Wer in den Sommerferien Richtung Atlantik, Mittelmeer oder Algarve fährt, sollte die Pause nicht dem Zufall überlassen. Der TCS hat 129 Raststätten in Frankreich, Spanien und Portugal getestet – und das Ergebnis zeigt ziemlich klar, wo Reisende gut versorgt werden und wo die Autobahnpause eher zur Geduldsprobe wird.

Für den Praxistest legten zwei TCS-Experten im Frühling 2026 fast 10’000 Kilometer zurück. Bewertet wurden 52 Raststätten in Frankreich, 60 in Spanien und 17 in Portugal. Untersucht wurden Parkplätze, Schnellladestationen, Einrichtungen für Wohnmobile, Freizeit- und Erholungsbereiche sowie das Angebot an Gastronomie und Einkaufsmöglichkeiten. Alle Anlagen wurden nach dem gleichen Raster beurteilt.

An der Spitze steht Frankreich. Die französischen Raststätten erreichten im Durchschnitt 69,5 Prozent und liegen damit deutlich vor Portugal mit 56,9 Prozent und Spanien mit 41,8 Prozent. Besonders stark fällt auf: In Frankreich wurden neun Raststätten als «ausgezeichnet» eingestuft, weitere 36 als «sehr empfehlenswert». Damit gehören mehr als 86 Prozent der getesteten Anlagen zu den beiden höchsten Kategorien. Die besten Resultate erzielten Besançon mit 89 Prozent, Mâcon-la-Salle mit 88 Prozent und Bolleville mit 84 Prozent. Am unteren Ende der französischen Rangliste stehen Relais Bouguenais mit 22 Prozent, Treillières mit 36 Prozent und Communay Sud mit 43 Prozent.

Frankreich überzeugt vor allem mit einer breiten und soliden Infrastruktur. Für Wohnmobile stehen vielerorts Entsorgungsstationen für Abwasser, Trinkwasserstellen, Sanitäranlagen und Duschen bereit. Auch die Erholungszonen sind häufig gut ausgebaut, mit Picknickplätzen, Spielplätzen, Fitnessgeräten und Bereichen für Hunde. Dazu kommt eine vergleichsweise dichte und gut nutzbare Schnellladeinfrastruktur. Wer elektrisch unterwegs ist, findet in Frankreich also deutlich häufiger eine funktionierende Lösung als in anderen Ländern des Tests. Schwächer schneidet Frankreich beim Gastronomieangebot sowie beim Angebot an Gasflaschen und Wohnmobilzubehör ab.

Spanien dagegen zeigt im TCS-Test erhebliche Schwächen. Von 60 geprüften Raststätten schaffte es nur eine in die Kategorie «sehr empfehlenswert». Lediglich elf Anlagen überschritten die Marke von 50 Prozent. Die meisten spanischen Raststätten wurden als «empfehlenswert» oder nur «mit Vorbehalt empfehlenswert» eingestuft. Die besten Werte erzielten La Caridad mit 63 Prozent, Penedès mit 58 Prozent und La Plana ebenfalls mit 58 Prozent. Am Ende der Liste stehen Algarrobo mit 28 Prozent, Torrox mit 29 Prozent und Moncalián mit 30 Prozent.

Das grösste Problem in Spanien ist die Ladeinfrastruktur. Nur etwas mehr als jede zehnte getestete Raststätte verfügte über Schnellladestationen. Und selbst dort war nicht immer Verlass auf die Technik: Laut TCS waren mehrere Ladepunkte defekt oder ausser Betrieb. Auch bei den Zahlungsmöglichkeiten und der Transparenz der Tarife gab es Mängel. Für Reisende mit Elektroauto ist das keine Nebensache, sondern der Unterschied zwischen entspannter Pause und improvisierter Routenplanung. Hinzu kommen Defizite bei der Ausstattung für Wohnmobile.

Portugal landet im Mittelfeld und hinterlässt insgesamt einen besseren Eindruck als Spanien. Von den 17 getesteten Raststätten wurden fünf als «sehr empfehlenswert» und elf als «empfehlenswert» bewertet, nur eine Anlage erhielt die Einstufung «mit Vorbehalt empfehlenswert». Die besten Resultate erreichten Aveiras mit 69 Prozent, Santarém mit 68 Prozent und Almodôvar mit 61 Prozent. Am schwächsten schnitten Galp Coronado mit 38 Prozent sowie Alcochete und Palmela mit je 52 Prozent ab.

Stark ist Portugal vor allem beim Gastronomie- und Einkaufsangebot. Auch bei den Schnellladestationen zeigt sich das Land gut aufgestellt. Schwächen gibt es dagegen bei der Infrastruktur für Wohnmobile. Vor allem Entsorgungsmöglichkeiten für Schwarz- und Grauwasser sowie Trinkwasserstellen sind nicht überall ausreichend vorhanden. Für klassische Reisende mag das verkraftbar sein, für Camper ist es ein klarer Minuspunkt.

Der Test macht deutlich, wie unterschiedlich die Qualität der Raststätten in Europa noch immer ist. Frankreich zeigt, dass Autobahnraststätten längst mehr sein können als Tankstelle, WC und Sandwich im Plastikdreieck. Spanien zeigt, dass der Ausbau der Elektromobilität auf der Autobahn nicht bei politischen Ankündigungen endet, sondern an funktionierenden Ladesäulen gemessen wird. Portugal wiederum beweist, dass gute Verpflegung und Ladepunkte viel wert sind, Wohnmobilreisende aber ebenfalls zur Realität des modernen Reiseverkehrs gehören.

Der TCS fordert deshalb gemeinsame Standards auf europäischer Ebene. Raststätten sollen ein verlässliches Mindestniveau bieten – bei Ladeinfrastruktur, Entsorgungseinrichtungen, Sauberkeit, Sicherheit sowie kinder- und tierfreundlicher Ausstattung. Gerade mit Blick auf die Sommerferien ist das mehr als eine technische Detailfrage. Wer Tausende Kilometer quer durch Europa fährt, braucht nicht nur Strassen. Er braucht Orte, an denen die Reise kurz zur Ruhe kommt.