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    Der Spion im Cockpit: Geheimdienst warnt vor modernen Autos

Dennis Schneider (Text)

Das Auto hört aufs Wort. Die Frage ist nur, wer sonst noch zuhört. Der niederländische Geheimdienst warnt vor Spionagerisiken vernetzter Fahrzeuge. Mikrofone, Kameras und Verbindungen zum Handy können dabei zum Sicherheitsproblem werden.

Das vertrauliche Telefonat auf dem Heimweg. Der Besuch an einem sensiblen Firmenstandort. Das Geschäftshandy, schnell mit dem Auto gekoppelt. Was im Alltag bequem erscheint, verdient aus Sicht des niederländischen Geheimdienstes AIVD einen zweiten Blick. Seine am 30. September veröffentlichte Warnung richtet sich besonders an Personen in Wirtschaft und Behörden, die mit sensiblen Informationen arbeiten.

Die Behörde beschreibt ein beunruhigendes Szenario: Mikrofone und Kameras lassen sich bei entsprechend zugänglichen Systemen aus der Ferne aktivieren. Angreifer könnten dadurch Gespräche mithören oder Aufnahmen im und rund ums Fahrzeug machen. Auch die Live-Ortung nennt der AIVD als mögliches Angriffsziel. Der Komfort hat Ohren, Augen und einen Standort.

Besonders heikel wird es beim gekoppelten Smartphone. Bluetooth, WLAN, USB und sogar kabelloses Laden führt der Dienst als mögliche Zugangswege auf. Darüber könnten Angreifer Fahrzeugsysteme erreichen und Daten aus verbundenen Geräten abgreifen. Welche konkrete Technik wie angreifbar ist, schlüsselt die Warnung allerdings nicht auf.

Das Problem reicht über das Armaturenbrett hinaus. Laut AIVD können neben Herstellern auch Händler, Leasing- und Wartungsunternehmen, App-Anbieter, Zulieferer und Cloud-Dienste Zugriff auf Teile der Fahrzeugdaten erhalten. Staatliche Akteure könnten Informationen bei Unternehmen anfordern oder sich durch Hackerangriffe beschaffen. Ein legitimer Datenzugriff ist deshalb noch keine Spionage. Er zeigt aber, wie viele Stellen bei der Sicherheitsfrage mitreden.

Die Empfehlungen für besonders exponierte Personen fallen entsprechend deutlich aus: keine vertraulichen Gespräche im oder am Auto, Geräte nicht unbedacht koppeln, automatische Bluetooth- und WLAN-Verbindungen vermeiden. Für USB empfiehlt die Behörde einen Datenblocker, der die Datenverbindung unterbindet. Von kabellosem Laden rät sie dieser Zielgruppe ab.

Wie weit trägt die Warnung? Der AIVD nennt weder ein bestimmtes Herkunftsland noch eine Marke oder eine nachweislich kompromittierte Fahrzeugbaureihe. Er veröffentlicht auch keinen konkreten Angriffsnachweis für die beschriebenen Systeme. Die technische Möglichkeit ist ernst zu nehmen; sie beweist jedoch nicht, dass ein bestimmtes Auto seine Insassen tatsächlich ausspioniert.

Für die Schweiz lässt sich daraus eine naheliegende Konsequenz ableiten: Wer sensible Informationen oder Standorte schützen muss, sollte das Fahrzeug in sein Sicherheitskonzept einbeziehen. Die vertrauliche Sitzung endet schliesslich nicht dort, wo die Fahrt beginnt. Und ein Dienstwagen verdient auch bei der Datenverarbeitung Aufmerksamkeit.

Für Garagen, Mietwagenfirmen und Occasionshändler stellt sich zusätzlich die Frage nach der digitalen Übergabe. Das Schweizer Bundesamt für Cybersicherheit empfiehlt bei weitergegebenen elektronischen Geräten, persönliche Daten und Kontoverknüpfungen zu entfernen und die Löschung zu kontrollieren. Auf Fahrzeuge übertragen heisst das: gespeicherte Kontakte und Adressen prüfen, Nutzerkonten trennen und digitale Schlüssel widerrufen. Ob ein Werksreset auch Daten in Hersteller-Clouds beseitigt, muss für das jeweilige System geklärt werden. Das beantwortet die AIVD-Warnung nicht.

Die Branche nennt das vernetzte Auto «smart». Die entscheidende Frage bleibt erfreulich unsmart: Wer bekommt was mit?