Heute: Widmer Carrosserie AG, Neuenhof (AG)
Die «Widmer Carrosserie AG» aus Neuenhof gehört neu zum Netzwerk «Certified First Switzerland». Der Aargauer Betrieb bringt dabei nicht nur 15 Mitarbeitende, eine moderne Infrastruktur und ein breites Dienstleistungsangebot mit, sondern auch eine Haltung, die in Zeiten rasch bestellter Neuteile fast ein wenig gegen den Strom fährt: reparieren, wo immer es möglich ist.
«Wir setzen zu 99 Prozent auf ‹Reparieren statt Ersetzen›», sagt Inhaber Mario Widmer. Eine Quote, die in der Branche sehr aussergewöhnlich ist. Das schont Ressourcen, reduziert Kosten und verlangt vor allem eines: Fachwissen. Denn ein Teil auszutauschen ist meistens einfacher. Es fachgerecht zu retten, das ist die Kunst.
Das Angebot reicht von Kleinreparaturen bis zur kompletten Unfallinstandsetzung. Bearbeitet werden nicht nur Personenwagen, sondern ebenso Nutz-, Bau- und Kommunalfahrzeuge – also vom handlichen Stadtflitzer bis zum etwas gröberen Gerät, das nicht primär für den sonntäglichen Ausflug an den Hallwilersee gebaut wurde. Hinzu kommen Hagelschadenbeseitigungen, Glasreparaturen sowie die Kalibrierung moderner Assistenzsysteme. Ausserdem ist der Betrieb zertifizierter Einbaupartner für massgeschneiderte Fahrzeugeinrichtungen von Aluca.
Obwohl vergleichsweise jung, reicht der Ruf der Firma über die Kantonsgrenzen hinaus. 15 Mitarbeitende, darunter drei Carrosseriespengler, fünf Lackierer und drei Lernende. Gerade der Nachwuchs nimmt im Unternehmen einen wichtigen Platz ein. «Wir garantieren eine engmaschige Betreuung durch erfahrene Fachkräfte», sagt Widmer. Die Lernenden sollen also nicht einfach irgendwie durch die Ausbildung kommen, sondern ihr Handwerk von Grund auf verstehen.
Stillstand ist allerdings auch für die übrigen Mitarbeitenden keine Option: Sie werden gezielt aus- und weitergebildet. «Die kontinuierliche fachliche und persönliche Weiterentwicklung ist essenziell und spiegelt den Grundsatz des lebenslangen Lernens wider», bringt Mario Widmer die Philosophie des Betriebs auf den Punkt. Das klingt zunächst ein wenig nach Schulzimmer, zeigt sich im Alltag aber ganz praktisch: Neue Materialien, komplexere Fahrzeugkonstruktionen, Assistenzsysteme und alternative Antriebe verlangen laufend nach zusätzlichem Wissen.
Auch die Digitalisierung wird nicht bloss als Wort für die nächste Imagebroschüre verwendet. Ein Schwerpunkt liegt auf dem digitalen Schadenmanagement. Dank der engen Zusammenarbeit mit KMUs, Versicherungen und Leasinganbietern soll die Abwicklung schnell und unkompliziert erfolgen. «Unser Ziel ist es, den Kunden den Prozess so einfach wie möglich zu gestalten», sagt Widmer. Dazu gehört etwa das Online-Schadenformular «Express», das direkt über die Homepage ausgefüllt werden kann. Der Schaden am Auto verschwindet dadurch zwar nicht per Mausklick, der administrative Umweg wird aber deutlich kürzer.
Der Beitritt zu «CFS» erfolgte nicht zufällig, sondern aus Überzeugung. Widmer kennt die verschiedenen Zusammenschlüsse der Branche. «Als Kenner ist mir kein Netzwerk fremd», sagt er. «Aber CFS erachte ich als das neutralste, wo man sich auf Augenhöhe begegnet.» Entscheidend ist für ihn der aktive Erfahrungsaustausch unter den Mitgliedern. Die strategische Zusammenarbeit innerhalb der Branche soll einen gezielten Wissenstransfer ermöglichen und den beteiligten Betrieben durch innovative Reparaturmethoden Marktvorteile sichern. Gleichzeitig möchte die Widmer Carrosserie AG bestehende Partnerschaften pflegen und ausbauen – etwa mit dem Lacklieferanten Belfa AG sowie mit Versicherungen und Leasingprovidern.
Ebenso wichtig ist der regelmässige Kontakt zu anderen zukunftsorientierten Carrosserie- und Lackierbetrieben. Dabei will das Neuenhofer Team nicht bloss zuhören und gelegentlich zustimmend nicken, sondern sich aktiv mit eigenen Ideen und Vorschlägen einbringen. «Das ist für uns keine Frage. Auch hier, wie in jedem anderen Bereich der täglichen Arbeit, leben wir unser Motto ‹Wir machen› statt ‹Wir könnten›.»
Berührungsängste kennt der Betrieb auch beim Thema Schadensteuerung nicht. Im Gegenteil. «Versicherungsgesellschaften schätzen professionell organisierte und modern denkende Experten in den Betrieben. Und wir schätzen die sachliche Zusammenarbeit auf Augenhöhe mit den jeweiligen Schadenexperten», sagt Widmer. Entscheidend sei eine professionelle Partnerschaft, bei der klare Abläufe und fachliche Argumente zählen.
Kritischer beurteilt er die Ausbildung zum Carrosserie-Reparateur. Das Berufsbild ist als Verbindung zwischen Spenglerei und Lackiererei gedacht. Für ihn bleibt es jedoch ein Kompromiss, der in der Praxis zu kurz greift. «Die Ausbildung vermittelt von beiden Bereichen nur Teilelemente, was der tiefgehenden Fachkompetenz und Spezialisierung im Alltag entgegensteht. Getreu dem Prinzip ‹Von allem ein wenig› geht dieses Konzept aus unserer Sicht nicht auf. Deshalb bieten wir die Ausbildung nicht mehr an.»
Konsequent zeigt sich die Widmer Carrosserie bei der Nachhaltigkeit. Das «Grüne Label» wird nicht als dekorativer Kleber verstanden, sondern täglich umgesetzt. Im Lackbereich kommt das Basissystem «PPG Envirobase High Performance» zum Einsatz, ergänzt durch den lufttrocknenden Klarlack «D8178 Rapid Low Energy». Zudem wird der Papierverbrauch laufend reduziert, und für die Reinigung von Teilen werden wiederverwendbare Mikrofasertücher verwendet. Auch die E-Mobilität gehört zum Betriebsalltag. In der Ersatzwagenflotte steht ein Stromer bereit, während die Mitarbeitenden durch Partnerlieferanten regelmässig geschult werden. Denn moderne Reparaturkompetenz endet nicht beim Blech, und schon gar nicht beim Ladekabel.
Mit dem Beitritt zu «Certified First Switzerland» stösst somit ein Betrieb zum Netzwerk, der seine Linie klar definiert hat: fachlich breit aufgestellt, digital organisiert, offen für Zusammenarbeit und überzeugt davon, dass eine gute Reparatur häufig die bessere Lösung ist. Oder, um es mit dem betriebseigenen Motto zu sagen: In Neuenhof wird nicht lange darüber gesprochen, was man tun könnte. Man macht es.
Die «PPG Switzerland GmbH» (Konzerntochter von PPG) und die Belfa AG (Importeurin von PPG) arbeiten daran, das Netzwerk «Certified First Switzerland» in der Schweiz zu etablieren. Wir stellen die Betriebe, die sich zum Mitmachen bei «CFS» entschlossen haben, in loser Folge vor.