Wer im Strassenbild auf mehr Mut zur Farbe hofft, braucht weiterhin Geduld. Denn auch 2025 bleibt das Auto weltweit vor allem eines: weiss, schwarz oder grau. Das zeigt die kürzlich veröffentlichte globale Studie der beliebtesten Autofarben von Axalta. Für den Lackhersteller ist es bereits die 73. Ausgabe der Erhebung – und damit einmal mehr ein ziemlich genauer Blick auf eine Branche, die bei der Farbwahl lieber auf Bewährtes setzt als auf grosse Gesten.

Die Zahlen lassen wenig Interpretationsspielraum. Weiss bleibt mit 29 Prozent die beliebteste Autofarbe weltweit, gefolgt von Schwarz mit 23 Prozent und Grau mit 22 Prozent. Zusammen prägen diese drei neutralen Töne den Markt so deutlich, dass alles andere fast schon wie ein Akzent wirkt. Silber verliert etwas an Zugkraft und kommt noch auf 7 Prozent, während Blau mit 6 Prozent stabil bleibt. Damit ist Blau weiterhin die stärkste chromatische Farbe. Rot, Braun beziehungsweise Beige, Grün sowie Gelb und Gold bleiben kleinere, aber konstante Bestandteile der globalen Farbpalette.

Genau darin liegt der eigentliche Reiz dieser Studie: Nicht in spektakulären Umbrüchen, sondern in den feinen Verschiebungen. Axalta spricht von einer stetigen Entwicklung statt von dramatischen Veränderungen. Lei Qiao von Axalta beschreibt einen Markt, der sich zwar weiterhin an schlichten, zeitlosen Tönen orientiere, zugleich aber offener werde für Lackierungen mit mehr Tiefe, mehr Bewegung und einem differenzierteren Ausdruck. Oder etwas weniger technisch gesagt: Die Grundfarbe bleibt zurückhaltend, der Anspruch an die Wirkung wächst.

Besonders interessant wird es beim Blick auf die einzelnen Weltregionen. In Nordamerika bleibt Weiss mit 31 Prozent zwar an der Spitze, verliert gegenüber dem Vorjahr aber leicht an Boden. Gleichzeitig gewinnen kräftigere Farben an Präsenz. Blau erreicht dort 10 Prozent, Rot 7 Prozent. Das deutet auf einen Markt hin, in dem der Wunsch nach Individualisierung sichtbarer wird – nicht flächendeckend, aber doch deutlich genug, um wahrgenommen zu werden.

In Südamerika führt Weiss mit 35 Prozent noch klarer. Dort wird die Farbe nicht nur wegen ihres Erscheinungsbilds geschätzt, sondern auch wegen ihrer Alltagstauglichkeit in wärmeren Klimazonen. Silber steigt auf 14 Prozent, Blau auf 7 Prozent, Grau liegt bei 23 Prozent, Rot bei 4 Prozent. Die Palette wirkt insgesamt heller, frischer und etwas moderner, ohne gleich mit der grossen Farb-Rebellion zu beginnen.

Europa bleibt sich derweil treu. Grau ist hier mit 26 Prozent die Nummer eins und legt gegenüber 2024 sogar nochmals leicht zu. Weiss folgt mit 25 Prozent, Schwarz mit 22 Prozent. Das fügt sich erstaunlich nahtlos in jenes europäische Fahrzeugdesign ein, das seit Jahren auf Zurückhaltung, Präzision und kontrollierte Eleganz setzt. Man könnte auch sagen: lieber feine Nuancen als laute Auftritte.

Am meisten Bewegung zeigt sich in Asien. Dort gewinnen ausdrucksstärkere Farben an Boden. Gelb und Gold steigen auf 4 Prozent, Grün auf 3 Prozent, Orange und Violett erreichen jeweils 2 Prozent. Gleichzeitig wächst auch Schwarz und kommt auf 26 Prozent. Gerade im rasant wachsenden Markt für Elektrofahrzeuge werden markantere Farbtöne offenbar zunehmend zum Werkzeug der Markeninszenierung. Farbe ist dort nicht nur Oberfläche, sondern Teil der Identität.

Axalta verweist in diesem Zusammenhang auf die eigene Harzchemie, die eine breite Farbpalette ermöglichen soll – abgestimmt auf unterschiedliche Kundenbedürfnisse, Kulturen und Klimazonen, ohne Abstriche bei Haltbarkeit, Leistung und Nachhaltigkeit. Robert Roop von Axalta betont, dass sich damit sehr unterschiedliche Anforderungen an Farbgebung und Lackeigenschaften abdecken liessen. Die Datenbasis für die Studie stammt wie jedes Jahr aus den Produktionszahlen von Fahrzeugherstellern in den wichtigsten Regionen und Märkten weltweit. Erfasst werden die zehn beliebtesten Farbtöne der Branche sowie deren Entwicklung im Zeitverlauf.

Unter dem Strich bleibt das Bild vertraut: Die Welt fährt weiterhin in neutralen Tönen, und das mit bemerkenswerter Konsequenz. Doch zwischen all dem Weiss, Schwarz und Grau tut sich etwas. Nicht laut, nicht radikal, eher in kleinen, sorgfältig gesetzten Schritten. Aber gerade das macht die Sache spannend: Selbst in einer Farbwelt, die auf den ersten Blick erstaunlich brav wirkt, ist Bewegung drin.