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    Wenn Assistenzsysteme schwächeln: Der ADAC zeigt die heiklen Momente

Assistenzsysteme gelten gern als stille Sicherheitsreserve im Hintergrund. Solange die Sicht klar ist, funktioniert dieses Versprechen oft erstaunlich gut. Doch der ADAC hat nun gezeigt, dass moderne Notbremsassistenten bei Starkregen, Nebel und schwierigen Lichtverhältnissen deutlich früher an Grenzen geraten, als es die Werbebotschaften der Hersteller vermuten lassen.

Ein kurzer Blick auf Euro NCAP hilft beim Einordnen. Das europäische Programm zur Sicherheitsbewertung neuer Fahrzeuge prüft unter anderem den Insassenschutz, den Schutz anderer Verkehrsteilnehmer und die Qualität von Assistenzsystemen. Notbremsassistenten gehören dort zwar längst zum Pflichtprogramm, bislang allerdings vor allem unter günstigen Bedingungen. Genau an diesem Punkt setzt der ADAC an und untersucht, wie sich die Systeme verhalten, wenn das Wetter nicht mehr mitspielt.

Für den Test nutzte das ADAC-Team eine Wetterhalle, in der sich auf rund 1600 Quadratmetern unterschiedliche Umwelteinflüsse kontrolliert simulieren lassen. Dichter Nebel, kräftiger Regen und verschiedene Lichtverhältnisse konnten so realistisch und vor allem reproduzierbar nachgestellt werden. Das klingt technisch, ist aber entscheidend: Nur wenn alle Fahrzeuge unter denselben Bedingungen antreten, lassen sich die Resultate sauber vergleichen.

Sechs Neuwagen mussten sich dieser Prüfung stellen: Mercedes CLA, Nio EL6, Tesla Model Y, Subaru Impreza, VW T-Roc und BYD Seal. In allen Versuchen wurden die Fahrzeuge auf 30 km/h beschleunigt. Anschliessend mussten die Notbremsassistenten in sechs unterschiedlichen Wetterszenarien auf zwei typische Gefahrensituationen reagieren: auf einen querenden Fussgänger-Dummy, der mit 5 km/h unterwegs war, sowie auf ein stehendes Fahrzeug mit aktiver Heckbeleuchtung. Jeder Versuch wurde dreimal gefahren, wobei bei zwei identischen Resultaten auf einen dritten Durchlauf verzichtet werden konnte.

Das Gesamtbild fällt durchzogen aus. Kein einziges System meisterte alle Aufgaben fehlerfrei. Vor allem dichter Nebel erwies sich als ernsthafte Herausforderung. In solchen Situationen erkannten fast alle Fahrzeuge querende Fussgänger nicht zuverlässig oder reagierten ungenügend auf stehende Fahrzeuge. Kollisionen liessen sich dann entweder gar nicht oder nur teilweise verhindern. Von technischer Souveränität kann also keine Rede sein.

Am besten schnitt der Mercedes CLA ab. Er zeigte gerade im dichten Nebel eine überraschend stabile Leistung, patzte aber bei der Erkennung eines querenden Fussgängers im leichten Regen. Hinter dem Mercedes reihten sich der Nio EL6, das Tesla Model Y, der Subaru Impreza, der VW T-Roc und der BYD Seal ein. Vor allem der BYD fiel im Schlechtwettertest insgesamt deutlich ab und warnte zudem nicht darüber, dass die Sensorik nur eingeschränkt arbeitsfähig war.

Der Subaru setzte andere Akzente. Hier überzeugte weniger die absolute Bestleistung als vielmehr die klare Kommunikation mit der Fahrerin oder dem Fahrer. Das Kamerasystem machte reduzierte Sichtbedingungen transparent und war nach einem Neustart meist rasch wieder einsatzbereit. Tesla wiederum zeigt mit dem Model Y, dass auch ein reines Kamerakonzept beachtliche Resultate erzielen kann. Zwar verhinderte das Fahrzeug nicht jede Kollision, es warnte aber in allen Szenarien mindestens einmal und verschaffte damit wertvolle Reaktionszeit.

Der Blick auf die eingesetzte Technik macht die Resultate nicht weniger interessant. In der Branche dominieren derzeit Fusionssysteme aus Kamera und Radar. Gleichzeitig zeigt der Test, dass mehr Sensoren nicht automatisch zu besseren Ergebnissen führen. Selbst der mit Lidar ausgestattete Nio EL6 geriet bei dichtem Nebel an Grenzen. Das Zusammenspiel aus Licht, Wassertröpfchen, Reflexionen und Signalverarbeitung bleibt also eine heikle Disziplin. Die Hardware ist nur so gut wie das, was ihre Software daraus macht.

Für den ADAC ist die Sache damit klar umrissen: Notbremsassistenten sind wichtige Sicherheitsbausteine, aber keine Wunderwaffe. Sie bleiben eine letzte Rückfallebene, wenn Aufmerksamkeit oder Sichtverhältnisse nicht ausreichen. Gerade dann müssten sie jedoch robust und verlässlich funktionieren. Ebenso wichtig ist eine klare Rückmeldung an den Menschen am Steuer. Wenn die Technik an ihre Grenzen kommt, darf das Auto nicht schweigen, sondern muss rechtzeitig, verständlich und unmissverständlich warnen. Alles andere ist am Ende Sicherheit mit Vorbehalt.