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    Teile, Tempo, Temperatur: Was die SAS 2026 den Carrossiers brachte

Dennis Schneider (Text & Fotos)

Mit 22 Ausstellern fing alles an. Zehn Jahre später füllten 158 Anbieter die BernExpo. Andere Hausmessen stellen irgendwann einen zweiten Stehtisch auf. Derendinger machte daraus die grösste Schweizer Fachmesse für den automobilen Aftermarket.

2026 feierte die Swiss Automotive Show ihr zehnjähriges Bestehen, allerdings erst mit der neunten physischen Ausgabe. Gestartet war sie 2016 beim neuen Derendinger-Landeslager in Niederbipp. Nach der pandemiebedingten Pause und dem Umzug nach Bern ist aus der einstigen Hausmesse ein fester Branchentreffpunkt geworden.

Am 28. und 29. August präsentierten 158 Aussteller ihre Produkte und Dienstleistungen. Dazu kamen 18 Fachvorträge und Live-Demos sowie eine Aftershow mit Veronica Fusaro und Naty Jane. Carwing war am ersten Messetag dabei und besuchte drei Branchenpartner: carrosserie suisse, die Axalta Axcess Switzerland GmbH mit Repanet Suisse sowie SÜDO JASA.

Originalteile zu Verbandskonditionen

Am Stand von carrosserie suisse ging es weniger um eine blinkende Maschine als um jene Position, die auf einer Reparaturrechnung regelmässig für erhöhten Puls sorgt: den Ersatzteilpreis.

Der Branchenverband will die Zusammenarbeit mit Derendinger vertiefen. Mitgliedsbetriebe von carrosserie suisse sollen Originalersatzteile künftig zu attraktiven Verbandskonditionen beziehen können. Davon sollen insbesondere Carrosserie- und Lackierbetriebe profitieren.

Derendinger verfügt bereits über ein OE-Sortiment für rund 20 Fahrzeugmarken. Dieses umfasst Service- und Verschleissteile, Carrosserieteile sowie Schmierstoffe. Die geplante Zusammenarbeit soll den Verbandsmitgliedern den Zugang erleichtern und wirtschaftlich interessanter machen.

Wie Bestellweg, Starttermin und Konditionen konkret aussehen, ist noch zu präzisieren. Vorerst steht das Versprechen. Die Preisliste muss noch folgen.

Axalta Axcess zeigt den digitalen Farbtonprozess

Am Stand von Axalta Axcess und Repanet Suisse wurden verschiedene Bausteine des digitalen Farbtonprozesses gezeigt. Dazu gehörte Irus Scan, ein Spektralfotometer mit integrierter RGB-Kamera. Das Gerät zeigt die Messstelle live an und erfasst neben dem Farbton auch Glanz und Effektpigmente.

Zusammen mit der vollautomatischen Mischanlage Irus Mix entsteht ein weitgehend digitaler Ablauf: Farbton messen, passende Formel bestimmen und den Lack automatisch mischen. Die Präsentation an der SAS zeigte damit vor allem, wie die einzelnen Systeme im Werkstattalltag zusammenspielen.

Das spart Handgriffe, reduziert Mischfehler und verringert Materialverluste. Der Lackierer wird damit nicht überflüssig. Er muss lediglich weniger Zeit damit verbringen, Gebinde zu schütteln und Grammzahlen hinterherzujagen.

Ebenfalls präsentiert wurde Speed-TEC von Spies Hecker, einer Reparaturlackmarke des Axalta-Konzerns. Das System mit schnell trocknenden Füllern und Klarlacken ist allerdings kein grundsätzlich neues Prinzip. Interessanter ist inzwischen die digitale Verbindung der einzelnen Arbeitsschritte – von der Farbtonmessung bis zum fertigen Lackgemisch.

Mit Syrox, Audurra, U-POL und KECO deckt Axalta Axcess zudem immer mehr Bereiche rund um die eigentliche Lackierung ab. Die Botschaft ist klar: Das Unternehmen möchte nicht nur Lack liefern, sondern möglichst viel von dem, was davor und danach passiert.

Wärmebild statt Bauchgefühl

Die auffälligste technische Neuheit bei SÜDO JASA war die neue Generation der Infrarottrockner IRT 4-1 und 4-2 TCR von Hedson. Nach Angaben des Standteams wurde das System an der SAS erstmals an einer Schweizer Fachmesse gezeigt.

Eine Wärmebildkamera überwacht die Oberfläche an 768 Messpunkten, während ein Radar den Abstand zwischen Trockner und Bauteil kontrolliert. Das System erkennt besonders warme Stellen und passt die Infrarotleistung automatisch an. Dadurch soll es Überhitzung verhindern und nur so viel Energie einsetzen, wie tatsächlich nötig ist.

Programme für Spachtel, Füller, Basislack, Klarlack und Kunststoffe sind bereits hinterlegt. Temperatur, Aufheizkurve und Trocknungsdauer lassen sich individuell anpassen. Trocknen nach Gefühl war gestern. Jetzt schaut die Wärmebildkamera mit – gewissermassen der sehr genaue Kollege, der nie Kaffeepause macht.

Beim Batteriedienst zeigte SÜDO JASA die neuen CTEK-Ladegeräte NXT 5 und NXT 15 sowie die kompakten Booster RB 3000 und RB 4000. Das stärkere Modell liefert laut Anbieter bis zu 4000 Ampere Starthilfe und wiegt dennoch nur gut 1,2 Kilogramm.

Ein weiterer Schwerpunkt war das Pistolenwaschgerät LavaX BIO15. Es arbeitet mit BioXRemove HR in einem geschlossenen Kreislauf und kann zwei Lackierpistolen gleichzeitig reinigen. Die Flüssigkeit wird weiterverwendet, eine zusätzliche Absauganlage ist laut Anbieter nicht erforderlich.

Das reduziert den Lösemittelverbrauch und die Belastung für die Mitarbeitenden. Die Pistole kommt sauber zurück, das Reinigungsmittel bleibt im Kreislauf und der Lackierer muss seine Hände nicht mehr als improvisierte Waschanlage einsetzen.

Drei Messestände, drei unterschiedliche Ansätze – und dennoch dieselbe Botschaft. Originalteile müssen günstiger verfügbar sein, Lackierprozesse einfacher werden und Trocknungsanlagen weniger Energie verschwenden. Revolutionär klingt das nicht. Im Werkstattalltag ist es allerdings ziemlich genau jene Art von Fortschritt, die am Monatsende tatsächlich sichtbar wird.