab, als der auffällige SUV aus einer Seitenstrasse abbog, dabei ein Polizeifahrzeug streifte und dann hörbar versuchte, mit brüllendem Zwölfzylinder zu fliehen. Viel Raum für Heldentum blieb nicht: Nach rund anderthalb Blocks war Schluss. Der Wagen schleuderte von der Fahrbahn und prallte frontal gegen einen Strommast – Funkenregen inklusive. Aufnahmen, die unter anderem von ABC News veröffentlicht wurden, zeigen den Moment des Aufpralls ebenso wie das abrupte Erlöschen der Lichter ringsum. Eine zweite Perspektive, geteilt auf Instagram, macht die Wucht des Einschlags noch deutlicher. Als die Polizei den Verdächtigen nach dem Aufprall verfolgte, soll er sich zunächst versteckt haben, bevor er sich ergab und festgenommen wurde.

Bei dem Fahrzeug handelte es sich um einen 2024er Ferrari Purosangue, der laut Polizei zuvor gestohlen worden war. In derselben Aktion verschwand auch ein Rolls-Royce Cullinan des Modelljahrs 2025. Beide Luxusfahrzeuge waren zuvor von einer Transportfirma abgeholt worden und sollten zu einem Unternehmen geliefert werden. Dort kamen sie jedoch nie an. Als die Besitzerin darüber informiert wurde, schlug sie Alarm, kontaktierte die Polizei und begann, die Fahrzeuge zu orten – ein Schritt, der den Ermittlern offenbar entscheidend half. Über den Diebstahl hatte zuvor auch WPLG News berichtet.

Als mutmasslicher Täter wurde ein 28-jähriger Mann aus dem New Yorker Stadtteil Bronx identifiziert. Er wurde nach dem Unfall rasch festgenommen und kam mit vergleichsweise glimpflichen Verletzungen davon, lediglich mit leichten Schnittwunden. Miami-Dade-Behörden erhoben zwischenzeitlich eine Reihe von Anklagen gegen ihn, darunter schweren Fahrzeugdiebstahl, das Fliehen vor der Polizei, rücksichtsloses Fahren und das Verlassen des Unfallorts. In einer ersten Gerichtsverhandlung bestritt er jedoch seine Beteiligung am Vorfall und erklärte gegenüber Reportern, er sei unschuldig und nie in dem Ferrari gewesen – eine Aussage, die im Widerspruch zu Zeugenaussagen und Videoaufnahmen steht.

Der Ferrari Purosangue, so viel steht fest, dürfte nach dem Einschlag Totalschaden sein, ein Opfer von Masse, Leistung und zu viel Mut zur falschen Zeit. Der Rolls-Royce Cullinan wurde inzwischen in einem anderen Teil des Miami-Dade County wiedergefunden. Angaben zum Zustand des britischen Luxus-SUVs gibt es bislang nicht, doch die Chancen stehen gut, dass er deutlich weniger gelitten hat als sein italienischer Leidensgenosse. Die Ermittlungen dauern weiter an, unter anderem um zu klären, wie der Verdächtige an die Fahrzeuge gelangte und ob weitere Personen beteiligt waren.

Zurück bleibt eine Geschichte, die zeigt, wie schnell Exklusivität in Eskalation kippen kann – und wie ein einziger Fehlmoment genügt, um aus millionenschwerem Glanz einen kurzen, sehr dunklen Augenblick zu machen.