Dennis Schneider (Text)
Ein Lackhändler, der nur Farbdosen über den Tresen schiebt, hat in Isorella offenbar ausgedient. Die Familie Capelloni verkauft Lack – und längst auch das Wissen, wie man ihn richtig verarbeitet. Aus einem kleinen Betrieb ist ein Unternehmen mit drei Standorten und eigener Academy geworden.
Begonnen hat die Geschichte 1981 in Isorella bei Brescia. Alvaro Capelloni gründete dort gemeinsam mit seiner Frau Luciana einen kleinen Lackbetrieb. Aus dem überschaubaren Familiengeschäft entwickelte sich über vier Jahrzehnte ein spezialisierter Händler für Carrosserie-, Industrie- und Lackierbetriebe.
Einen wichtigen Partner fand die Familie früh in IVI. Hinter den drei Buchstaben stand «Industrie Vernici Italiane», ein traditionsreicher italienischer Hersteller von Auto- und Industrielacken, der eng mit Fiat verbunden war und unter anderem für den Turiner Autobauer produzierte. 1983 übernahm PPG zunächst die Mehrheit an IVI vom Fiat-Konzern; in den folgenden Jahren wurde das Unternehmen vollständig in PPG eingegliedert. Bei Capelloni wurde die Zusammenarbeit ab 1987 unter dem Namen PPG weitergeführt. Der Partner blieb, die Marke verschwand.
2013 übernahm Capelloni das Colorificio Benedetti in Piacenza und entwickelte daraus den Standort Capelloni Project. Heute ist das Familienunternehmen in Isorella, Brescia und Piacenza vertreten.
Inzwischen arbeitet auch die zweite Generation im Betrieb. Enrico Capelloni betreut schwerpunktmässig das Carrosserie- und Reparaturlackgeschäft, sein Bruder Daniele den Industriebereich. Die Nachfolge wurde damit nicht einfach innerhalb der Familie verteilt, sondern fachlich aufgeteilt.
Ein zentraler Teil der Strategie ist die Capelloni Academy. Sie wurde nicht erst 2026 gegründet, sondern besteht nach Angaben des Unternehmens bereits seit 2018. Dort werden theoretische und praktische Schulungen rund um Lackierung, Farbtonfindung und Carrosseriearbeiten angeboten.
Seit 2025 arbeitet Capelloni zudem mit dem Berufsbildungszentrum AFGP Bonsignori zusammen. Gemeinsam entstand ein 60-stündiger Lehrgang, in dem Jugendliche praktische Grundlagen der Blechbearbeitung und Fahrzeuglackierung erlernen. Die Academy dient damit nicht nur der Kundenbindung, sondern auch der Nachwuchsförderung.
Das Beispiel zeigt, wie sich die Rolle eines Lackhändlers verändert. Produkte lassen sich vergleichen, Preise ebenfalls. Fachwissen ist weniger austauschbar. Capelloni verkauft deshalb nicht mehr nur Material, sondern gleich das Können dazu. Die Lackdose ist irgendwann leer. Das Wissen bleibt.