Dennis Schneider (Text)
Mehr als ein Drittel weg – und an Arbeit mangelt es trotzdem nicht. Der spanische Werkstattmarkt zeigt, wie rasch eine Branche unter Investitions-, Kosten- und Nachfolgedruck schrumpfen kann.
Laut GiPA sank die Zahl sämtlicher spanischer Reparaturbetriebe von 50 228 im Jahr 2011 auf 38 568 im Jahr 2026. Das entspricht einem Rückgang von 23,2 Prozent. Besonders brutal traf es die Carrosserie- und Lackbranche: Hier verschwanden innerhalb von 15 Jahren 35 Prozent der Betriebe. Bei den Markenwerkstätten betrug das Minus 33 Prozent.
GiPA ist ein international tätiger Marktforschungs- und Beratungsanbieter, der sich auf den automobilen Aftermarket spezialisiert hat und Märkte in mehr als 30 Ländern untersucht.
Fehlende Arbeit ist offenbar nicht das Hauptproblem. Im ersten Halbjahr 2026 stieg der Umsatz der spanischen Carrosseriebetriebe laut Solera und Conepa um acht Prozent, die Zahl der Reparaturen um sechs Prozent. Gleichzeitig werden moderne Fahrzeuge komplexer, Investitionen teurer und Fachkräfte knapper. Versicherer, Flottenbetreiber und digitale Systeme erhöhen zusätzlich den Druck. Nur 37 Prozent der spanischen Werkstätten gehören einem Netz an. In Deutschland sind es 58, in Frankreich sogar 71 Prozent.
Und die Schweiz? Auch hier sinkt die Zahl der Betriebe – allerdings deutlich langsamer. Gemäss Bundesamt für Statistik ging die Zahl der Arbeitsstätten für Carrosseriereparatur und Lackierung von 2848 im Jahr 2011 auf 2519 im Jahr 2024 zurück. Das sind minus 11,6 Prozent. Die Zahl der Beschäftigten sank dagegen lediglich um 1,7 Prozent.
Die Schweiz ist vom Strukturwandel also keineswegs verschont. Der wachsende Fahrzeugbestand und die weitgehend stabile Beschäftigung federn den Rückgang bislang ab. Doch Investitionsdruck, Fachkräftemangel und ungelöste Nachfolgen betreffen auch hiesige Betriebe. Spanien zeigt möglicherweise nicht eine andere Entwicklung – sondern unsere eigene im Schnelllauf.