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    Vom Ladestar zum Ladenhüter: Porsche soll dem Taycan den Stecker ziehen

Von Dennis Schneider (Text)

Erst spendiert Porsche dem Taycan künstliche Gangwechsel. Nun soll der ganze Wagen in den letzten Gang schalten. Nach Informationen der «WirtschaftsWoche» plant Porsche, die Produktion seines elektrischen Aushängeschilds bis spätestens 2030 einzustellen. Ausgerechnet 2030. Jenes Jahr, in dem einst mehr als 80 Prozent aller ausgelieferten Porsche rein elektrisch fahren sollten. Zukunft kann in Zuffenhausen erstaunlich schnell altern.

Dem Bericht zufolge haben sich Vorstand und Betriebsrat grundsätzlich auf ein schrittweises Auslaufen des Taycan verständigt. Schriftlich festgehalten sei die Vereinbarung allerdings noch nicht. Offenbar wurde zunächst sogar ein schnelleres Ende geprüft. Auch eine Verlagerung der Produktion vom Stammwerk Stuttgart-Zuffenhausen nach Leipzig stand zur Diskussion – und wurde wieder verworfen. Der Taycan soll demnach bis zu seinem Ende in Stuttgart bleiben. Die dortige Produktion ist wegen der schwachen Nachfrage bereits mehrfach unterbrochen worden.

Porsche bestätigt die Pläne nicht. Das Unternehmen verweist lediglich auf eine Aussage des neuen Konzernchefs Michael Leiters von Ende Juli: Man plane nicht, den Taycan «in kurzfristiger Perspektive» einzustellen, habe viel investiert und wolle beobachten, wie sich die Nachfrage entwickle. In der Automobilindustrie kann «kurzfristig» offenbar auch vier Jahre dauern.

Die Zahlen erklären, weshalb in Zuffenhausen offenbar nicht mehr nur beobachtet, sondern bereits der Stecker gesucht wird. 2021 lieferte Porsche weltweit 41 296 Taycan aus – damals sogar mehr als vom 911. 2023 waren es noch 40 629 Exemplare. Danach folgte der Absturz: 20 836 Fahrzeuge im Jahr 2024, 16 339 im Jahr 2025 und lediglich 6219 im ersten Halbjahr 2026. Gegenüber dem Vorjahreszeitraum entspricht das nochmals einem Rückgang um 25 Prozent.

Auch in der Schweiz ist die Euphorie merklich abgekühlt. 2023 meldete Porsche Schweiz noch 541 Taycan-Auslieferungen. Zwei Jahre später waren es 207 – fast 62 Prozent weniger. Gleichzeitig erreichte der 911 mit 1471 ausgelieferten Fahrzeugen einen historischen Bestwert. Siebenmal so viele Elfer wie Taycan. Die Kundschaft hat abgestimmt. Nicht am Bildschirm, sondern mit dem Portemonnaie.

Dabei scheitert der Taycan kaum an seinen fahrerischen Qualitäten. Der elektrische Porsche ist schnell, technisch aufwendig und inzwischen langstreckentauglicher denn je. Erst im Juni stellte Porsche für das neue Modelljahr ein umfassendes Update vor: bis zu 700 Kilometer Reichweite, künstliche Schaltrucke, acht virtuelle Gänge, einen digitalen Drehzahlmesser und einen neu inszenierten Elektrosound. Der Stromer sollte sich offenbar möglichst überzeugend wie ein Verbrenner benehmen. Zwei Monate später wird über seine Beerdigung gesprochen. Timing mit Porsche-Präzision.

Natürlich wäre das Produktionsende der heutigen Baureihe im Jahr 2030 allein noch keine Sensation. Der Taycan kam 2019 auf den Markt und hätte dann elf Jahre auf dem Buckel – ein stattliches Autoleben. Brisant ist vielmehr, dass bislang kein direkter Nachfolger angekündigt wurde. Bereits im März berichtete «Autocar», Porsche prüfe eine Zusammenlegung von Taycan und Panamera. Denkbar wäre künftig eine einzige Modellfamilie mit Verbrenner-, Hybrid- und Elektroantrieb. Welcher Name überlebt, ist offen. Der traditionsreichere Panamera dürfte dabei die besseren Karten haben.

Das mögliche Taycan-Aus passt zum grossen Rückwärtsgang in Porsches Elektrostrategie. Eine neue Elektroplattform wurde verschoben, Verbrenner und Plug-in-Hybride sollen länger leben, und selbst ein neues SUV oberhalb des Cayenne startet entgegen früheren Plänen zunächst nicht elektrisch. Im ersten Halbjahr 2026 sank der Anteil rein elektrischer Fahrzeuge bei Porsche von 23,5 auf 19,4 Prozent. Am 7. Oktober will Konzernchef Leiters die neue Langfriststrategie präsentieren. Dann dürfte sich zeigen, ob der Taycan nur altert – oder tatsächlich keine Zukunft mehr hat.

Der Taycan hat bewiesen, dass ein Elektroauto wie ein Porsche fahren kann. Was er offenbar nicht bewiesen hat: dass genügend Menschen einen elektrischen Porsche statt eines 911 wollen. Sollte der Bericht stimmen, endet Porsches erstes grosses Elektro-Kapitel nicht mit einem Knall, sondern mit einem sauber geregelten Auslaufen. Sehr effizient. Fast schon elektrisch.