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    Patina, Power und Ghost Flames: Die schönsten Oldies mitten in Zürich

Von Heinz Schneider (Text und Fotos)

Im Zürcher Albisgüetli, dort, wo Fahrzeuge normalerweise im Strassenverkehrsamt ihre Absolution erhalten (oder auch nicht) und jeweils im September beim Knabenschiessen gezielt, gefeiert und gestaunt wird, drehte sich vor wenigen Tagen alles um Oldtimer, Klassiker, Vergaser, Patina und die leise Sehnsucht nach gestern. Das Oldtimertreffen «Classics Cars & Bikes» verwandelte den Platz in ein rollendes Gedächtnis der Mobilität.

Da standen sie, die Klassiker aus allen Epochen: glänzend, gebraucht, bodenständig, manchmal perfekt restauriert, manchmal mit jenen Spuren, die erst interessant machen. Natürlich gab es auch solche aus dem oberen Preissegment, bei denen man lieber mit den Augen als mit dem Portemonnaie zugreift. Doch der eigentliche Charme des Treffens lag anderswo: in der erstaunlich grossen Zahl jener Klassiker, mit denen sich viele Besucher sofort identifizieren konnten.

Ein Alfasud? Sofort war da wieder dieser Hauch italienischer Alltagseleganz, gewürzt mit Rostangst und Fahrfreude. Ein Opel Rekord? Der solide Begleiter einer Zeit, in der Familienferien noch mit Kartenlesen, Thermosflasche und vollgepacktem Kofferraum begannen. Dazu Renault mit Heckmotor, VW Käfer und all jene vertrauten Formen, die früher nicht in Garagenmuseen standen, sondern vor Bäckereien, Schulhäusern und Mehrfamilienhäusern. Autos also, die nicht nur Technikgeschichte erzählen, sondern Familiengeschichte.

Einen kräftigen Auftritt hatten die Amischlitten. Sie rollten in allen Generationen an, grosszügig dimensioniert, selbstbewusst lackiert und mit jenem souveränen Auftritt, der in engen Schweizer Quartierstrassen manchmal wirkt, als sei ein Ozeandampfer versehentlich in den Zürichsee abgebogen. Zu den auffälligsten Vertretern gehörte ein 1957er Chevrolet Two Ten Handyman, der in unserer Fotogalerie kaum zu übersehen sein dürfte. Zwischen 2000 und 2007 wurde er restauriert, und zwar nicht gerade mit der Absicht, unauffällig zu bleiben: Seine Speziallackierung mit «Electric Orange Metallic Ghost Flames» macht klar, dass Zurückhaltung hier höchstens bei Standgas vorkommt. Unter der Haube arbeitet ein Corvette-Achtzylinder. Mehr muss man eigentlich nicht sagen. Nur dem Sound lauschen.

Wie es sich für ein richtiges Treffen gehört, wurde nicht nur geschaut und gestaunt, sondern auch angeboten, verkauft und gekauft. Zwei Fahrzeuge zeigten besonders schön, wie breit das Spektrum war. Da stand ein Studebaker Avanti von 1963, in der Schweiz restauriert, mit originalem Interieur und kleiner Patina. Ein Auto wie ein perfekt sitzender Massanzug aus einer mutigeren Zeit: eigenwillig, elegant, nicht für jeden, aber gerade deshalb interessant.

Auf der anderen Seite des Angebots wartete ein Chevrolet Apache 3L von 1959, frisch ab MFK und mit originalen Flugzeugsitzen. Ein Pickup als Zweiplätzer, der ganz offensichtlich ein bewegtes Leben hinter sich hat. Man musste kein Detektiv sein, um zu erkennen: Dieser Apache hat mehr gesehen als manche Garagenuhr. Genau solche Fahrzeuge geben einem Treffen Würze. Nicht alles muss concoursfertig glänzen. Manchmal sind Dellen und Lackabplatzer ehrlicher als zehn Schichten Klarlack.

Gegen Mittag bekam das Albisgüetli seine kleine Dramaturgie. Der Besitzer eines Lancia-Sportwagens setzte sich in sein Auto, drehte den Zündschlüssel, und für einen Moment war Schluss mit gemütlichem Flanieren. Aus dem Motorraum züngelten Flammen. Ein kurzer Schreck, ein paar schnelle Schritte, dann das Glück im richtigen Augenblick: Ein Oldie-Fan hatte in seinem Auto einen Feuerlöscher dabei und brachte die Flammen umgehend zum Ersticken. So schnell kann aus Sonntagsromantik plötzlich Ernst werden. Und so beruhigend ist es, wenn unter den Liebhabern nicht nur Benzin im Blut, sondern auch Vernunft im Kofferraum mitfährt.

Am Ende bleibt das Treffen im Albisgüetli vor allem als lebendige, wunderbar zugängliche Zeitreise in Erinnerung. Keine sterile Schau hinter Absperrbändern, sondern ein Ort, an dem Menschen ihre Erinnerungen spazieren fahren. Zwischen Alfasud und Apache, Käfer und Corvette-V8, Patina und Metallic-Flammen zeigte sich: Oldtimer sind nicht einfach alte Autos. Sie sind rollende Auslöser. Für Gespräche, für Geschichten, für dieses kurze Lächeln, wenn jemand vor einem Opel Rekord stehen bleibt und sagt: «So einen hatten wir auch mal.»