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    Mehr zahlen, selten wechseln: Der träge Markt der Autoversicherungen

Die Rechnung kommt, die Prämie steigt, der Ärger ist da – und dann passiert erst einmal erstaunlich wenig. Genau dieses Muster zeigt eine repräsentative Comparis-Umfrage zur Autoversicherung in der Schweiz. Für 2026 berichten 45 Prozent der befragten Autobesitzenden von höheren Prämien als im Vorjahr. Bei mehr als einem Drittel der Betroffenen fiel die Erhöhung sogar um über 100 Franken aus. Dennoch wechselten nur 6 Prozent tatsächlich den Anbieter.

Dabei wäre der Anlass für einen Wechsel durchaus vorhanden. Denn die höheren Kosten lassen sich oft kaum mit dem eigenen Fahrverhalten erklären: 80 Prozent der Befragten gaben an, im vergangenen Jahr keinen Schadensfall gehabt zu haben. Die grosse Mehrheit fuhr also unfallfrei – und zahlte trotzdem mehr. Für Comparis-Finanzexperte Harry Büsser ist deshalb klar, dass die Aufschläge meist nicht auf selbstverschuldete Faktoren zurückzuführen sind.

Auffällig ist zudem ein regionaler Unterschied. In der Romandie mussten signifikant mehr Autohaltende einen Prämiensprung von über 200 Franken hinnehmen als in der Deutschschweiz. Die Belastung trifft also nicht alle Regionen gleich stark.

Umso bemerkenswerter ist die geringe Wechselbereitschaft. Denn wer den Schritt wagt, spart oft spürbar: Viele der Wechselnden konnten ihre Prämie laut Comparis um mindestens 200 Franken pro Jahr senken. Büsser hält fest, dass viele Versicherte höhere Prämien akzeptieren, obwohl ein Vergleich rasch mehrere Hundert Franken Einsparung bringen könne – bei gleicher oder sogar besser passender Leistung.

Die Trägheit im Markt ist gross. 30 Prozent der Befragten sind seit mehr als zehn Jahren bei derselben Versicherung, 50 Prozent seit mindestens sechs Jahren. Besonders ausgeprägt ist diese Bindung bei Personen mit tieferem Bildungsniveau. Gleichzeitig zeigen die Daten, wie stark die Unterschiede im Markt ausfallen: 8 Prozent bezahlen weniger als 500 Franken pro Jahr, 11 Prozent 1600 Franken oder mehr.

Hinzu kommt eine Wissenslücke. 30 Prozent der Befragten wissen nicht, dass sie bei einer Prämienerhöhung ausserordentlich kündigen können. Wer dieses Sonderkündigungsrecht nicht kennt, bleibt oft einfach beim bisherigen Anbieter – und verzichtet damit womöglich auf eine günstigere oder besser passende Lösung. Gerade in einem Jahr mit breiten Prämienerhöhungen lohnt sich deshalb der Marktvergleich besonders.

Ein ähnliches Bild zeigt sich auch bei Reparaturen. 44 Prozent der Befragten gehen in eine Vertragsgarage, 43 Prozent in eine freie, markenunabhängige Garage. Während der Garantiezeit sei die Markengarage sinnvoll, sagt Büsser. Danach seien freie Garagen oft günstiger – bei vergleichbarer Qualität.

Die Comparis-Erhebung zeichnet damit ein klares Bild des Schweizer Autoversicherungsmarkts 2026: Die Prämien steigen spürbar, oft ohne direkten Zusammenhang mit dem individuellen Schadenverlauf. Die Unterschiede zwischen den Anbietern bleiben gross, das Wissen über Rechte und Sparmöglichkeiten lückenhaft. Und obwohl ein Wechsel für viele finanziell attraktiv wäre, bleiben die meisten beim Alten.

Die Daten stammen aus einer repräsentativen Befragung des Marktforschungsinstituts Innofact im Auftrag von Comparis. Im Januar 2026 wurden dafür 1026 Autobesitzende mit abgeschlossener Autoversicherung in allen Regionen der Schweiz befragt.