Der ADAC hat sich kürzlich wieder einmal die Premiumkraftstoffe vorgenommen – und das Ergebnis passt in einen Satz: teurer ja, zwingend besser eher nein. Die Kernaussagen sind bekannt: Motoren sind auf Standardsprit ausgelegt, 100 Oktan bringt in den meisten Alltagsautos wenig, und die versprochenen Additiv-Effekte lassen sich im realen Betrieb kaum sauber belegen.
Spannend wird es, sobald man den Blick in die Schweiz richtet. Hier ist das Angebot an der Zapfsäule meist deutlich übersichtlicher: Im Alltag begegnet man vor allem Bleifrei 95 (BF95), Bleifrei 98 (BF98) und Diesel; Premiumvarianten gibt es, aber eher als Kür denn als Standard. Wer unbedingt „mehr“ will, findet bei Shell V-Power 100 (tatsächlich 100 Oktan) und V-Power Diesel – und das nicht nur an klassischen Shell-Standorten, sondern auch an vielen Migrol-Stationen im Shell-Auftritt. Bei bp heisst die Premiumschiene Ultimate Bleifrei 98 – also 98, nur mit mehr Markenversprechen.
Auch beim Bio-Anteil bleibt die Schweiz pragmatisch: Laut AGVS werden dem Benzin hierzulande bis zu 5 Prozent biogene Anteile beigemischt, beim Diesel bis zu 7 Prozent – E10 ist damit im Schweizer Alltag kein dominierendes Thema wie in Teilen der EU. Die Qualität von Benzin und Diesel ist zudem über die Luftreinhalte-Verordnung (LRV) geregelt; ihre Anforderungen entsprechen den Normen SN EN 228 (Benzin) und SN EN 590 (Diesel).
Und die eigentliche Schweizer Spezialität? Nicht die Sortenflut, sondern die Preisdynamik. Der TCS nennt als Richtwerte aktuell 1.64 (95), 1.75 (98) und 1.76 Franken pro Liter (Diesel). Je nach Standort kann das aber kräftig auseinanderlaufen – Autobahnnähe wirkt manchmal stärker als jede Oktanzahl.