Der Autodiebstahl ist zurück – nicht mit quietschenden Reifen und Sturmhaube, sondern oft leise, technisch versiert und zielstrebig. Die AXA stellt bei den gemeldeten Fällen eine Zunahme gegenüber den Jahren vor der Pandemie fest. Inzwischen werden der grössten Autoversicherung der Schweiz jährlich fast 400 gestohlene Fahrzeuge gemeldet. Auffällig ist dabei nicht nur die Zahl, sondern auch der Wert der Beute: Im vergangenen Jahr belief sich ein durchschnittlicher Diebstahl auf fast 14 000 Franken, während der Durchschnittsschaden in den zehn Jahren davor bei rund 10 000 Franken lag.
«Auf Schweizer Strassen sind immer modernere und besser ausgestattete Fahrzeuge unterwegs. Diebe dürften vermehrt auf diese abzielen und scheinbar gelingt es ihnen immer häufiger, solche hochpreisigen Fahrzeuge zu entwenden», sagt Michael Villiger, Leiter Schaden Motorfahrzeuge und Mitglied vom «AXA Kompetenzzentrum Mobilität.» Insgesamt bezahlte die AXA im letzten Jahr rund fünf Millionen Franken für den Autoklau – fast doppelt so viel wie vor der Pandemie, als die Schadensumme jeweils zwischen 2,5 und 3 Millionen Franken lag.
Besonders betroffen sind laut AXA die Kantone Genf, Waadt und Basel-Stadt. Das überrascht nur bedingt: Alle liegen in Grenznähe, und genau dort sind organisierte Banden besonders aktiv. Einmal entwendet, sind die Fahrzeuge rasch ausser Land – und für die Besitzer oft so gut wie verschwunden.
Bei den Marken zeigen die Zahlen klare Vorlieben. Besonders begehrt sind offenbar Land Rover: Die Wahrscheinlichkeit, dass ein Fahrzeug dieser Marke gestohlen wird, liegt mehr als viermal über dem Schweizer Durchschnitt. Bei Alfa Romeo ist sie dreimal höher, bei Porsche mehr als doppelt so hoch. Auch Audi, Jeep, Fiat, BMW und Mercedes-Benz stehen hoch im Kurs. Weniger anfällig scheinen dagegen unter anderem Tesla, Suzuki, Subaru, Seat, Skoda, Mazda, Ford, Opel, Hyundai, Nissan und Mitsubishi zu sein – was für deren Besitzer immerhin ein kleiner Trost mit Zündschlüssel ist.
Die gängigsten Methoden bleiben das Entwenden oder Kopieren von Autoschlüsseln sowie die Manipulation von Keyless-Go-Systemen. Erst dadurch können Diebe ins Fahrzeug gelangen, die Wegfahrsperre überwinden und den Wagen starten. Wer sein Risiko senken will, sollte den Schlüssel deshalb nicht offen herumliegen lassen. In der Öffentlichkeit gehört er nicht sichtbar auf den Tisch, denn auch Schlüsselsignale können abgefangen werden. Alarmanlage, Lenkradsperre und elektronische Wegfahrsicherung mögen nicht besonders glamourös klingen, machen den Dieben aber das Leben schwerer. Im Ausland empfiehlt sich zudem ein bewachter Parkplatz. Und bei elektronischer Verriegelung gilt: besser kurz hinhören, ob das Auto wirklich abgeschlossen hat. Manchmal entscheidet ein kleines Klicken darüber, ob der Wagen am Morgen noch dort steht, wo man ihn abgestellt hat.