Von Heinz Schneider (Text)
Ein Parkschaden am Personenwagen ist das eine, ein beschädigter 26-Tonner mit Spezialaufbau, Ladekran oder anderer Sondertechnik eine ganz andere Hausnummer. Schon die Frage, wohin mit dem Fahrzeug, kann zur logistischen Übung werden. Denn während ein Pw durch beinahe jedes Carrosserietor passt, endet die Reise eines schweren Lastwagens bei manchen Werkstätten bereits vor der Einfahrt.
Genau hier setzt eine weitere Dienstleistung an, die aus dem Reparaturnetz vom «HCG Schadenmanagement» entstanden ist. Die Regensdorfer übertragen ihr Angebot, das sie bereits für Versicherungen und Flottenfirmen im Bereich «Personenwagen» anbieten, auf schwere Nutzfahrzeuge. Interessant für Unternehmen, die Lastwagen in ihren Fuhrparks betreiben und nach einem Schaden nicht selbst zum Telefonbuch – beziehungsweise dessen digitalem Nachfolger – greifen möchten, um Reparaturbetrieb, Spezialisten, Schadenabwicklung und weitere Beteiligte zusammenzubringen.
Das Prinzip bleibt dabei grundsätzlich dasselbe: «HCG» übernimmt das komplette Schadenmanagement. Das «Full Package», oder das «Rundum-Sorglos-Paket», wie man in Regensdorf sagt. Vom gemeldeten Schaden über die Koordination der Reparatur bis zur Abwicklung soll der Flottenkunde möglichst wenig administrativen Aufwand haben. Nur sind die Dimensionen andere – und damit auch die Anforderungen.
Dass dafür Bedarf besteht, zeigen erste Kunden. Zu ihnen gehört die Griesser AG mit Hauptsitz in Aadorf (TG), das traditionsreiche Schweizer Familienunternehmen für Sonnen- und Wetterschutzlösungen. Griesser arbeitet beim Pw-Schadenmanagement seit längerer Zeit mit «HCG» zusammen. Da lag es nahe, die Zusammenarbeit auf die schweren Fahrzeuge auszudehnen. «Als langjähriger Partner bei den Personenwagen vereinfacht es sich für uns, nun auch die Schadenfälle unsere Lastwagen von HCG abwickeln zu lassen», sagt dazu Fleetmanager Alfred Gmünder.
Was zunächst nach einer logischen Erweiterung einer bestehenden Dienstleistung klingt, wird in der Praxis allerdings schnell anspruchsvoll. Ein Lastwagen ist eben nicht einfach ein Personenwagen mit ein paar zusätzlichen Metern Blech und sechs Rädern mehr. Bei einem Schaden kann die Fahrerkabine betroffen sein, ein Seitenteil, die Ladefläche – oder ein spezieller Aufbau. Und spätestens wenn ein Kran, ein komplexer Aufbau oder eine andere Sonderkonstruktion beschädigt wurde, reicht die klassische Carrosseriekompetenz allein nicht mehr aus.
Dann kommen Spezialisten ins Spiel. Fahrzeugschlosser beispielsweise, die nicht nur wissen, wie sich ein Blech richten lässt, sondern auch mit Konstruktionen umgehen können, die im normalen Carrosseriealltag kaum vorkommen. Die Schadenbeurteilung wird entsprechend komplexer. Was muss repariert werden? Was lässt sich instand setzen? Welche Spezialfirma verfügt über die nötige Ausrüstung? Und wer kann überhaupt einen solchen Lastwagen aufnehmen?
Gerade der letzte Punkt klingt banal, ist es aber keineswegs. Ein Reparaturnetz für Personenwagen lässt sich nicht einfach per Mausklick zum Nutzfahrzeugnetz erklären. Hallenhöhe, Torbreite, Hebeanlagen, Standplätze und technische Ausrüstung müssen für schwere Fahrzeuge ausgelegt sein. Ein Lastwagen braucht Platz – und davon nicht wenig. Manche Dinge passen eben auch mit gutem Willen nicht durchs Tor.
HCG musste deshalb sein bestehendes Netzwerk anpassen und gezielt um Betriebe ergänzen, die solche Fahrzeuge nicht nur reparieren können, sondern auch über die entsprechenden räumlichen und technischen Voraussetzungen verfügen.
«Wir haben Partner, die heute schon Lastwagen reparieren», sagt HCG-Geschäftsführer Tony Tulliani. «Da lag es nahe, dass wir dieses Geschäftsfeld und unser Angebot an Dienstleistungen ausbauen.»
Ganz abgeschlossen ist dieser Ausbau allerdings nicht – und HCG macht daraus auch kein Geheimnis. «Wir sind daran, unsere Kompetenzen in diesem Bereich auszubauen», sagt Tulliani. Vor allem bei der Beurteilung von Schäden an speziellen Aufbauten sei weiterhin externes Fachwissen notwendig. «Für Aufbauten holen wir bei Bedarf externe Hilfe ein. Da sind wir auf Experten angewiesen.»
Das ist weniger ein Schwachpunkt als vielmehr eine Besonderheit dieses Geschäfts. Nutzfahrzeuge sind häufig massgeschneiderte Arbeitsgeräte. Zwei Lastwagen mit identischem Chassis können je nach Einsatz völlig unterschiedliche Aufbauten tragen. Der eine liefert Stückgut, der nächste transportiert Baumaterial, ein anderer arbeitet mit Kran, Hebebühne oder Spezialkonstruktion. Entsprechend unterschiedlich sehen auch die Schäden – und deren Reparaturen – aus.
Für ein professionelles Schadenmanagement bedeutet das: Man muss nicht zwingend alles selbst können. Man muss aber wissen, wer es kann, und diesen Spezialisten im richtigen Moment ins Spiel bringen. Genau dieses Netzwerk baut HCG derzeit weiter aus.
Nach Angaben des Unternehmens entsteht damit ein neues Geschäftsfeld, dessen Form in der Schweiz einzigartig ist. Es verbindet die zentrale Schadensteuerung mit einem speziell auf schwere Nutzfahrzeuge ausgerichteten Reparatur- und Expertennetzwerk.
Damit entwickelt sich «HCG» ein Stück weiter vom klassischen Schadenmanager zum Koordinator immer komplexerer Mobilitäts- und Reparaturprozesse. Der Grundgedanke bleibt derselbe: Der Kunde meldet den Schaden, «HCG» organisiert den Rest. Bei schweren Lastwagen kommt lediglich eine entscheidende Komponente hinzu – Gewicht. In jeder Beziehung.