Von Heinz Schneider (Text)

Es klingt ein wenig wie der Stoff, aus dem amerikanische Fernsehserien gemacht werden: Lamborghinis, schwere Pick-ups, Geländefahrzeuge, Luxusuhren, Schmuck, Millionen auf Bankkonten – und irgendwo mittendrin eine Menge Rohöl, das dort offenbar nicht hätte sein sollen. Doch diesmal stammt das Drehbuch nicht aus Hollywood, sondern aus Texas.

Das texanische Department of Public Safety (DPS) hat bei einem grossangelegten Schlag gegen eine mutmassliche kriminelle Organisation 60 Autos sichergestellt. Der geschätzte Gesamtwert der Flotte liegt bei mehreren Millionen Dollar. Darunter befinden sich nicht etwa nur betagte Arbeitspferde aus dem Ölfeld, sondern auch luxuriöse Pick-ups und Geländewagen. Ein Lamborghini passt dabei ebenso ins Bild wie die in Texas beinahe obligatorischen Fullsize-Trucks. Bescheidenheit scheint jedenfalls nicht zu den Tugenden jener Personen gehört zu haben, gegen die nun ermittelt wird.

Doch die Autos sind nur die glänzende Oberfläche eines Falls, der deutlich tiefer reicht. Bei den Ermittlungen stiessen die Behörden zudem auf Luxusuhren, hochwertigen Schmuck, knapp 790 000 US-Dollar Bargeld sowie acht Bankkonten mit einem Gesamtguthaben von mehr als acht Millionen Dollar. Alles zusammen ergibt ein Bild, bei dem selbst erfahrene Ermittler vermutlich etwas genauer hinschauen.

Im Zentrum der Affäre steht nämlich kein klassischer Autoklau, sondern ein mutmasslich ausgeklügeltes Geschäft mit Rohöl. Nach Darstellung der Behörden soll es um den Diebstahl beziehungsweise den illegalen Ankauf und Weiterverkauf von Tausenden Barrel Erdöl gegangen sein. Ein Geschäft, bei dem schon kleine Mengen schnell grosse Summen bewegen – und bei dem ein Tankwagen deutlich weniger Aufsehen erregt als ein Lamborghini vor der Garage.

Die Ermittlungen richten sich gegen ein texanisches Öl- und Gasunternehmen. Ob einzelne der sichergestellten Autos unmittelbar für die mutmasslichen Geschäfte eingesetzt wurden oder schlicht zum privaten Fuhrpark der Beteiligten gehörten, ist bislang nicht abschliessend geklärt.

Nun schlugen die Ermittler zu. Die auf Diebstähle im Bereich der Erdölindustrie spezialisierte «Organized Oilfield Theft Prevention Unit» des DPS vollstreckte 17 Durchsuchungs- und Haftbefehle. Die Aktionen führten über die Staatsgrenze hinaus bis ins Garvin County im benachbarten Oklahoma. Sechs Personen wurden festgenommen, darunter nach Angaben der Behörden auch Mitglieder der Unternehmensleitung. Die Ermittlungen dürften damit allerdings noch längst nicht abgeschlossen sein.

Neben den knapp 790 000 Dollar Bargeld wurden 34 Uhren und Schmuckstücke im geschätzten Wert von rund 445 000 Dollar beschlagnahmt. Dazu kommen die erwähnten Bankkonten mit mehr als acht Millionen Dollar Guthaben. Die 60 Fahrzeuge bilden somit nur den sichtbarsten Teil einer Vermögensmasse, die sich inzwischen auf eine stattliche Summe addiert.