Von Dennis Schneider (Text)
Auf der britischen Insel kommt die Lackierkabine neuerdings per Lieferwagen. Die britische iRG Repair Group dreht den gewohnten Ablauf bei kleineren Fahrzeugschäden um: Nicht das Auto fährt zur Carrosserie, sondern der Carrosseriebetrieb zum Auto.
Für den neuen mobilen Service «iDirect» setzt das Unternehmen in Grossbritannien zunächst zwei Peugeot Boxer in Langversion ein. Die Fahrzeuge sind mit Werkzeugen für die Dellenreparatur sowie aufblasbaren Lackierkabinen mit Absaugsystem ausgerüstet. Damit sollen die Techniker kleinere Carrosserie- und Lackschäden direkt beim Kunden beheben können.
Nach Angaben von iRG lassen sich vor Ort Schäden an bis zu drei Fahrzeugteilen bearbeiten. Pro Servicefahrzeug sind zehn bis 15 Aufträge in der Woche vorgesehen. Während der Erprobung konnten laut Unternehmen zudem rund 19 Prozent der Arbeiten ohne neue Ersatzteile ausgeführt werden. Das spart Material, Transporte und vor allem Zeit.
Gedacht ist das Modell insbesondere für Flottenbetreiber, Autohäuser, Leasinggesellschaften und Versicherer. Statt beschädigte Fahrzeuge einzeln in einen Carrosseriebetrieb zu bringen, kann der mobile Reparaturdienst mehrere Arbeiten direkt auf einem Firmen- oder Händlerareal erledigen. Aus einem Werkstatttermin wird im besten Fall ein Parkplatztermin.
Der wirtschaftliche Reiz liegt auf der Hand. Kleinere Schäden blockieren keine stationäre Lackierkabine, Fahrzeuge müssen nicht transportiert werden und fallen weniger lange aus. Gerade bei Flotten kann bereits ein vermiedener Werkstatttag ins Gewicht fallen. Die mobile Lösung soll klassische Carrosseriebetriebe deshalb nicht ersetzen, sondern bei klar begrenzten Schäden entlasten.
Ganz neu ist die Idee auch in der Schweiz nicht. ColorMagic in Schlieren bietet bereits «Ausbeulen und Lackieren» beim Kunden an. Weitere mobile Carrosserie- und Kleinschadenanbieter gibt es unter anderem in den Kantonen Bern, Freiburg und Neuenburg. Ein schweizweit aufgebautes System mit mehreren Fahrzeugen, mobilen Lackierkabinen und direkter Einbindung von Versicherern oder Reparaturnetzwerken ist bislang jedoch nicht erkennbar.
Gerade beim Lackieren bleiben zudem einige Fragen offen. Absaugung, Emissionen, Brandschutz, Arbeitssicherheit und Entsorgung müssen auch ausserhalb einer Werkstatt funktionieren. Hinzu kommen Wind, Regen, Staub und schwankende Temperaturen. Eine aufblasbare Kabine macht aus einem Parkplatz schliesslich noch keine vollwertige Lackiererei.
Trotzdem besitzt das britische Konzept Potenzial. Bei kleinen Schäden und grösseren Fahrzeugbeständen könnten mobile Reparaturen Wege, Kosten und Standzeiten reduzieren. Die Carrosserie verschwindet deshalb nicht. Aber für bestimmte Arbeiten bekommt sie Räder.