Dennis Schneider (Text)
Volkswagen prüft, ausgewählte China-Modelle nach Europa zu holen. Bei deren Entwicklung spielt der chinesische Elektroautohersteller Xpeng eine zentrale Rolle. Das vertraute VW-Zeichen könnte damit künftig auch hier auf Autos mit chinesischen technischen Grundlagen sitzen.
Das Markenlogo bleibt deutsch. Bei der Technik lohnt sich inzwischen ein genauerer Blick. Volkswagen erwägt den Import von Elektroautos, die ursprünglich für China entwickelt wurden. Für das Selbstverständnis der deutschen Autoindustrie ist das eine bemerkenswerte Lektion.
Thomas Schäfer, Chef der Pkw-Marke Volkswagen, hat am Pariser Autosalon gegenüber dem britischen Fachmagazin «Autocar» die Vorbereitung möglicher Importe bestätigt. Die Fahrzeuge sollen das europäische Angebot ergänzen. Den gesamten Volkswagen-Konzern führt Oliver Blume; Schäfer verantwortet die Marke VW.
Als mögliche Europakandidaten gelten insbesondere zwei Modelle. Eine offizielle Modellauswahl liegt bisher nicht vor:
- ID. Unyx 09: eine rund fünf Meter lange elektrische Limousine von Volkswagen Anhui, gemeinsam mit Xpeng entwickelt.
- ID. Aura T6: ein rund 4,80 Meter langes Elektro-SUV von FAW-Volkswagen, dem Gemeinschaftsunternehmen mit dem chinesischen Autohersteller FAW. Es nutzt die mit Xpeng entwickelte Elektronikarchitektur CEA.
Verkaufsstart, Stückzahlen und europäische Preise sind offen. Schäfer spricht von ausgewählten Importen, mit denen VW zunächst die Nachfrage ausloten könnte. Eine Ablösung des bestehenden europäischen Programms ist nicht angekündigt.
Xpeng ist dabei weit mehr als ein Lieferant einzelner Bauteile. Das Unternehmen aus Guangzhou entwickelt eigene Elektroautos, Software und Fahrerassistenzsysteme. Volkswagen beteiligte sich Ende 2023 mit knapp fünf Prozent; angekündigt war eine Investition von rund 700 Millionen Dollar.
Die ursprüngliche Fahrzeugkooperation baut ausdrücklich auf Xpengs G9-Plattform sowie Software für Vernetzung und Fahrerassistenz auf. Auch die gemeinsame China Electronic Architecture, kurz CEA, nutzt Xpengs eigene Elektrik- und Elektronikarchitektur als Grundlage. Sie bestimmt, wie Rechner, Steuergeräte und Software zusammenspielen. Beim Aura T6 ist damit die Elektronikbasis beschrieben, nicht automatisch die komplette Fahrzeugplattform.
Wer gibt also den Ton an? Xpeng liefert wesentliche technische Ausgangspunkte. Volkswagen entwickelt mit seinem chinesischen Technologiezentrum und der eigenen Softwareeinheit Cariad China mit. Eine alleinige Führung Xpengs über das Gesamtfahrzeug ist öffentlich nicht belegt. Der chinesische Partner prägt aber zentrale Grundlagen, auf denen Volkswagen aufbaut.
Es geht somit um gemeinsam entwickelte VW-Modelle, bei denen chinesisches Know-how tief im Auto steckt. Aus «in China für China» könnte «aus China für Europa» werden. Das deutsche Logo hätte die kürzeste Reise.