Redaktion Carwing (Text)
250 alte Traktoren wollen auf den Berg. Eigentlich eine harmlose Sache. Wäre da nicht ein Gletscher, ein bisschen Diesel und die Tiroler Politik. Schon wird aus gemütlichem Tuckern ein Kulturkampf mit ordentlich Drehmoment.
Anlässlich der Oldtimer-Traktorenveranstaltung «Hintertuxer Gletscherkönig» waren Mitte September rund 250 historische Traktoren unterwegs. Eine Woche lang ging es durchs Tuxertal, über Almwege und hinauf Richtung Gletscher. Für die einen gelebte Technikgeschichte, für die anderen eine ziemlich schlecht gealterte Idee davon, wie Natur, Tourismus und Nostalgie zusammenpassen sollen.
Was 2012 mit rund 70 Maschinen begann, ist längst zur veritablen Oldtimer-Parade angewachsen. Und genau das ist einigen zu viel. Kritik kommt aus der Tuxer Kommunalpolitik und von den Tiroler Grünen. Die halten die Veranstaltung für nicht mehr zeitgemäss und stellen die Frage, ob man rechtlich nicht von einer Motorsportveranstaltung sprechen müsse.
Das klingt nach Rallye. Nur fehlt dem Event fast alles, was Motorsport normalerweise ausmacht: keine Zeitnahme, keine Wertungsprüfung, kein Sieger, kein Pokal für den beherztesten Griff ans Handgas. Veranstalter Christian Kofler versteht das Treffen als rollende Technikgeschichte. Eher Wandertag mit Glühkopf als Rallye Monte Carlo.
Auch die Behörden sehen keinen wilden Ackerschlepper-Aufstand. Die Veranstaltung läuft mit Auflagen, definierten Routen, Begleitfahrzeugen und Vorgaben.
Ganz vom Tisch ist die Kritik damit nicht. 250 Traktoren sind 250 Traktoren. Vor allem in einem Tal, das ohnehin mit Verkehr ringt und zugleich nachhaltige alpine Mobilität propagiert. Wenn dann eine Diesel-Kolonne Richtung Gletscher tuckert, fährt die Symbolik gratis mit.
Die Veranstalter halten dagegen. Gefahren werde teils mit Biotreibstoff, die CO₂-Emissionen würden kompensiert. Das macht aus einem alten Steyr noch kein Murmeltier auf Rädern. Aber es zeigt zumindest, dass man verstanden hat, wo es qualmt.
Und dann ist da die andere Seite: Traktoren sind Kulturgut. Sie stehen für die Mechanisierung der Berglandwirtschaft, für harte Arbeit und Maschinen, die gebaut wurden, um Jahrzehnte durchzuhalten. Und dabei mit geringerer jährlicher Fahrleistung zu glänzen als manche moderne Freizeitkarosse. Die entscheidende Frage lautet deshalb nicht, ob alte Traktoren noch fahren dürfen. Sondern wo, wie oft und in welcher Zahl.
70 Maschinen sind etwas anderes als 250. Eine Runde durchs Dorf ist etwas anderes als eine Kolonne im Hochgebirge. Genau dort liegt der Konflikt: zwischen Tradition, Tourismus und dem Anspruch, sensible Landschaften nicht zum Freilichtmuseum mit Auspuffrohr zu machen.
Die Traktoren selbst dürften den Streit gelassen sehen. Viele haben Frost, Steilhänge, Besitzerwechsel und mehrere Generationen Tiroler Gemeindepolitik überstanden. Ein bisschen Knatsch mehr oder weniger bringt einen alten Steyr nicht aus der Spur.