Von Dennis Schneider (Text)
In der Schweiz füllt man den Kofferraum mit Skischuhen, Einkaufstaschen oder – wenn’s ganz wild wird – einem Satz Felgen. In Südtexas kann «Gepäck» offenbar auch anders aussehen. Ein Fahrer in einer Corvette wurde am Grenzübergang bei Laredo aus dem Verkehr gezogen, dort, wo die Strasse über die Juarez–Lincoln-Brücke Richtung Mexiko führt. Es war keine filmreife Verfolgungsjagd, keine Sirenen-Oper. Sondern schlicht eine Ausfuhrkontrolle – und ein Sportwagen, der den Beamten offenbar auffiel.
Zuständig war der US-Zoll- und Grenzschutz, jene Behörde, die an den Grenzen nicht nur Reisepässe, sondern auch Ladung, Fahrzeuge und Bauchgefühl überprüft. Also lief die Routine an: Das Auto wurde mit einem Durchleuchtungssystem kontrolliert, das ohne Demontage in Hohlräume und Verkleidungen «hineinschaut», dazu kam ein Spürhund. Und dann wurde aus der Routine ein Fund.
Laut Behördenangaben lagen im Wagen verteilt und versteckt nicht weniger als 44 Pistolen sowie 79 Magazine. Eine Zahl, die man zweimal liest, weil sie so schwindelerregend ist. Nicht «ein Stück zu viel», nicht «blöd gelaufen», sondern eine Menge, die nach Planung aussieht. Und nach dem Versuch, die Vorteile eines Sportwagens kreativ auszulegen: Zwei Gepäckfächer, ordentlicher Stauraum – nur eben nicht für das, was man hierzulande unter Reisegepäck versteht.
Die Beamten beschlagnahmten die Waffen, die Magazine und gleich das gesamte Fahrzeug. Der Fahrer wurde von Ermittlern des US-Heimatschutzes festgenommen, eine Strafuntersuchung läuft. Woher die Waffen genau stammen, wohin sie sollten und wer hinter dem Transport stehen könnte, dazu gibt es bislang keine weiteren offiziellen Details; auch ein Name oder konkrete Anklagepunkte wurden nicht veröffentlicht. Mehrere Berichte stützen sich weiterhin auf dieselben knappen Behördeninformationen – es bleibt also bei: aufgefallen, kontrolliert, gefunden, sichergestellt, Ermittlungen.
Was bleibt, ist vor allem eine dieser Geschichten, die man erst für übertrieben hält – bis man die Zahlen liest. Die Corvette mag gebaut sein, um schnell zu sein. In diesem Fall war sie vor allem eines: ein zu schneller Weg, um sehr langsam auffällig zu werden.