Dennis Schneider (Text)
Die freie Werkstatt soll frei bleiben – und Teile, Logistik, Diagnose, Marketing, Datenanalyse und KI möglichst aus einer Hand beziehen. Ausgerechnet von einem Autokonzern. Stellantis stellt an der Automechanika in Frankfurt sein ausgebautes Eurorepar-Car-Service-System vor.
Nach Angaben des Konzerns umfasst das Mehrmarkennetz mehr als 6200 Werkstätten weltweit, davon über 4900 in Europa. Auch in der Schweiz ist Eurorepar präsent. Die Schweizer Organisation nennt derzeit mehr als 46 Servicepartner; betreut wird das Netz von AP Automobile Schweiz, einem Unternehmen der Emil-Frey-Gruppe.
Das Angebot reicht weit über Ersatzteile hinaus. Mopar liefert Originalteile für Stellantis-Marken, Eurorepar deckt den Mehrmarkenmarkt ab und Sustainera bündelt wiederaufbereitete, reparierte, wiederverwendete und recycelte Komponenten. Die Verteilung übernimmt das Distrigo-Netzwerk. Hinzu kommen Schulungen, Diagnosehilfen, digitale Werkstattverwaltung sowie Unterstützung bei Marketing und Betriebsentwicklung.
Für Datenanalyse und KI arbeitet Stellantis über das Gemeinschaftsunternehmen Octago mit MSX International zusammen. Geplant sind unter anderem Betriebsvergleiche, Leistungsanalysen und datenbasierte Hilfen für Kundenmanagement und Unternehmensführung. Stellantis verspricht «messbare Verbesserungen», veröffentlicht bislang aber keine Messwerte. Auch zu Gebühren, Vertragsbindungen und Datenhoheit enthalten die Mitteilungen keine Angaben.
Für Carrosserie- und Lackbetriebe bleibt die Ankündigung deshalb vorerst eine Randmeldung mit interessanter Stossrichtung. Zwar lässt sich bei Schweizer Eurorepar-Partnern teilweise auch nach Carrosseriearbeiten suchen. Konkrete Angebote zu Unfallreparatur, Lackierung, Schadensteuerung oder Herstellervorgaben nennt Stellantis für die Messe jedoch nicht.
Die eigentliche Nachricht liegt woanders: Autohersteller wollen im freien Reparaturmarkt nicht mehr nur Teile verkaufen. Sie wollen das Betriebssystem der Werkstatt liefern. Frei bleibt das Schild über dem Eingang. Wie viel Freiheit darunter noch übrig bleibt, wird die spannendere Frage.