Von Heinz Schneider (Text)
Der «Auto Gewerbe Verband Schweiz» (AGVS) verstärkt seine Geschäftsleitung: Kevin Rawyler hat die Nachfolge von Markus Aegerter angetreten. Der Betriebswirtschafter kennt die Autobranche aus vielen beruflichen Perspektiven. Nun wechselt er dorthin, wo zahlreiche Fäden des Schweizer Autogewerbes zusammenlaufen – und zwar in den Bereich «Fachstellen & Services.»
Dass Rawyler nach dem Studium in der Autobranche landete, war kein Zufall. Diese Welt habe ihn stets angesprochen, sagt er. Nach dem Studium der Wirtschaftswissenschaften an der Uni Zürich und dem Master in Betriebswirtschaftslehre an der Uni Freiburg führte ihn sein Weg zunächst zu «Jaguar Land Rover Schweiz.» Dort war er als Produktmanager tätig.
Zuletzt arbeitete der 35-Jährige bei «Desa Autoglass» als Leiter «Marketing und Human Resources.» Damit bringt er nicht nur Erfahrung aus dem Produkt- und Markenmanagement mit, sondern auch aus einem Bereich, in dem es weniger um Pferdestärken als um Menschen, Kommunikation und bisweilen recht unterschiedliche Erwartungen geht. Eine brauchbare Vorbereitung für die Verbandsarbeit.
Die ausgeschriebene Position beim AGVS machte ihn neugierig, weil er den Verband als eigentliches Branchenzentrum des Schweizer Autogewerbes betrachtet. Die Aufgabe versprach Vielseitigkeit – und dürfte dieses Versprechen ohne grössere Anlaufschwierigkeiten einlösen. Schliesslich bewegt sich die Branche zwischen technologischem Wandel, Nachwuchssorgen, neuen Antriebskonzepten, regulatorischen Vorgaben und einem Markt, der sich selten die Mühe macht, auf alle Beteiligten zu warten.
Kevin Rawyler will in seiner neuen Funktion das grosse Ganze im Blick behalten und unterschiedliche Aspekte berücksichtigen. Das klingt zunächst nach einer jener Formulierungen, die in Geschäftsberichten gerne zwischen Strategie und Nachhaltigkeit parkiert werden. Bei ihm steckt jedoch ein konkreter Ansatz dahinter: In Konflikten gehe es nicht darum, andere mit aller Kraft von einer Position zu überzeugen, die sie ohnehin ablehnen. Wichtiger sei es, zuzuhören und zunächst zu verstehen, weshalb das Gegenüber eine bestimmte Haltung einnimmt.
Gefragt sei lösungsorientiertes Denken. Wer unbeweglich auf einer fixen Position beharre, bringe weder sich selbst noch die Sache weiter. Treffen zwei Extrempositionen aufeinander, brauche es Kompromisse, Augenmass und diplomatisches Geschick. Gerade in einem Verband, in dem unterschiedlichste Betriebe, Interessen und Temperamente zusammenkommen, dürfte diese Fähigkeit ungefähr so nützlich sein wie ein funktionierendes Diagnosegerät in einer modernen Werkstatt.
Der neue AGVS-Mann bezeichnet sich als offenen und umgänglichen Teamplayer, der mit unterschiedlichsten Charakteren zurechtkommt. Doch ganz ohne Ecken und Kanten kommt der neue Geschäftsleitungsmann allerdings nicht daher. Er räumt ein, nicht der Geduldigste zu sein. Besonders schwer fällt es ihm, Begründungen wie «Das haben wir immer so gemacht» zu akzeptieren. Auch das nahe verwandte «Das haben wir noch nie so gemacht» dürfte bei ihm kaum Begeisterungsstürme auslösen. Beide Sätze gehören bekanntlich zu den zuverlässigsten Methoden, eine gute Idee bereits vor dem Start fachgerecht stillzulegen.
Privat lebt Kevin Rawyler im Seeland. Er fährt häufig Rennvelo und treibt auch sonst gerne Sport. Sollte er jedoch mal von Autos träumen, dürfte ihm im Schlaf wohl ein Sportwagen in British Racing Green erscheinen. Die beruflichen Jahre bei Jaguar Land Rover haben also offenbar gewisse farbliche Spuren hinterlassen. Kulinarisch lassen sich seine Vorlieben dagegen klarer eingrenzen: Austern und Gorgonzola-Käse dürfen gerne auf den Tellern anderer Leute bleiben.
Einen persönlichen Wunsch hat der neue AGVS-Geschäftsleiter dennoch: Ein Selfie mit Roger Federer würde er nur zu gerne machen. Vielleicht ergibt sich die Gelegenheit eines Tages – idealerweise neben einem britisch-grünen Sportwagen.
Bis dahin wartet beim AGVS eine Aufgabe, die vermutlich genügend Abwechslung bietet. Kevin Rawyler bringt Branchenerfahrung, wirtschaftliches Wissen, Offenheit und Lust auf Veränderung mit. Und sollte ihm im neuen Amt jemand erklären, etwas sei schon immer so gemacht worden, ist zumindest mit einer interessierten Rückfrage zu rechnen. Vermutlich sogar mit mehreren.