Wenn der Frühling draussen langsam in Richtung Sommer zieht und die Tage leichter wirken, beginnt für angehende Carrosserielackierer eine besonders intensive Phase. Für sie steht nicht die nächste Ausfahrt ins Grüne im Mittelpunkt, sondern das Qualifikationsverfahren – jener Moment, in dem sich zeigt, was in den vergangenen Ausbildungsjahren gewachsen ist. Fachliches Können ist dabei zentral. Doch wer schon einmal unter Zeitdruck gearbeitet hat, weiss: Entscheidend ist oft nicht nur, was man kann, sondern wie ruhig man bleibt, wenn es darauf ankommt.
Genau hier setzen die Vorbereitungskurse von Axalta – André Koch im Informationscenter in Urdorf an. Seit Jahren begleitet das Unternehmen Lehrlinge auf den letzten Metern vor dem QV und bietet ihnen die Möglichkeit, unter möglichst realistischen Bedingungen zu arbeiten. Die zweitägigen Kurse sollen Sicherheit geben, Stress abbauen und den Teilnehmern zeigen, wo sie stehen – ehrlich, direkt und praxisnah.
Geleitet werden die Kurse von Ralf Maag, Schulungsleiter und Anwendungstechniker bei Axalta – André Koch. Er weiss aus Erfahrung, dass eine erfolgreiche Prüfung nicht allein von einer sauberen Lackierung abhängt. Organisation, Zeitmanagement, Konzentration und der Umgang mit Druck spielen eine ebenso grosse Rolle. «Wir wollen eine Situation schaffen, die der echten Prüfung möglichst nahekommt», erklärt Maag. «Wer diesen Druck bereits erlebt hat, kann am entscheidenden Tag ruhiger und strukturierter arbeiten.»
Während insgesamt 11,5 Stunden intensiver Praxisarbeit bearbeiten die Teilnehmer zentrale Aufgaben wie Farbtonfindung, Einlackieren und Spot Repair. Dabei geht es nicht nur um das sichtbare Ergebnis auf dem Werkstück. Bewertet werden auch Arbeitssicherheit, der korrekte Einsatz der persönlichen Schutzausrüstung, die Organisation des Arbeitsplatzes und der bewusste Umgang mit Material. Kurz: alles, was im Berufsalltag zählt – und im QV erst recht.
Der Kurs wird dadurch zu einem klaren Spiegel der eigenen Arbeit. Er zeigt, welche Abläufe bereits sitzen, wo Routine entstanden ist und wo unter Druck noch Unsicherheit aufkommt. Gerade diese unverfälschte Rückmeldung macht den besonderen Wert der Vorbereitung aus. Denn wer vor der Prüfung erkennt, wo noch nachgeschärft werden muss, gewinnt nicht nur fachlich, sondern auch mental.
Das bestätigen auch die Teilnehmer. Julie Winiger von der Carrosserie de Grolley sieht den grössten Nutzen im Realismus der Simulation: «Der eigentliche Mehrwert liegt im Realismus der Simulation. Der erlebte Stress ist sehr nah an der Abschlussprüfung, was hilft, sich besser darauf vorzubereiten und am Prüfungstag ruhiger zu bleiben.»
Auch Loris Bajt von der Carrosserie Hallauer AG hebt hervor, wie stark die Kurssituation an das spätere Qualifikationsverfahren erinnert: «Die Räumlichkeiten und das selbstständige Arbeiten schaffen eine sehr prüfungsnahe Situation. Besonders wertvoll ist, dass man nicht nur fachlich gefordert wird, sondern auch lernt, strukturiert und effizient unter Druck zu arbeiten.»
Mit klarer Linie, Konsequenz und zugleich grossem Respekt führt Ralf Maag durch diese anspruchsvolle Simulation. Der Kurs soll fordern, aber nicht verunsichern. Er soll den Druck spürbar machen, ohne die Lehrlinge zu entmutigen. Genau dieses Gleichgewicht macht ihn so wertvoll: Die Teilnehmer erleben, was sie erwartet – und verlassen Urdorf mit mehr Klarheit, mehr Sicherheit und einem geschärften Blick auf die eigene Arbeitsweise.
Mehr als 40 Lehrlinge haben sich im März dieser Herausforderung gestellt. Zwei intensive Tage, die Konzentration verlangen, an Grenzen führen und zugleich Vertrauen schaffen. Nun richtet sich der Blick auf das Qualifikationsverfahren – und damit auf den nächsten wichtigen Schritt in einer beruflichen Laufbahn, die mit guter Vorbereitung deutlich selbstbewusster beginnt.