Von Dennis Schneider (Text)
Bei Porsche wird aus der Rückwärtsfahrt langsam ein Muster. Im ersten Quartal 2026 lieferte der Hersteller weltweit noch 60’991 Fahrzeuge aus, 15 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum. Besonders deutlich bleibt der Rückgang in China mit minus 21 Prozent, während Deutschland mit plus 4 Prozent eher eine Randnotiz als ein Gegengewicht ist. Carwing berichtete bereits im März über den Gewinneinbruch. Die neuen Zahlen liefern nun vor allem die Fortsetzung derselben Geschichte: Die Krise ist nicht vertagt, sie läuft weiter.
Porsche erklärt den Rückgang mit dem ausgelaufenen 718 mit Verbrennungsmotor, dem starken Vorjahreseffekt beim elektrischen Macan und dem Wegfall von Steuervergünstigungen für Elektro- und Hybridfahrzeuge in den USA. Das ist nachvollziehbar, aber es erklärt nur einen Teil der Entwicklung. Das Umfeld bleibt schwierig, vor allem in China, wo das Luxussegment unter Druck steht und der Wettbewerb im Elektrobereich immer härter wird. Hinzu kommt, dass Porsche seinen Kurs bei der Elektrifizierung längst vorsichtiger justiert als noch vor wenigen Jahren. Aus einer grossen Zukunftserzählung ist ein deutlich nüchterneres Ringen mit Markt, Preis und Realität geworden.
Umso auffälliger ist der Kontrast beim 911. Die Baureihe legte im ersten Quartal um 22 Prozent zu und bleibt damit der stärkste Beleg dafür, dass Porsche im Markenkern weiterhin funktioniert. Der 911 steht wie kein anderes Modell für das, was die Marke kann: hohe Begehrlichkeit, starke Margen und eine Kundschaft, die auch bei teuren und besonders leistungsstarken Varianten zugreift. Gerade GTS-, Turbo- und GT-Modelle zeigen, dass Porsche dort stark bleibt, wo Image, Produkt und Preisdurchsetzung noch sauber zusammenpassen.
Genau darin liegt aber auch die unangenehme Pointe. Porsche funktioniert derzeit vor allem dort, wo die Marke seit Jahrzehnten glänzt: beim klassischen Sportwagen, bei starken Derivaten, bei teuren Ikonen. Schwieriger wird es dort, wo die Zukunftserzählung besonders gross angekündigt wurde – in China, bei der Elektromobilität, bei Volumenmodellen im Übergang. Der Kurs «Value over Volume» klingt nach Disziplin. Er ist aber auch ein Hinweis darauf, dass Porsche im Moment lieber kontrolliert verwaltet, statt offensiv zu wachsen.
Unterm Strich zeigt das Quartal weniger eine Betriebsstörung als eine Richtungsfrage. Der 911 beweist, dass Porsche noch immer genau weiss, wie man Begehrlichkeit baut. Die schwachen Gesamtzahlen zeigen aber ebenso, dass diese Stärke allein die strategischen Risse nicht überdeckt. Porsche hat derzeit nicht bloss ein Absatzproblem. Der Konzern ringt vor allem damit, wie glaubwürdig die eigene Zukunftsformel noch wirkt. Und genau das ist für eine Marke wie Porsche am Ende meist teurer als ein schlechtes Quartal.