• Homeslider Bild: https://www.carwing.ch/images/home/slider/porsche-h.jpg
  • Zusätzliche Kategorien: Homeslider
  • Homeslider Text:

    Die Illusion ist vorbei: Porsche und der brutale Gewinneinbruch

Von Dennis Schneider

Porsche erlebt gerade eine Phase, die so gar nicht zum eigenen Selbstbild passen will. Jahrelang galt der Sportwagenbauer als Synonym für Ertragsstärke, klare Positionierung und ein fast schon beneidenswert stabiles Geschäftsmodell. Nun zeigt sich, wie schnell sich selbst bei einer Marke dieser Grössenordnung die Perspektive verschieben kann. 2025 sank der Umsatz auf 36,27 Milliarden Euro, was einem Rückgang von 9,5 Prozent entspricht. Noch deutlicher fällt der Blick auf den operativen Gewinn aus: Er brach von 5,64 Milliarden auf 413 Millionen Euro ein – ein Minus von 92,7 Prozent. Entsprechend sackte auch die operative Marge von 14,1 auf nur noch 1,1 Prozent ab.

Damit ist klar, dass es sich nicht um eine kurzfristige Delle handelt, sondern um eine Entwicklung, die tiefer reicht. Auch die Absatzseite zeigt, wie stark der Druck inzwischen geworden ist. Weltweit gingen die Auslieferungen von 310’718 auf 279’449 Fahrzeuge zurück, also um 10,1 Prozent. Besonders deutlich wurde die Schwäche in China, wo Porsche nur noch 41’938 Fahrzeuge verkaufte – 26,3 Prozent weniger als im Vorjahr. Auch in Deutschland und im übrigen Europa ging der Absatz spürbar zurück. In Deutschland betrug das Minus 16 Prozent, in Europa ohne Deutschland 13 Prozent. Nordamerika hielt sich dagegen vergleichsweise stabil und war damit eher Stütze als Belastungsfaktor.

Gerade dieser internationale Blick ist wichtig, weil sich die aktuellen Probleme nicht auf einen einzelnen Markt reduzieren lassen. Zwar spielen die US-Zölle durchaus eine Rolle. Porsche beziffert die Belastung für 2025 auf rund 700 Millionen Euro. Dass der Hersteller inzwischen offener über eine mögliche Produktion in den USA nachdenkt, ist vor diesem Hintergrund nachvollziehbar. Dennoch greift es zu kurz, den Einbruch vor allem mit der amerikanischen Handelspolitik zu erklären. Die Ursachen liegen breiter und tiefer.

Insgesamt musste Porsche 2025 Sonderbelastungen von rund 3,9 Milliarden Euro verkraften. Davon entfielen etwa 2,4 Milliarden Euro auf die Neuausrichtung von Produktstrategie und Unternehmen, weitere rund 700 Millionen Euro auf Batterieaktivitäten. Die Zölle kommen also zu einer ohnehin angespannten Lage noch hinzu, sie sind aber nicht der Kern des Problems. Vielmehr zeigt sich, dass Porsche nicht nur auf schwierigere Marktbedingungen reagieren muss, sondern gleichzeitig auch die Folgen eigener strategischer Anpassungen trägt.

Besonders deutlich wird das in China. Dort hat sich das Umfeld im Luxussegment spürbar verändert, vor allem bei elektrischen Modellen. Lokale Hersteller agieren technologisch ambitioniert, preislich aggressiv und mit hohem Tempo. Für internationale Premiumanbieter ist das eine neue Realität, und Porsche bekommt sie nun mit voller Wucht zu spüren. Der Rückgang in China wiegt umso schwerer, weil der Markt über Jahre hinweg als verlässlicher Wachstumstreiber galt.

Hinzu kommt, dass auch die Diskussion über Elektrofahrzeuge differenzierter geführt werden muss, als es einfache Schlagzeilen oft nahelegen. Zu behaupten, Elektroautos wolle grundsätzlich niemand mehr, wäre zu schlicht. Eher zeigt sich, dass die Transformation deutlich anspruchsvoller verläuft als vielerorts angenommen. Porsche hat die Elektrifizierung früh und sichtbar vorangetrieben, musste nun aber erkennen, dass Markt, Preisbereitschaft und regionale Unterschiede komplexer sind als manche Strategiepräsentation vermuten liess. Entsprechend wird der Kurs inzwischen angepasst, Modelle werden neu eingeordnet und Antriebsstrategien überdacht.

Genau darin liegt der eigentliche Kern dieser Entwicklung. Porsche kämpft nicht bloss mit Gegenwind von aussen, sondern auch mit der Aufgabe, den eigenen Anspruch mit einer veränderten Realität in Einklang zu bringen. Der Konzern steht damit vor einer schwierigen, aber entscheidenden Phase. Die Marke ist stark, die Produkte haben weiterhin Strahlkraft, und gerade in Nordamerika zeigt sich, dass Porsche noch immer über eine solide Basis verfügt. Doch die Zahlen machen unmissverständlich deutlich, dass Prestige allein nicht genügt. 2025 war für Porsche ein Jahr der harten Korrektur – und vielleicht auch der Moment, in dem aus grossen Erzählungen wieder belastbare Industriepolitik werden muss.