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    Neuwagen auf Standgas, Ersatzteilgeschäft auf Drehzahl

Dennis Schneider (Text)

Der Neuwagenmarkt kommt kaum vom Fleck, der Aftermarket zieht davon. Was für Hersteller und Händler unerfreulich ist, füllt Teilelager und Werkstattkalender: Wer kein neues Auto kauft, fährt das alte länger. Und irgendwann meldet sich der Verschleiss.

Frost & Sullivan erwartet, dass der weltweite Umsatz mit Ersatzteilen und Zubehör 2026 um 5,8 Prozent auf 541,86 Milliarden Dollar steigt. Der Absatz leichter Neufahrzeuge soll dagegen lediglich um 1,6 Prozent auf 88,72 Millionen Einheiten zulegen. Gleichzeitig wächst der weltweite Fahrzeugbestand weiter.

In Europa und der Schweiz treffen der politisch forcierte Antriebswechsel, wechselnde Rahmenbedingungen und hohe Fahrzeugpreise auf eine zurückhaltende Kundschaft. Die Folge ist ein alternder Bestand. Frost & Sullivan sieht darin den wichtigsten Wachstumsmotor für den Aftermarket.

Allerdings betreffen die 541,86 Milliarden Dollar den Umsatz mit Teilen und Zubehör auf Herstellerstufe. Werkstattarbeit und Dienstleistungen sind nicht enthalten. Höhere Umsätze bedeuten deshalb weder automatisch mehr Reparaturen noch bessere Margen. Teurere Komponenten vergrössern zunächst einmal nur die Rechnung.

Für Carrosserie- und Lackbetriebe ist die Entwicklung dennoch relevant. Zur Studie gehören auch Carrosserieteile, Beleuchtung, Sensoren, Elektronik und ADAS-Komponenten. Mit der zunehmenden technischen Ausstattung wird nach Arbeiten an Glas, Carrosserie oder Fahrwerk immer häufiger eine Kontrolle oder Kalibrierung notwendig.

Die Schweiz passt ins Bild. 2025 gingen die Neuzulassungen von Personenwagen laut Bundesamt für Statistik um 2,1 Prozent zurück. Trotzdem wuchs der Bestand auf rund 4,84 Millionen Fahrzeuge. Das Durchschnittsalter stieg auf 10,8 Jahre, gegenüber 9,2 Jahren im Jahr 2019.

Für Reparaturbetriebe ist das eine gute Nachricht mit Fussnote. Ältere Fahrzeuge erzeugen zusätzlichen Reparaturbedarf, erreichen bei teuren Carrosserie- und Elektronikschäden aber schneller die Grenze zum wirtschaftlichen Totalschaden. Eine LED-Leuchte, beschädigte Sensoren und die anschliessende Kalibrierung können aus einem überschaubaren Parkschaden rasch eine Grundsatzdiskussion mit dem Fahrzeugwert machen.

Der Aftermarket wächst deutlich schneller als der Neuwagenmarkt. Doch der Milliardenboom findet zunächst bei den Teileherstellern statt. In der Werkstatt steigt der technische Aufwand – ob die Marge mithält, bleibt die wesentlich spannendere Frage.