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    Ferrari nennt seinen ersten Stromer Luce – doch Mazda funkt dazwischen

Von Dennis Schneider

Noch ist Ferraris erster Stromer nicht auf der Strasse, doch beim Namen wird es bereits eng. Das erste vollelektrische Modell aus Maranello soll «Luce» heissen, also schlicht «Licht» auf Italienisch. Genau dieser Name könnte Ferrari in Japan allerdings Probleme bereiten, weil Mazda dort kurz nach Ferraris Präsentation des Namens eine Markenanmeldung für «Luce» eingereicht hat.

Für Ferrari ist «Luce» mehr als nur ein wohlklingendes Wort. Der Name wurde Anfang Februar 2026 zusammen mit ersten Bildern des Innenraums offiziell vorgestellt. Das Interieur entstand in Zusammenarbeit mit LoveFrom, dem Designkollektiv von Jony Ive und Marc Newson, und soll den Auftakt zu einem neuen Kapitel der Marke markieren. Die eigentliche Weltpremiere des Fahrzeugs ist für Mai 2026 vorgesehen, die ersten Auslieferungen sollen im Herbst folgen.

Dass ausgerechnet Mazda nun mit dem Namen auftritt, wirkt auf den ersten Blick überraschend, ist historisch aber durchaus nachvollziehbar. Die Japaner verwendeten den Namen «Luce» bereits ab 1966 für ihr damaliges Flaggschiff. In Exportmärkten lief das Modell später vielfach als Mazda 929. Besonders erinnerungswürdig blieb das 1969 vorgestellte Luce Rotary Coupe, auf das Mazda Jahre später selbst wieder verwies: Beim Vision Coupe von 2017 nannte der Hersteller das klassische Rotary Coupe ausdrücklich als gestalterische Inspiration. Mit anderen Worten: Mazda greift hier nicht nach einem beliebigen Begriff, sondern nach einem Namen mit eigener Tradition.

Ob daraus tatsächlich ein grösserer Streit entsteht, ist offen. Klar ist vorerst nur: Ferrari hat den Namen zuerst öffentlich gemacht, Mazda sicherte ihn kurz darauf in Japan markenrechtlich ab. Das muss nicht heissen, dass Mazda ein neues Modell dieses Namens plant. Solche Anmeldungen dienen oft auch dazu, historische Bezeichnungen in wichtigen Märkten vorsorglich zu schützen. Falls die Sache weitergeht, dürfte es deshalb vor allem um den japanischen Markt gehen und nicht zwingend um einen weltweiten Namenskonflikt.

Für Ferrari wäre selbst ein regional begrenzter Namenskonflikt zwar alles andere als ideal, denn der erste Elektro-Ferrari steht ohnehin unter besonderer Beobachtung. Das Modell ist nicht einfach ein weiteres neues Auto, sondern ein strategischer Wendepunkt für die Marke. Ferrari will in den kommenden Jahren eine Palette anbieten, in der Elektroautos, Hybride und klassische Verbrenner nebeneinander bestehen. Gerade deshalb käme es zum denkbar ungünstigen Zeitpunkt, wenn ausgerechnet der Name kurz vor dem Marktstart Fragen aufwirft.

Ganz so nachteilig wäre die Sache für Ferrari allerdings nicht. Denn die Debatte um den Namen sorgt schon jetzt für zusätzliche Aufmerksamkeit rund um das Auto. Noch bevor Design, Technik und Fahrleistungen vollständig bekannt sind, ist der erste Elektro-Ferrari bereits Gesprächsthema. Diese Art von Gratiswerbung nimmt man in Maranello vermutlich nicht ungern mit – auch wenn sie offiziell natürlich niemand so nennen würde.

Ganz ohne Vorbild wäre ein solcher Rückzieher nicht. Im Jahr 2024 musste Alfa Romeo den Namen seines neuen Kompakt-SUV von «Milano» auf «Junior» ändern, nachdem es in Italien heftige Kritik gegeben hatte. Der Fall lag zwar anders, zeigt aber, wie schnell Namensfragen in der Autoindustrie erstaunlich ernst werden können. Besonders dann, wenn Tradition, Herkunft und Markenbild aufeinandertreffen.

Im Moment deutet vieles darauf hin, dass Ferrari am Namen «Luce» festhalten möchte, während Mazda in Japan vor allem seine historischen Rechte absichert. Doch schon jetzt zeigt der Fall, wie sensibel die Branche auf ihre eigene Vergangenheit reagiert. Vor allem dann, wenn die Zukunft elektrisch ist und ein alter Modellname plötzlich für neues Aufsehen sorgt.