In Läufelfingen (BL) traf sich die Sektion Nordwestschweiz von Carrosserie Suisse zur Generalversammlung – und das an einem Ort, der kaum passender hätte gewählt werden können. Die Sozialeinrichtung «Dietisberg Wohnen und Werken», seit mehr als 120 Jahren fest in der Region verankert, bot nicht nur den Rahmen, sondern auch den Stoff für einen Nachmittag, der zwischen Bodenhaftung und Aufbruch pendelte. Oder anders gesagt: Hier sprach man über digitale Lernplattformen, künstliche Intelligenz und Nachwuchsmarketing, ohne dabei den Blick für die Menschen zu verlieren. Das ist in Zeiten allgemeiner Powerpoint-Euphorie keineswegs selbstverständlich.

Bevor überhaupt abgestimmt, informiert oder geehrt wurde, erhielten die rund 60 Anwesenden (19 Stimmberechtigte) bei einer Führung Einblick in die Geschichte und Arbeit der Institution. «Wohnen und Werken» ist weit mehr als bloss eine Einrichtung – es ist ein Stück sozialer Alltag in einem Dorf, das mit rund zwanzig Vereinen bemerkenswert rege am eigenen Gemeinschaftsleben arbeitet. Dort wird organisiert, trainiert, musiziert, geholfen – und eben auch gewohnt und gearbeitet.

Ein Schwerpunkt lag auf der Zukunft der Grundbildung – und die trägt im Moment einen kurzen, markanten Namen: «Hazu.» Sektionspräsident Erwin Leu brachte die Stossrichtung prägnant auf den Punkt, als er erklärte, Hazu sei «eine digitale Plattform, die Lernende, Lehrpersonen, Betriebe, Ausbildner und Expertenteams miteinander vernetzt und den Lernprozess sowie den Austausch schweizweit vereinfacht».

Hinter dem Begriff steckt mehr als bloss Software: «Hazu» soll die Ausbildung in der Branche moderner, vernetzter und alltagstauglicher machen – also genau dort ansetzen, wo heute oft noch Insellösungen, Papierberge und freundliche Improvisation regieren. Dass die bereits abgeschlossene Pilotphase nicht nur auf dem Reissbrett funktioniert hat, sondern in der Praxis auf Interesse stösst, zeigte sich auch an der Rückmeldung aus dem Schulalltag. Kurt Zihlmann, Berufsschullehrer in Zofingen und selbst vor Ort, sparte nicht mit Zuspruch: «Das Konzept hat mich überzeugt. Ich möchte Hazu als neues zentrales Tool einsetzen.»

Das ist mehr als ein höfliches Abnicken. Wenn jemand aus dem Bildungsbetrieb ein solches Projekt ausdrücklich tragen will, ist das meist ein belastbareres Kompliment als drei Hochglanzbroschüren und ein halbes Dutzend Strategiepapiere. Zumal Hazu mit einer integrierten, auf die Branche zugeschnittenen KI-Unterstützung aufwartet – ein Detail, das zeigt, wohin die Reise geht. Die Werkbank bleibt, aber sie bekommt digitale Gesellschaft.

Wie diese Zukunft auch im Kampf um den Nachwuchs sichtbar gemacht werden soll, erläuterte Isabel Suter, Leiterin Marketing und Kommunikation beim Branchenverband. Als Gastreferentin stellte sie Aktivitäten auf der Videoplattform «Tik Tok» vor – dort also, wo Aufmerksamkeit heute in Sekunden gemessen wird und junge Menschen schneller weiterwischen, als man «Carosseriespengler» sagen kann. Vor allem aber präsentierte sie eine neue Attraktion, die kurz vor der Einführung steht: das Carrosserie-Mobil.

«Damit stellen wir einen umfänglich ausgestatteten und begehbaren Anhänger für Berufsmessen und weitere Auftritte zur Verfügung», sagte Suter. Der Anhänger kommt im jugendorientierten Design daher, visuell angelehnt an die Website «carrosserieberufe.ch». Innen warten eine Theke, ein Bildschirm und ein Kühlschrank. So gesehen ist das Carrosserie-Mobil nicht einfach ein Anhänger, sondern eine rollende Einladung zum Gespräch. Und vielleicht auch ein stilles Eingeständnis, dass Berufsmarketing heute etwas mehr braucht als Faltblätter auf einem Bistrotisch und einen Kugelschreiber mit Logo.

Zum Schluss wurde es verdienterweise persönlich. Erwin Leu würdigte Andreas Imhof und Roland Sauter für ihre langjährigen Verdienste in der Sektion – und damit zwei Männer, die das Verbandsleben über Jahre, ja Jahrzehnte mitgeprägt haben. Andreas Imhof wurde bereits 1989 in den Vorstand gewählt und wirkte später während 20 Jahren als Vizepräsident. Die Ernennung zum Ehrenmitglied ist folglich keine Pflichtübung, sondern eine folgerichtige Anerkennung.

Auch Roland Sauter wurde verabschiedet: Er legte sein Amt als Revisor nieder. Für die Nachfolge sorgte die Versammlung gleich selbst – gewählt wurde sein Sohn Stefan. Man könnte sagen, die Revision bleibt in der Familie. Und ganz ohne Sentimentalität zeigt sich darin doch etwas, das für solche Sektionen unbezahlbar ist: Kontinuität. Nicht als museale Starrheit, sondern als Weitergabe von Verantwortung.

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